Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Cagnoli

ihn in Madrid, Lissabon, Paris, London und in einer Menge andrer Städte; über-all weis; er sein zu betrügen, und immer ist er so glücklich, sich noch zeitig genugdurch die Flucht zu retten, wenn zuweilen einem oder dem andern Betrogenen dieAugen aufgegangen waren und die wachende Gerechtigkeit den Gauner zu entlar-ven drohte. Auffindung des Steins der Weisen, Zubereitung eines köstlichen Le-benswassers und andrer trefflichen Universalmittel, welche nur durch geheimeWissenschaften bcrvorgebracht wei den können, waren immer der Ball, womit C.seine leichtgläubigen Jünger um eine verhältnißmäßige Einlage an baarem Geldespielen lies. Manche wollten sich von ihm nicht gerade in die Tiefen der Magieeinweihen lassen, sondern begnügten sich, ftir ansehnliche Summen andre Arznei-mittel zu erhandeln, unter denen sich besonders ein Schönheitswasser befand, womitC. alle alte Damen von den häßlichen Runzeln zu befreien versprach. Dies ein-trägliche Handwerk trieb unser Held mehre Jahre. Da aber mit den abnehmen-den Reizen seiner Frau viele ergieuige HülsSguellen für ihn zu versiegen ansingenund der Arzneienhandel auch zu stocken begann, beschloß er, als Stifter einerneuen und geheimen Sekte sein Glück zu versuchen, ließ sich deßwegen bei seinemzweiten Aufenthalt in London zum Freimaurer aufnehmen und spielte seitdem dieRolle eines Wunderthäters und Magiers, worin er die Augen aller schwärmerischenKöpfe Europas auf sich zog. Die Gräfin Eagliostro blieb ihrerseits auch nichtunthätig; sie war die erste und gelehrteste Schülerin ihres Gatten und spielte nummehr die Rolle einer Priesterin der geheimen Weisheit ebenso meisterhaft, als sievorher die Priesterin einer andern Göttin gespielt hatte. Das System, wodurchC. einen alten ägyptischen Orden, dessen Stifter Enoch und Elias gewesensein sollten, wiederherstellen wollte, war ein Lehrgebäude der abgeschmacktestenTräumereien und des aberwitzigsten Unsinns; aber der Anstrich des Überirdischenund Geheinmißvollen, womit er übertüncht war, und die täuschende Wunderkraftseines Urhebers, welcher bald mit der scheinbarsten Uneigennützigkeit Kranke unent-geltlich heilte, bald als großer Kophkha (diesen Namen hatte er sich als Wiederher-stellet- der ägyptischen Maurern beigelegt) die Geheimnisse der Zukunft offenbarte,erwarben ihm viele Freunde und Beförderer. C. durchstreifte abermals Europa und macbte besonders in Mitau, Skrasburg, Lyon und Paris ungemeines Auf-sehen. Bei seinem Aufenthalte in letzterer Stadt (1785) hatte er das Unglück,in die berüchtigte Halsbandgeschichte verwickelt zu werden, und ward als ein Ver-trauter des Eardinals Roban des Landes verwiesen. Jetzt begab er sich wieder nachLondon und erließ mehre Sendschreiben an seine Anhänger, worin er sich über diein Frankreich erlittene Beschimpfung bitter beklagte und den französ. Hof mit denschwärzesten Farben schilderte. Von London , wo er sich nicht lange halten konnte,reiste er nach Basel und in andre Städte der dasigen Gegend, gab aber endlich denwiederholten Bitten seiner Frau und andrerFreunde Gehör und kehrte 1789 nachRom zurück, wo er sich mit derMaurerei beschäftigte, aberentdeckt, auf die Engels-burg gebracht und durch ein päpstliches Erkenntniß als Freimaurer und Erzketzerund als ein der Religion höchst gefährlicher Mann zu lebenslänglicher Haft verur-theilk wurde. Er starb im iLommer 1795 im Gefängnisse zu St.-Leo, einer klei-nen LLtadt im Kirchenstaate. In einer Biographie der Frau von der Recke in den„Zeitgenossen", XI, findet man anziehende Aufschlüsse über E.'S Aufenthalt inRiga und seine Verhältnisse zu der Frau v. der Recke . In den „Memoiren Casa-nova's" finden sich ebenfalls interessante Mittheilungen über E. Vgl. das Taschen-buch „Urania" für 18W.

Cagnoli (Antonio), Astronom und Mitglied desfranz. NationalinstitutS,Präsident der Gescllsch. der Wissensch. des Königreichs Italien , geb. 1743 auf derInsel Zanke , aus einer verones. Familie, arbeitete in seiner Jugend bei der venetian.Gesandtschaft in Paris , wo ihn aber die Himmelskunde seit 1776 mehr als dic Di-