Band 
Erster Band. A bis Bl.
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Beaumarchais

auf das erste Memoire folgte, ist ein sehr unterhaltendes Intriguenstück, in wel-chem der Verf. auf eine eigenthümliche Weise die ältesten Theaterpersonnagen,schelmische Bediente und Hintergangene Vormünder, verjüngte. Die „Hochzeitdes Figaro " zeichnete sich noch mehr aus. Die Zeit hat den Tadel bestätigt in An-sehung der Unwahrscheiuluchkeiten des 5. ActS, der Unsittlichkeit mehrer Situatio-nen und des CvniSmuS desStylS, der von sawrischen Späßen und ausgelassenenWortspielen durchgängig entstellt ist; aber die Zeit hat auch die Wirkung des 2.ActS bestätigt, der voll dramatischer Verwickelungen ist, weshalb das Werk nieaufgehört hat die Menge anzuziehen. Darauf aber beschränkt sich B.'S Verdienstin jeder Art. Kurz vor der Revolution ward er in den Proceß des BanquiersKornmann verwickelt und fand in Bergasse einen Gegner, dessen männliche undstrenge Beredtsamkeit weit über das halb ernst-, halb scherzhafte Talent erhabenwar, welches die Goßzmaun, die Marin, die Arnaud u. s. w. zu Boden geschla-gen hatte. B. verlor um diese Zeit einen Theil des öffentlichen Wohlwollens,und seine Oper „Tarare" (1787) verschaffte es ihm nicht wieder. 1792 brachte er„s.n inei« nnnpnblc" auf die Bühne, das werthloseste von allen seinen Werken.Seine Absicht war, den furchtbaren Gegner, den er in dem Kornmann'schenProcesse gefunden hatte, unter dem Namen Bergasse dem öffentlichen Abscheupreiszugeben, und er verschmähte ;u diesem Zwecke die schändlichsten Verleumdun-gen nicht. B. fand nur noch ein Mal sein wahres Talent wieder in dem Memoire:„VIe-i 5ÜX «Pngne-,". Er erzählt darin die Gefahren, denen er ausgesetzt war undausgesetzt sein mußte in einer Revolution, wo ein berühmter Name, Talent, Reich-thum, hinreichende Gründe zur Verbannung waren. Damals besaß er, schon über60 I. alt, noch die ganze Kraft seiner Jugend; Nichts als die Heiterkeit batte erverloren. Der nordamerikanische Krieg, während welchen! er den AmerikanernSchiffe mit Kriegsbedürfnissen zuführte, hatte seine Glücksumstände erhöbt, vondenen er stets einen edeln Gebrauch machte; der Revolutionskrieg aber stürzte dasGebäude seiner Industrie um. Er hatte schon bei der berühmten AuSg. der Vol-taire'schen Werke, deren sehr unvollkommene Ausführung keineswegs dein unge-heuern Kostenaufwands entspricht, fast eine Mill. verloren. Noch mehr verlor erEnde 1792 durch das Unternehmen, 60,090 Flinten nach Frankreich zu schaffen,deren die Heere bedurften. Nach der Rückkehr in seine Heimath sah er noch nichtS-würdigere und nicht minder grausame Tyrannen denjenigen folgen, die man ver-trieben hatte. Mißvergnügt mit der Gegenwart, ohne Hoffnung für die Zukunft,müde mit der Revolution und seinen Gläubigern über die Trümmer seines Ver-mögens zu streiten, starb er 69 I. alt, ohne Krankheit, im Mai 1799. 1802 istseine Lebensbeschreibung, und 1809 eine AuSg. seiner Werke in 7 Bdn. erschienen.B. besaß eine feurige Einbildungskraft, die sich immer mit volle- Energie ihres Ge-genstandes bemächtigt, dabei aber so eindringenden Verstand, so treffende Beur-theilungskraft, so viel übersehende Klugheit, daß er seiner Einbildungskraft stetsHerr bleibt. Neben diesen Eigenschaften wohnte in ihm ein so vollkommener Ge-schäftsgeist, daß das Verwickeltste ihn nur wie ein Spiel beschäftigte, und eine Thä-tigkeit, die Alles aufbot, um den vorgesetzten Zweck zu erreichen. Gab ibin seinVerstand die Mittel an die Hand, so sicherten ihm sein Muth und seine Kraft denErfolg, zumal da seiner fjberredunzSkrast nicht leicht Jemand widerstand, seineGleichheit der Laune ihn vor Verzagtheit bewahrte, beständige Gegenwart des Gei-stes ihn den geltenden Augenblick ergreifen, und Festigkeit ihn beharren ließ. Leb-haft ohne Hitze, empfindsam ohne Schwäche, fröhlich ohne Unbesonnenheit, niedas Spiel seiner Leidenschaften, kalt in Gefahr, stark im Unglück, verlor er auchin der bedenklichsten Lage weder Gleichmuts noch Geistesgegenwart und konnteseine Lage stets übersehen und beherrschen; zu diesem Allen noch eine ausgebreiteteWelt- und M.'nschenkenntniß, Witz, List und Gewandtheit. Streben nach Ver-