138 Bourbon (Cardinal) Bourbon (Insel)
Fürsten übergehen; wohl aufgenommen, so lange man seiner bedurfte, bewacht,um sich feiner zu versichern, der Verachtung der span. Granden, der Eifersucht derGenerale Karls V. preisgegeben, ohne Anhang an einem fremden Hofe, blieb ihmnichts als seine Tapferkeit und Reue; aber diese Tapferkeit reichte hin, ihm einHeer zu geben und den Kaiser zu einem ehrenvollen Betragen gegen ihn zu nöthi-gen. Er war bereits außerhalb Frankreich, als Franz I. ihm das Connetableschwertund den Orden absodern ließ; seine Antwort verräth den Schmerz seiner Seele r„Den Degen hat mir der König zu Valencienncs genommen, als er die Avant-garde, die mir gehörte, d'Alen^on übergab; den Orden habe ich zu Tantelles ge-lassen, unter meinem Kopfkissen". Schon seine Flucht war ein Unglück für Frank-reich, denn sie hemmte Franz's I. Zug nach Italien . Zum General der kaiserl. Trup-pen ernannt, belagerte Bourbon zwar vergeblich Marseille , trug aber zu der Nieder-lage bei Pavia bei. Als sei» König gefangen nach Madrid geführt worden war,ging er selbst dahin, um nicht in dem Vergleiche der beiden Monarchen vergessen zuwerden, dessen Abschluß aber Karl V. verzögerte. Bei dieser Gelegenheit erfuhr er,daß er auf das Wort des Kaisers nicht rechnen dürfe, der ihm seine Schwester zurGemahlin versprochen hatte. Gezwungen, seinen Unwillen Zu verbergen, kehrte ernach Mailand zurück, behauptete Italien durch das Schrecke» seiner Waffe», undmachte sich durch seine Macht selbst dem Kaiser verdächtig, der, um ihn zu schwä-chen, ihm Geld und andre Bedürfnisse vorenthielt. Um die Auflösung seinesHeeres zu verhindern, führte es B. zur Belagerung von Rom , dessen Plün-derung er ihm versprach. Als er hier der Erste die Bresche bestieg, ward er den6. Mai 1627 von einer Kugel getroffen, welche Benvcnuto Cellini abgeschossen zuhaben behauptet, und starb im Kirchenbanne ohne Nachkommen im 38. I. seinesAlters. Sein Leichnam ward nach Gaeta gebracht, wo seine Soldaten ihm einprächtiges Grabmal errichteten, welches nachher zerstört worden ist.
Bourbon (Ludwig), Cardinal und Erzbischof von Toledo , geb. 1777,ehelicher Sohn des Infamen Ludwig, Bruders des Königs Karl III. von Spanien und der Herzogin von Chinchon . Die Heirath geschah mit königl. Genehmigung.Dennoch bezweifelte man nach dem Tode des Königs Karl I II. die Erbfolgesähig-keir des Prinzen, wenn die Descendenz der ältern Linie im männlicben stamme er-löschen sollte. Daher wurde der römische Hof bestimmt, ihm die kirchlichen Weihenund 1800 den Cardinalshut zu ertheilen. Nach des Königs Ferdinand VII . Ver-haftung zu Valeneay 1808 ergriff er die Parkei der CorteS und trat an die spitzeder Regentschaft. Weil er 1814 die Constitution der CorteS demK. Ferdinand V I I. zur Unterschrift vorgelegt hatte, siel er bei der Sinnesänderung des Königs in Un-gnade und verlor das Erzbisthum Sevilla . Nach den Begebenheiten der Armeein-surreetion auf der Insel Leon trat er der Revolution bei und war Präsident der pro-visorischen Junta, vor welcher der König am 9. März 1820 zu Madrid die Con-siitution der CorteS von 1812 beschwor. Er starb am 19. März 1823 zu Madrid .
Bourbon, eine von MadagaScar aus, als dieses noch franz. Niederlassun-gen hatte, 1612 (wieSt.-Domingo) von franz. Seeräubern zuerst angebaute In-sel, im indsschen Meere, von MadagaScar 80 deutsche Meilen östlich. Die Por-tugiesen entdeckten sie 1545. Die französisch -ostindische Handelscompagnie hattehier 1631 eine Facwrei gegründet. Diese Insel (112 IHM.! ist vulkanischen Ur-sprungs, im Innern voll Wälder mit einigen Wilden, die aus entlaufenen Skla-ven sich vermehren. Von Felsen umgeben, ohne Hafen, mir 2 unsicher» Rheden ,kann sie von den Briten, welchen jetzt die Insel Mauritius gehört, leicbt erobertwerden; daher hat sie für Frankreich nur Handelswichtigkeit. Der Boden istquellenreich und sehr fruchtbar, vorzüglich an der Küste: denn das Innere ist gebir-gig. Die Spitze der irxi.-; ist 4600 Fuß hoch. Von 2 vulkanischen
Bergen brennt der eine noch fort und leuchtet den Seefahrern als ei» Pharus, daß