Band 
Erster Band. A bis Bl.
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Attitüde

Reckt eine belebte Plastik genannt werben kann, hat von jeher Attitüden gezeigt.Daß aber dieselben zu einem Gegenstände besonderer Kunstdarstellung, zu besondernmimischen oder vielmehr pantomimischen Kunstwerken erhoben worden sind, ist eineErfindung unserer Zeit, welche wir der pantomimischen Gewandtheit einigerneuern Künstlerinnen verdanken. Die Attitüde, als besonderes Kunstwerk,welches daher vorzugsweise diesen Namen fuhrt, stellt, ohne Mitwirkung derSpräche (also pantomimisch) und Bewegung (denn sonst Ware es nicht eine Atti-tüde), durch bedeutsame Stellungen und Lagen des lebendigen Menschenkörpers, .einen idealen Zustand und Charakter dar; daher man sie auch pantomimische Stel-lung genannt hat. Da aber, wie bemerkt worden, nicht die Stellung an sich das °Kunstwerk bildet, sondern zugleich die Formen, welchen diese Lrilung gegeben jwird, und in Hinsicht des Gesichts und der übrigen ausdrucksfähigen Theile des 'Körpers, die Mienen und Gesten: so versteht sich, daß eine Attitüde nicht ohne -einen wohlgestalteten, bildsamen Körper und ohne bedeutsame Mienen und Gebär-den gedacht werden kann, und daß diese, wie die ganze Stellung, auf welche sichdie Attitüde beschränkt, durch den Körper einige Zeitlang festgehalten werden Müs-sen; denn der Genuß des Kunstwerks verlangt eine Dauer. Der Pantomime aber,der, wie jeder Mime, in seinem Körper zugleich das Darstellungsmittel seinerKunst trägt, muß Fähigkeit und Bildsamkeit besitzen, seinen Körper so zu regieren,daß er, wie das Gemälde oder die Statue, einen schönen und gehaltvollen Momentdes Lebensander Oberfläche und GestaltseinesKörpers auf mehre Augenblicke fest-zuhalten vermöge. Die pantomimische Stellung unterscheidet sich daher von denübrigen pantomimischen Darstellungen, in welchen die Bewegungen des Körpersfür jeden Augenblick wechseln, oder auch mehre Attitüden durch Bewegung anein-andergereiht fein können, dadurch, daß diese umfassender und dramatischer Na-tur sind, jene aber sich beschränkt, den Charakter durch die im Körper festgehalteneGebärde darzustellen. Der Genuß der Attitüde ist daher aber auch der volle Genußdes Moments, auf welchem sich die pantomimische Kunstfertigkeit in ihrer höchstenBlüthe, mit beschränkter» Mitteln, aber mit desto größerer Kraft zeigt. Inso-fern nun die Mimik Zuschauer verlangt, denen sie die Fruchte dieses Augenblicksbietet, hat man auch die Kunst der Attitüde nicht mit Unrecht S ch anst ellung S-kunsi, und ihre Darstellungen auch Schaustellungen genannt, nur das; man die-sen Namen nicht mißverstehe, und das Anschauen der Stellung und der Vorberei-tung des Körpers zu diesen Stellungen zum Wesen der Kunst rechne, da doch hierinnur das Technische dieser Kunst sich zeigt, dessen schnelles Vollbringen und Gelin-gen zwar den Virtuosen, aber noch nicht das Kunstwerk zeigt. Daher auch dasVerbergen der Vorbereitung, durch den hierzu gebrauchten Vorhang, zweckmäßigist, wenn auch der Eitelkeit der Künstler weniger angemessen. Indem ferner demKünstler ein Costume nothwendig ist, nichts Äußeres aber am Kunstwerk willkür-lich sein darf, vielmehr jede gegebene Form zu dessen Zwecke hinwirken soll, mußauch dieses Costume dem Charakter des Darzustellenden in jeder Hinsicht angemessensein; ja es wird, besonders wo es farbig ist, durch den Reiz einer künstlichen Be-leuchtung, welche die Bedeutung der Haupttheile des Gemäldes von Außen hebt,sowie durch scenische Anordnung die Darstellung zu dem Ideale des Gemäldes er-hoben werden können. Jedoch behaupten wir damit nicht, daß die Nachahmungeinzelner Statuen und Gemälde nothwendiger Zweck dieser Schaustellungen sei;vielmehr glauben wir, die Schaustellung liebe die Ähnlichkeit mit dem Gemäldenur darum, damit der Widerspruch zwischen der Lebendigkeit des darstellenden Kör-pers und dem Starren in der Darstellung hinter dem idealiscken Scheine der Ma-lerei verschwinde. Ferner wird die Attitüde auch deßwegen stets mit dem Gemäldeoder der Statue verglichen werden, weil diese Künste es eben sind, in welchen wirdas Bedeutendste körperlicher Erscheinungen gleichsam buS der Wirklichkeit heraus'.