Augustus 551
Aber dieser Friede ward, 9 n. Chr., durch die Niederlage deöDarus gestbrt, der 3Legionen gegen die Germanen unrerHermann (s. d.) verlor und verzweistungs-voll sich selbst todtere. Die Nachricht dieses Unglücks erschütterte A- rief. Er ließseinen Kart und seine Haare wachsen und rief oft im äußersten Schmerz: ,,OVaruS, gib mir meine Legionen wieder!" Indeß wurden die Deutschen durch Tibe-riuS in Schranke» gehalten. Während des Friedens erließ A. viele nützliche Ver-ordnungen und stellte die Mißbrauche in der Verwaltung ab. Er gab dem Senateine neue Gestalt, beschäftigte sich mit der Verbesserung der Sitten, besonders durchBegünstigung der Ehen, gab LuxuSgcsetze und üellte die Kriegszucht bei den Heeren,sowie die Ordnung bei alle» eircensischen Spielen wieder her; er verschönerte Rom ,das er, wie er mit Wahrheit sich rühmte, aus Backsteinen erbaut gesunken hatteund aus Marmor erbaut hinterließ. Auch machte er Reisen, tun, wie VellejuSsagt, allenthalben die Segnungen des Friedens zu verbreiten; er besuchte Licilienund Griechenland, Kleinasien, dorten, Gallien :c.; in mehren Gegenden grün-dete er Städte und Colonien. Die Völker errichtete» ihm Altäre, und durch einDeeret des SenatS ward dem Monat Le.rtilis der Name August gegeben. ZweiVerschwörungen, die A.'s Leben bedrohten, scheiterten. Cäpio, Muren», Egna-tiuS wurden mit dem Tode bestraft. Glücklicher war Cinna, dem A. verzieh.Diese Großmuth vermehrte die Liebe der Römer und verminderte die Zahl derMiß-vergnügten, sodaß dem Beherrscher Roms Nichts zu wünschen übrig gebliebenwäre, hätte seine Familie sich seinem Willen eben so gefügt, wie die Welt sich ihmfügte. Die Ausschweifungen seiner Tochter Julia verursachten ihm großen Kum-mer, und er zeigte sich härter gegen Diejenigen, welche die Ehre seiner Familie ver-letzt, als gegen Diejenigen, die sein Leben bedroht hatten. Die Geschickte sagt,daß er in seinem Alter von der Livia beherrscht wm de, vielleicht der einzigen Person,die er wahrhaft geliebt hatte. Er hatte keine -Lehne und verlor durch den Todsowol seinen Lchwestersohn, MareelluS, als seine Tockterfthne, CajuS und Lucius,die er zu seinen Nachfolgern bestimmt hatte. Auch DrusuS , sein Ltiessokn, dener liebte, starb frühzeitig, und TiberiuS, der Bruder desselben, der ihm seiner bösenEigenschaften wegen verhaßt war, blieb ihm allein übrig. Diese vielen Todesfälle,sein hohes Alter und seine stets schwäclftr wcrdendeGesundheit erweckten in ihm dieSehnsucht nach Ruhe. Er unternahm eine Reise nach Campanien, von dessen ge-sunder Luft er sich eine günssae Wirkung versprach; allein sein Übelbefinden nahmzu, und er starb zu Nola (19. Aug. 11 n.Cbr.) in einem Alter von 76 I. und im45. I. seiner Alleinherrschaft. Als er die Annäherung seines Todes suhlte, foderteer, wie erzählt wird, cinenSpiegel, ordnete sein Haar und fragte die Umstehenden:„Habe ich meine Rolle ant gespielt?" Auf die bejahende Antwort fuhr er fort:„So klatscht in die Hände, sie ist aus!" — Wäre dieser letzte Aug aus dein Lebendes A. zuverlässig, so würde er sinnen Charakter, seine Politik und selbst sein Glücktreffend bezeichnen. Gewiß ist es, daß sein Betragen stets abgemessen und überlegtwar, und daß er die große Gabe besaß, mitten unter den Stürmen der Herrschaftkalt und »»erschüttert zu bleiben. Geschickt seine Plaite verbergend, benutzte er dieLeidenschaften wie die Talente Andrer, um jene zu erreichen. Er besiegte Brutusdurch Antonius, und diesen durch Agrippa . Mehrmals wechselte er die Parteien, nieseine Plane, und wußte eine Herrschaft sich antragen, ja aufdringen zu lassen, diestets das Ziel aller seiner Bestrebungen gewesen. Man darf jedoch zu seinem Lobenicht verschweigen, daß er seine Macht mit Weisheit gebrauchte und das Reich mitden Segnungen des Friedens beglückte, nachdem er es durch alle Schrecken des Bür-gerkriegs geführt. Alles Große und Gute, wodurch seine Regierung sich auszeich-nete, ging von ihm aus. Er belebte den Ackerbau und begünstigte die Künste. Mitfeinem Geschmack und gewandtem Geist begabt, liebte und schätzte er die Wissen-schaften und übte die Dichtkunst selbst, sodaß er nicht unwerth war, einem Zeitalter