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Bildhauerkunst (Technik der)
von neuem müssen gezogen und ergänzt werden. Diese Ungewißheit nöthigte dieKünstler, einen sicherern Weg zu suchen, und viele nahmen diejenige DersahrungS-art an, welche von der franz. Akademie in Rom zum Nachbilden der Antiken zuersterfunden war. Nach dieser befestigt man nämlich über dem Blocke und dem Mo-delle die sogenannte Mensur, welches ein viereckiger Rahmen ist, von welchem!man nach gleich eingetheilten Graden Dlcifäden herunterfallen laßt. Durch dieserFäden werden die äußersten Punkte der Figur deutlicher bezeichnet, als in der erstenArt durch Linien auf der Fläche, wo ein jeder Punkt der äußerste ist, geschehenkonnte; sie geben auch dem Künstler ein sinnliches Maß von einigen der stärkstenErhöhungen und Vertiefungen durch die Grade ihrer Entfernung von Theilen,welche sie decken, wodurch er in den Stand gesetzt wird, freier und mit mehrem,Muthe bei seiner Arbeit zu Werke zu gehen. Da aber der Schwung einer krum»MenLinie durch eine einzige gerade Linie nicht genau zu bestimmen ist, so werdenebenfalls die Umrisse derFigur durch diesen Weg sehr zweifelhaft für den Künstler«ngedeutet, und in geringen Abweichungen von ihrer Hauptfläche wird sich derselbealle Augenblicke ohne Leitfaden und ohne Hülfe sehen. Es ist sehr begreiflich, daßin dieser Manier auch das wahre Verhältniß der Figuren schwer zu finden ist. Umdiesem Übelstande auszuweichen, bemüht man sich, jenes Verhältniß zu finden,indem man die Bleisäden durch Horizonialfäden durchschneiden läßt. Michel An-gele erfand einen neuen, sehr sinnreichen Weg, auf welchem er das richtige Ver-hältniß der Figuren zu bestimmen suchte. Eine Nachricht davon findet man inVasari'S „Leben der Maler rc." ausführlicher aufgezeichnet, als es hier geschehenkönnte, weswegen wir dahin verweisen. — Hat nun der Künstler nach einer dieserlMctboden jeden Theil seines Modells nach seiner Lage und seinem Verhältniß arwdem Blocke bestimmt, so arbeitet er denselben mit dem Eisen und, nach Erfodernißder Umstände, mit dem Bohrer aus. Hierbei geht er von dem äußersten Punktenach den innern Punkten fort und gründet so die Hauptpunkte der Glieder, MuS,kein, Gewänder rc. von allen Seiten. Zst ein Punkt gefunden und, wo es mög-lich ist, mit dem Bohrer vorgearbeitet, so schlägt der Künstler den überflüssigenStoff mit dem Spitzeisen aus, läßt jedoch noch Etwas stehen, damit es ihm beider Ausarbeitung nicht fehle. Anfänglich schlägt er jeden Theil eckig aus, dannbricht er nach und nach die Ecken und rundet jeden Theil. Das Eisen darf, damitnicht zu viel Stein abspringe, immer nur wenig auf einmal wegnehmen. Hatnun aber der Block ungefähr die Figur, die er bekommen soll, erhalten, so wird erausbossirt (mit dem Zahneisen weiter ausgebildet), und d(eAnlage zu den feinstenund zartesten Theilen gemacht. Die Massen unter den schwebenden oder schwachenTheilen, z. B. die Gegenden unter den Armen, zwischen den Fingern und Füßen,den Falten rc., zu deren Bearbeitung daS Lpiheisen nicht gebraucht werden kann,werden nun bei dem Ausbostiren vermittelst des Bohrers und der Raspel wegge-nommen, welches eine sehr mühsame Arbeit ist. Auf dieselbe Art entstehen auchdie Vertiefungen des krausen Haupthaars, der Nasenlöcher -c. Hierauf schrei-tet der Künstler zu dem Zähnen, das heißt, er nimmt mit dem Zahneisen alle bis-her noch eckig angelegten Theile ab, und gibt der Figur Rundung, Richtigkeit undFeinheit. Dabei bedient er sich deöTasiercirkelS, um die Stärke jedes Gliedes ge-nau nach dem Modell zu bestimmen. Nun steht das Werk kenntlich da und darfnur rein gemacht, d. h. rein und sauber ausgearbeitet werden, welches mit demDreiteisen, dem Rundeisen und dem Zwergeisen geschieht. Das erste ebner gemei-niglich das Nackte und alle ebene Flache», das zweite die Vertiefungen, z. B. dieKalten, und das dritte die kleinen schwebenden Theile. Da aber das Eisen denharten Stein nicht völlig ebnet, so muß ihm die Raspel zu Hülfe kommen, welcheüberdies die feinsten Tb 'le, z. B. die Augenlider, Näzel ic., ausbildet. Nachbei» Unterschiede der Flachen werden gerade, aufgeworfene, runde, flache u. a>