Band 
Erster Band. A bis Bl.
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Augenheilkunde Augenlid 583

aus und nimmt den größte» Theil des innern Auges ein. Vorn hat sie eine kurchdie Gestalt derKrystalllinse, die sie berührt, hervorgebrachte Vertiefung und ist ih-rem Wesen nach eine sehr durchsichtige Gallerte, die aus feine» Zellen besteht, inwelchen die Flüssigkeit sich befindet. Wie das Bild eines äußern Gegenstandes u,dem Auge entsteht, hat zuerst Kepler gezeigt. Es fahren von jedem Punkte einesleuchtenden oder erleuchteten in die Auge» fallenden Körpers nach geraden LinienStrahlenkegel aus, deren spitze auf dem Körper, deren Grundfläche aber auf dervorder» Fläche der Hornhaut ruht. Der Strahlenkegel dringt durch die Hornhautund durcb die wässerige Feuchtigkeit; ein Theil seiner S wählen wird zwar von dervorliegenden Iris aufgefangen, das auf die Pupille fallende Licht aber trifft dieKrvstalllinfe, dringt durch dieselbe und durch die gläserne Feuchtigkeit bis zur .stieß,haut durch und leidet bei seinemDnrchgange durch vier verschiedene Mittel, nämlichdie Hornhaut und die drei Feuchtigkeiten, vier Brechungen, bis sich endlich dieStrahle» des Kegels in einiger Enlfernung von der Krystalllinse in einem Punktevereinigen. Es geht also auf diese Weise im Auge eben Das vor, was in einem vei".flüsterten Zimmer geschieht, in welchem sich eine mit einem erhabenen Glase versehene-Öffnung befindet. Wenn der Vereinigungspunkt der Lichtstrahlen genau auf dieNetzhaut trifft, so bilden sie den Punkt, von welchem sie ausgingen, auf derselbendeutlich ab. Da die Lichtstrahlen aus allen Punkten des sichtbaren Körpers ins Augefallen, und also das Bild eines jeden Punktes auf der Netzhaut dargestellt wird, soentsteht aus den Bildern aller dieser Punkte zusammen ein umgekehrtes Bild desäußerlich befindlichen sichtbaren Körpers, wie in einem verfinsterten Zimmer umge-kehrte Bilder der Gegenstände auf der dem Glase gegenüber befindlichen Wand ein-stehen. 'Auch ist der innere, mir der gläsernen Feuchtigkeit angefüllte Raum desAuges einem solchen Zimmer völlig ähnlich und wird durch den schwarzen, die brauneHaut von Innen bekleidenden und durch die durchsichtige Netzhaut scheinenden Leimverdunkelt. Die genaue Wiedervereinigung der Strahlen, welche aus einerlei Punktdes sichtbaren Körpers ausgingen, ist die Ursache der Deutlichkeit des Bildes undder Deutlichkeit des Sehens zugleich. Diese wird auf der Netzhaut gestört, wenndie Vereinigungspunkte der Strahlen nicht genau auf dieselbe treffen, sondern ent-weder vor oder hinter ihr liegen. In beiden Fällen bilden sie statt des Punkteseinen Kreis ab. Wenn sich aber jeder Punkt des Bildes auf der Netzhaut in einenKreis ausbreitet, so muß nothwendig das Bild und folglich auch das Sehen un-deutlich sein. Wiewol eigentlich jedes Auge seine eigne, von seiner eigenthümliche»Beschaffenheit abhängende Sehweite hat, so nimmt man sie d.ch für ein gewöhn-liches, gut gebautes Auge auf acht Zoll an. Das Auge besitzt durch seine Mus-keln zugleich ein Vermögen, seine Einrichtung zu ändern und dadurch auch auf klei-nere und größere Weite» vollkommen deutlich zu sehen. (>L7. auch d. Art. Hphrbal-mologie, Blinde, Wkaar.) Unter den älter» Werke» über das Auge stehtoben anJinn's „DedcrPii» .inutuiliieu w'nli Ininiuni" (Gatt. 1"53); unter denneuern Sömmerring'S „Abbild, des menschlichen Auges" (Frankfurt am M.180k, Fol.; ein schönes Kupferwerk), und Echreger's „Versuch einer vergleich.Anatomie des Auges" (Leipz. 1810).

A u g e n h e i l k u n d e, s. Hpthalmiatrik.

A u g e n l i d , der Deckel des Auges. Lid, ein altdeutsche? Wort, heißtnach Wolke u. a. Sprachforschern, Decke, und darf daher nicht wie Lied (eine Gat-tung lyrischer Gedichte) mir einem e geschrieben werden. Diese beinahe halbeirkel-förmigen Augendeckel werden in ältern medicinischen Büchern w^nineniui nn, und «.-<>»>><;,enl.> genannt, wodurch jene deutsche Ableitung um so richtiger er-scheint. Die Krankheiten, welchen diese Theile des Körpers ausgesetzt sind, sindebenso zahlreich als mannigfaltig; aber auch der Nutzen der Augenlider ist sehrgroß. Eie beschützen nicht nur das Auge gegen das Eindringen fremder Körper,