Chirologie Chiromantie 681
schrin, Wechsel u. s. w. ohne Pfandrecht gründen, und denen die hypothekarischenFederungen vorgehen.
Chirologie, die Fingersprache, oder die Kunst, sich mit den Handen undFingern verständlich zu machen. Sie ist ein wichtiges Mittel der Mittheilung fürStumme und Taubstumme.
Chiromantie (a. d. Griech.), die angebliche Kunst, aus den Zeichen derHand wahrzusagen. DerChiromam behauptet, daß durch die Züge, welche die gött-liche Weisheit ursprünglich in die Hand jedes Menschen gezeichnet habe, auf eine zu-verlässige Weise s. Neigungen und Begierden, s. Fehler und Tugenden, s. Liebe unds. Haß bestimmt sind. IedeSwichkigeLebenSereigniß sei daselbst mit unauslöschlichenZüge» aufgezeichnet, zu deren Entzifferung es aber einer besondern Wissenschaft be-dürfe. Spuren der Chiromantie finden sich schon im Aristoteles, welcher z. B. ver-sichert, daß es ein Zeichen von langem Lebe» sei, wenn eine oder zwei Linien nach derganzen Länge der Hand hinliefen. Auch führen die Chiromanten Zeugnisse aus derBibel an, u. a.: Ict I'I i t gu.>»> rixuu u> in UUIN» tun ct giuiri mnininttuilnm !>ntsueulus tun, (2.B.Mos.,C. 13,V. 9) und: In IIUNNI ouniium Iinuiniuui5igui.it,l/k ucueriul ri'ugu/i 5 ,I >1 (Hiob , C. 37, D. 7). Das Mittelalter bildete dieChiromantie aus, und in unsern Tagen hat die franz. Wahrsagerin Lenormand indieser Kunst vornehme Adepten in Paris und auf den Reisen nach den Congressengefunden. Den Chiromanten sind also die in der Hand verzeichneten Linien das ei-gentliche Schicksalsbuch des Menschen. Diejenige, welche um die Wurzel des Dau-mens hinläuft, nennen sie die Lebenslinie, weil aus ihrer Lage, ihrer bald unter-brochenen, bald nicht unterbrochenen Länge oder Kürze, ihrer Stärke oder Schwäche,ihrer Tiefe oder Flachheit sich die Dauer und Beschaffenheit des Lebens bestimmenlasse. Sowie diese unmittelbar mit dem Herzen in Beziehung steht, so steht eineandre, welche in der Mitte der Hand läuft, in genauer Verbindung mit dem Ge-hirn, und heißt die natürliche oder die Kopflinie. Die dritte große Linie, welcheparallel mit der vorigen zunächst unter den Fingern hinläuft, wird die allgemeinegenannt und zeigt überhaupt die Körperkraft an, und was dem ganzen Körper undjedem einzelnen Gliede begegnen soll. Die Perpendicularlinie, welche mit den bei-den ersten ein Dreieck bildet, heißt die Leberlinie und lehrt die Verdauungskräfte undfolglich die natürliche Leibesbeschaffenheit kennen. Sehr wichtig ist dem Chiroman-ten die Linie, welche die Grenze des Arms und der Hand bezeichnet und den arabi-schen Namen Rascette führt. Ist die Stelle, welche sie einnimmt, von guter Farbe,so bedeutet dies eine gute Leibecbefchaffenheit. Die Saturns - oder Glücksliniegeht von der Rascette mitten durch die Hand nach dem Mittelsinger zu: sie ver-stärkt den Werth der andern Linien und ersetzt, was ihnen abgehen möchte. DieLinie, welche von der Rascette nach dem kleinen Finger hinläuft, heißt die Milch-linie; aus ihr erkennt man die lüsternen, geschwätzigen, unbeständigen Männer,welche sich leicht von den Weibern hinreißen lassen. Jetzt sind nur noch die unterjedem Finger befindlichen Linien übrig; diejenige, welche (den Daumen ungerech-net) die beiden Mittelsinger in einem kleinen Bogen umfaßt, heißt der Venusgür-tel, weil sie eine außerordentliche Wollüstigkett anzeigt; die übrigen haben keinen be-sondern Namen. Das Studium dieserLinien istaußerordenklich verwickelt wegen dervielfältigen Abweichungen und Eigenheiten, welche sich darbieten. Bald sind dieLinien einfach, bald doppelt, drei-und vierfach, ja sogar ästig; bald gerade, baldkrumm oder geschweift; sie können Winkel, Drei- oder Vierecke oder andre Figurenbilden. Dies Alles verändert gar sehr ihre Bedeutung. Oft sind sie mit kleinenKreuzen durchbrochen, welches, wenn nicht andre Zeichen dagegen sind, die glück-lichste Vorbedeutung ist. Alles bisher Angeführte sind nur die Grundzüge der nie-dern Chiromantie; um ihr einen erhabener» Charakter zu geben, hat man sie auchmit derAstrologie in Verbind, n z gesetzt.