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Böhmische Literatur. H. Von 4409 bis 1500
ser WenceSlaw, wurden alle Decrete böhmisch abgefaßt, die früher lateinisch waren.Damals war Prag nicht nur die volkreichste Stadt Deutschlands , sondern auch, desprachtliebenden Hofes und des Wohlstandes der Bürger wegen, der Sammelplatzder Künste und Wissenschaften. Dalemil Mezericky schrieb eine Geschichte Böh-mens in Versen; Ondl'eg z Dube eine Sammlung böhmischer Gesetze in 3Bdn.; Wawrinec z Brezowa eine Geschichte der römischen Kaiser, und über-setzte Mandeville's Reisen; Pribjk Pulkawa eine böhmische Geschichte, undBenes z Horowic eine Reichsgeschichte bis Wenzel. Außerdem sind Wörter-bücher, Gedichte und Gesänge in Menge vorhanden; so auch eine Übersetzung desLebens Alexander des Großen; das Leben des Kaisers und Königs Karl lV.;dann die Beschreibung der Heldenthaten eines Pliehta von Zerotin und derSchlacht bei Cressy (1346), und über König Johanns Tod, das seinen undseiner übrigen böhmischen Helden Ruhm verewigte; eine Beschreibung des Tur-niers (1315); der Zug des Königs Johann gegen den Grasen Matthias vonTrenczin rc. rc.
Mit Huß begann das zweite Zeitalter 1409 —1500, welches der böhmi-schen Sprache und der ganzen Nation einen höhern Schwung gab. Wie sehrstaunten die versammelten Vater zu Konstanz und Basel , unter dem damaligenböhmischen Adel und Bürgern Männer zu erblicken, die nicht nur durch Tapfer-keit und Heldensinn Europa in Staunen setzten, sondern auch das Wort GotteS mit triftigern Gründen auszulegen verstanden. Der damalige böhmische Adelschwang nicht nur mit kräftigem Arm die furchtbare böhmische Waffe zur Verthei-digung der Rechte der Nation, sondern er stand auch auf dem ersten Grade wissen-schaftlicher Bildung. Die Religionsstreitigkeiten, die die Magister im Carolinoführten, veranlaßten, daß das Volk allgemein die Bibel las und nachdachte. ÄneaSSylvias, der nachmalige Papst, sagt: „siuckeat lt-iliao saoeickotes, >>« so-
mel ejnickoin novain legern eonstut legisse, ayucl ck-ibori las vix muliereulawinvonie», ejnne cko novo tert.nnento et veterl res^nnckere nesonit" (6on>. incliet. 4Ipli. reg. ree. II, 17). Huß von Hussinetz übersetzte Wiclef's Buch„TriologuS" ins Böhmische und schickte es den Laien als Geschenk zu. DenTractat von den 6 Irrthümern ließ er in der Capelle Bethlehem böhmssch an dieWand schreiben. Er schrieb die erste Postille auf der Burg Kozy (1413), fer-ner eine Appellation an den Papst, eine Auslegung der 10 Gebote, die er vonKonstanz an den Priester Havlik und Andre schickte, eine Schrift gegen den Prie-ster Küchenmeister; eine Auslegung der 12 Artikel, 2 Predigten vom Antichrist,„Das dreifache Stricklein" und mehre vortreffliche Kirchengesänge. Seine Briefeaus dem Kerker in Konstanz an die Böhmen ükxrs.'tzte 1). Luther aus dem Böh-mischen inS Lateinische, begleitete sie mit einer Vorrede und ließ sie zu Mitten-berg 1536 drucken. Er, Iakobellus und Hieronymus verbesserten und verbreite-ten die böhmischen Bibeln, wovon sich mehre Abschriften bis auf unsere Zeiten er-halten haben. Wie viele seiner Werke durch die Hände der Jesuiten zu Grundegingen, ist unbekannt. Die grausame Hinrichtung der böhmischen Märtyrer deSGlaubens, Huß und Hieronymus, sahen die Böhmen als eine Beschimpfung derganzen Nation an, worüber sie bittere Klagen führten und es an Spottgedichtennicht fehlen ließen. Alles sah sich aufgestöbert, sie zu vertheidigen. Unter diesenSchutzschristen war die von einem Frauenzimmer, böhmisch verfaßt, die merkwür-digste. Von dem Vertheidiger des Kelches, Zizka von Trocnow, einem der erstenFeldherrn in der Geschichte, den man möglichst zu verdunkeln suchte, haben sich nocheinige Briefe und seine Kriegsordnung erhalten. Aus dieser Zeit erhielten sich auchmehre taboritische Kriegslieder, als: „köclo,. g^tv lloss sivgowujox n ralronngelio" (Wer seyd ihr Krieger Gottes und seines Gesetzes rc.), „ mnisleoveöxoslealiugts" (Wohlan ihr Mönchlein springet ic.) u. dgl.; dann einige v on den