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Boisscree'sche Gemäldesammlung
Streben für die Anerkennung alles vaterländischen Verdienstes nabm, machte inder Zeitschrift „Europa" das deutsche Publicum zuerst auf diese Werke kunstreicherAhnen aufmerksam. Die kölnischen Freunde erinnerten sich bei dieser Gelegenheitan Gemälde ähnlicher Art, welche sie, freilich meist verdunkelt, in den an alter-thümlichem Schmuck noch so reichen Kirchen und klösterlichen Gebäuden ihrer Va»terstadt gesehen hatten, und meinten darunter MehreS bemerkt zu haben, wasden ausgezeichneten altdeutschen Gemälden im pariser Museum nicht nur nahekomme, sondern sie wol übertreffen dürste. Sie wüsten überhaupt von den kirch-lichen Alterthümern, besonders von dem herrlichen Dom und den übrigen Bau-denkmalen ihrer Stadt und der Niederlande so Vieles zu rühmen, daß sich-Lchlegeldadurch bewogen fühlte, sie im Frühling 1801 nach jenen Gegenden zu begleiten.Auf dieser Reise besuchten sie das neu entstandene Museum zu Brüffel und die Galerrie zu Düffeldorf. 'Am ersten Orte fanden sie, außer den Werken der neuernNied >rländer und einem von Rafael, noch mehre altniederdeutsche Gemälde,worunter jedoch nur wenige vorzügliche waren, und die meisten, wie es sich späterergab, irrige Namen trugen. Damals waren in Köln die vielen zur Aufhebungbestimmten Kirchen und Klöster geräumt, und was die ausgestoßenen Besitzer nichtmitgenommen, die RegierungScommissaire nickt mit Beschlag gelegt hatten, waran Händler und Trödler versteigert worden. Durch diese gewaltsame Umwälzungkamen mehre sehr schätzbare, bis dahin ganz unbekannte alte Gemälde zum Vor-schein, die von Kennern und Liebhabern, namentlich von dem Kanonikus Wal-raff (s. d.) und Kaufmann Lieversberg, angekauft und in ihre Sammlungenaufgenommen wurden. Indessen mußte man bedauern , daß man von den Besitz-thümern des Erstgenannten, weil seine Sammlung nicht geordnet war, nur we-nige betrachten konnte. Don der andern Seite hatte man die Krone von allen da-mals bekannten altdeutschen Gemälden , jenes Altarbild aus der RathScapelle, dieStadtpatrone vorstellend (s. „Europa ", 4. -Lt., S. 134), erst kürzlich wiederans Licht gezogen. Walraff batte es in den ersten Jahren nach der sranz. Erobe-rung vor der Wuth der Revolutionsmänner, die Alles, was a» die frühere Ver-fassung erinnerte, aus dem Wege geräumt wissen woll. ni, dadurch gerettet, daßer die einstweilige Verbergung in ein schwer zugängliches Gewölbe veranlaßte.Dies Gemälde war jetzt, um es der verderblichen Einwirkung des dunkeln Orts zuentziehen, in einen der Säle des GemeindebauseS versetzt worden, welcher bald zuden Sitzen des Handelsgerichts, bald zur Vorratskammer für die Montur derNationalgarde und zu andern Zwecken diente. In diesem Zustande fanden unsereFreunde die Dinge, als sie mit Fr. Schlegel nach Köln kamen; Alles wurde ge-meinschaftlich bewachtet; die größten Erwartungen waren übertreffen, und dochstand man nur Schätzen gegenüber, die aus einem ungeheuern Schiffbruch gebor-gen worden! Was mochte nicht Alles in dem Sturm zu Grunde gegangen sein,und wie Vieles konnten die bewegten Wellen noch an den Strand spülen! Da be-durfte es nur eines glücklichen Zufalls, um der Kunsiliebe der jungen Freunde, diesich aus natürlichen Gründen nicht harten träumen lassen selbst zu sammeln, einefür ihr ganzes Leben folgenreiche Richtung zu geben. Es geschah nämlich, daßsie aufdcm größten Platze der Stadt einer Trage begegneten, worauf unter allerleiGeräthe auch ein altes Gemälde fortgeschafft wurde. Das Gemälde, die Kreuz-tragung mit den weinenden Frauen und der Veronica vorstellend, schien nicht ohneVorzüge; es war in der Art, die man später für die des Israel von Meckenem er-kannte; der Besitzer wohnte nicht weit; er wußte mit dem großen Bilde nicht wo-hin und war froh, dasselbe für ein Geringes zu überlassen. Die Freunde vernah-men bei dieser Gelegenheit so gräuelhafte Nachrichten von Mißachtung und Miß-handlung solcher alten Kirchengeniälde, daß sie dem Wunsche nicht widerstehenkonnten, aus der zerstörenden Hand unwissender Menschen zu retten, was noch