Band 
Erster Band. A bis Bl.
Seite
931
JPEG-Download
 

Blitzröhrcn

Bloch

931

bis in die Erde hinunterführe, damit die Elektricität der Wolke, welche die Spitzean sich gezogen, in die Erde abgeleitet werde. Frar.klin's Vermuthung fand sichgegründet, und man hat nach ihm an vielen Orten die Blitzableiter eingeführt,welche anfänglich in einer an dem Gebäude hinab in die Erde geleiteten eisernenStange bestanden, deren Spitze über dem Gebäude mehre Fuß hervorragte. —Nach den bisherigen Erfahrungen ist die beste Einrichtung eines Bli^ableiters fol-gende: Der Ableiter besteht aus einer eisernen, einen Zoll starken Stange, derenoberer Theil mit einer 8 — 9 Zoll langen Spitze von Kupfer versehen, welche, umdas Rosten zu verhindern, im Feuer vergoldet ist. Diese Stange (Auffangstange)wird auf der höchsten Stelle eines Gebäudes so befestigt, daß 'sie wenigstens 5—8Fuß über dasselbe hervorragt; an diese fügt man einen an einander genieteten Ku-pferstreif, 3—4 Zoll breit, der bis zur Erde herab und ungefähr einen Fuß rief indieselbe hineingehen muß. Der streif wird genau auf das Dach und die Wanddes Gebäudes angenagelt. — 1762 ward zu Pauneshill in England von l).Watson, und 1769 zu Hamburg am Zacobithurm in Dentschland der erste Blitz-ableiter errichtet. Man hat in neuern Zeiten Blitzableiter vorgeschlagen, die jeneEinrichtung ersehen sollen. Dahin gehört der von Nicolai angegebene wohlfeileBlitzableiter aus Blechstreifen, der auch bereits, z. B. in Lohmen bei Pirna , aus-geführt worden ist; wogegen die von Lapostolle vorgeschlagenen Blitzableiter ausStrohseilen, die mit Metallspihen versehen sind, gegründeten Widerspruch fan-den, da Versuche gezeigt haben, was schon aus theoretischen Gründen zu er-warten war, daß Strohseile kaum zu den Halbleitern zu rechnen sind und dahernicht als Blitzableiter gebraucht werden können. S. Eytelwein's und^Gilly's„Kurze Anleitung, wie Blitzableiter an Gebäuden anzubringen sind" (2. Aufl.,Berl. 1802). 1). Nürnberger hat mehre dunkle Punkte der Theorie und Pray'Saufgehellt in s. Abhand.: „Zur Theorie und Praxis der Blitzableiter" („DeutscheBlätter ", 1823, Nr. 22 fg.).

Blitz röhren, Blitzsintrr, Fulgurit, sind durch Blitz halbzusammengeschmolzene, röhrenförmige Zusammenhäufungen von O.uarzkörnern,welche im «ande muldenförmiger Vertiefungen an den Abhängen kleiner Hügelvorkommen. Die Röhren stehen meist senkrecht, sind zuweilen 30 Zoll breit undbis fast 1 Zoll weit. Außen sind sie meist mit kleinen zackigen Hervorragungen be-deckt, häufig auch umgeben mit einer Rinde angefritteter Ö.uarzkörner; innen oftüberzogen von Glasfluß. Sie sind durchscheinend, von graulicher Farbe, und dersie zunächst umgebende «and ist roth. Man findet sie besonders in der SennerHeide >n Westfalen, zu Pillau bei Königsberg, unweit Dresden, zu Nietleben beiHalle a. d. «., zu Drigg in Cumberland n. a. a. O. (M. vgl. Fiedler's Abh.in Gilbert's „Annalen der Physik ", Bd. 55,61 u. 71.)

Bloch (Marcuü Eliezer), ein Naturforscher jüdischer Nation, geb. zu An-spach 1723 von armen Ältern, war 19 I. alt und verstand weder Deutsch nochLateinisch, noch hatte er außer einigen rabbinischen «chriften Etwas gelesen. Indes-sen werd er Hauslehrer bei einem jüdischen Wundarzt in Hamburg . Hier lernteer Deutsch nnd Latein, auch erwarb er sich einige anatomische Kenntnisse. Dannging er nach Berlin zu Verwandten und studirte mit unglaublichem Eifer die Ana-tomie und alle Zweige der Naturgeschichte, wurde Doctor zu Frankfurt a. d. O.und kcm nach Berlin zurück. Der berühmte Naturforscher Martini ließ ihn indie Gesellschaft naturforschenter Freunde aufnehmen. Anhaltende Arbeiten be-reicherten ihn mit den auSgcbreitetsten Kenntnissen. Er genoß eines in jeder Rück-sicht verdienten Ansehens und starb 1799. Sein Hauptwerk ist seine „Naturge-schichte der Fische", eine Zierde der deutschen Literatur. Der Derf. hatte dies kost-bare Werk auf seine Kosten herauszugeben angefangen. Als der Aufwand abersein Vermögen überstieg, das überhaupt mehr in seltenen naturhistorischen Samm-

59 *