Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Boerhaave 9

der ordnete. Diese Arbeit führte ihn auf den Gedanken, selbst Lettern zu schnei-den und zu gießen. Nach einer hohem Ausbildung strebend, beschloß er 1766,nach England zu gehen. Er besuchte auf dem Wege seine Vaterstadt, wo ihnein heftiges Fieber überfiel, das seinen Reiseplan zerstörte. Um diese Zeit hatteder Infant Don Ferdinand, Herzog von Parma, daselbst, neben andern wissen-schaftlichen Anstalten, auch eine königl. Druckerei, nach dem Muster derer von Pa-ris, Madrid und Turin , errichtet. B. trat an die Spitze dieser Anstalt, die durchihn zu der ersten dieser Art in Europa erhoben wurde, und erwarb sich den Ruhm,Alles, was seine Kunst früher an prachtvollen und dem Schönheitssinn zusagendenWerken geliefert, bei weitem übertreffen zu haben. Die Schönheit seiner Lettern,seiner Schwärze und des Papiers läßt ebenso wenig als die ganze Anordnung desTechnischen Etwas zu wünschen übrig, und schwerlich möchte es ihm darin irgendeiner seiner Nachfolger zuvorthun; doch kommt der innere Werth seiner Ausga-ben dem glänzenden Äußern selten gleich. Sein Homer ist ein wahrhaft bewun-dernswürdiges Prachtwerk; wie denn namentlich seine griechischen Lettern, unterallen neuern Versuchen, am glücklichsten die Züge der Handschrift nachahmen.Sehr geschätzt sind seine Prachtausgaben der griech., lat., ital. und franz. Classi-ker. Er starb zu Padua den 29. Nov. 1813.

Boerhaav e (Hermann), einer der berühmtesten Ärzte des 18. Jahrh., geb.am IZ.Dec. 1668 zu Woorhout bei Lenden, erhielt von seinem Vater eine gelehrteErziehung. Der junge Hermann verstand noch vor seinem 11. Jahre Griechisch undLateinisch. Ein bösartiges Geschwür an der linken Hüfte, gegen welches er 7 Jahrelang alle Hülfsmittel der Arzneikundc erschöpfte, war Ursache, daß er Neigung fürdiese Wissenschaft faßte. 1682 ward er nach Lerden geschickt, um dort Theologiezu studiren. Hier gab er, 26 Jahre alt, die erste» öffentlichen Probe» seiner Ge-lehrsamkeit und Beredtsamkeit. Unter Gronov'S, seines Lehrers im Griechischen,Vorsitz hielk er eine akademische Rede: s)»,» prvlmini bo»v >>>>i-!'rnia,» -> täiae-rnno ei ivuliilata»! -eniruliain lIücnri clc snnimo I>c>»<>" (Lcpd. 1690,4.).B. bestritt darin Spinoza'S Lehre mit so viel Talent, daß die Stadt ihn mit einergoldenen Medaille belohnte. 1689 ward er 1). der Philosophie und vertheidigteseine InauguraldissertationI>r üisliiielnme menii! ,n rarpaic" (Lenden 1690).Damals fing er, in einem Alter von 22 Jahren, das Studium der Medicin an.Drelincourt war sein erster und einziger Lehrer, er erhielt von ihm nur wenigenUnterricht, und es ist merkwürdig, daß B. allein eine Wissenschaft erlernte, aufdie er einen so wichtigen Einstuß ausüben sollte. Er studirte zuerst die Anatomie,aber mehr in den damals gangbaren Werken eines Vesale, Bartholin :c. als inSectionen. Er war zwar bei den meisten Zergliederungen Nuck's gegenwärtig;dennoch läßt sich der Mangel eines praktischen Studiums der Anatomie in allenSchriften B.'S wahrnehmen. Der Einfluß, den er dennoch auf sie ausübte,war nur eine Folge der nothwendigen Verbindung zwischen dieser ganz mechani-schen Wissenschaft und der Physiologie und Medicin. Indem er in letzten: diemechanischen Erklärungen vorzog, zwang er die 'Anatomen, sich einem genauenStudium der Formen der Drgane zu widmen, wie sich dies an allen Anatomenseiner Zeit, einem Santorini, Morgagni , Valsalva, Winslow, Albinus :c.hemerken läßt. Nach diesem vorläufig'» Studium, welches in der That dieGrundlage der medicinischen Wissenschaft ist, las B. alle alte und neue Werkeüber die Medicin nach der Aeiksolge, indem er von seinen Zeitgenossen bis zumHippokraws hinaufstieg, dessen hoher Werth und einzig richtige Methode ihmdadurch recht einleuchtete. Er studirte ebenfalls Botanik und Chemie, und ward,obwol er sichoch immer dem geistlichen Stande widmete, 1693 zu Harderwyck1). der Medicin. Seine Disputation warI)o »illitaw evploranch» »»> vxuiu-mouwruni In aoZii-, ul riAiiuru»,". Nach seiner Rückkehr nach Leyden cnt-