Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
376
JPEG-Download
 

376

Calcutta

Suraja Dowla die Stadt eroberte und plünderte, das Opfer der unmenschlichstenGrausamkeit wurden. Andre öffentliche Gebäude sind das GerichlShauS, eineaiunenische und eine englische Kirche. Zu der Mitte der Stadt ist ein großerWasser-behälker angelegt, um die Einwohner in der heißen Jahreszeit, wo das Flußwasserabschmeckiz ist, mit Wasser zu versehen. Hier ist die Residenz des Generalgouver-neurS von Indien und der Sitz des höchsten Gerichtshofs, der nach englischem Ge,sei? spricht, ohne Rücksicht aufRang, Stand oder Nation. Kleine Vergehen werdenvon einem Oberpolizeibeamten und von Friedensrichtern untersucht. Die Ruhe derStadt erhalten einige Compagnien Seapoys, die regelmäßige Runden durch die Stadtmachen. Calcutta ist der Stapelplatz von Bengalen und der Canal, durch welchendie Schätze der innern Provinzen nach Europa gehen. In dem Hafen sieht manSchiffe aller Nationen, und die kaufmännische Thätigkeit ist so regsam als irgendwo.Es gibt Häuser, die jährlich zwischen-1 und 59.Hill.Pf. Sterb umsehen. DerHan-del in Zucker, Opium, Seidenzeuch, Muslin u. s. w. ist sehr beträchtlich. Viel Salzwird nach Asam verführt, und dagegen Gold, Silber, Elfenbein, Moschus und eineeigne Seidenbaumwolle zurückgebracht. Die als Scheidemünze dienenden Kauris(kleine Muscheln) werden auf den Maldivcn gegen Reis eingetauscht. Der sonst sovortheilhaste Tauschhandel mit Pegu, Siam und den malayischen Inseln ist sehrgesunken. Die britischen Kaufleute sind natürlich die zahlreichsten; viele haben gro-ßes Vermögen erworben und leben mit einer Pracht, die man in diesem Stande nichtleicht findet. Von den Fremden kommen ihnen die Amerikaner an Zahl und Ansehensowol als auch an äußerm Glanz am nächsten. Sie sind friedliche und fleißige Ge-schäftsleute; viele haben bedeutende Capitalien und treiben einen ausgebreitetenHandel nach China und den Häfen gegen Westen, bis zum persischen Meerbusen.Die Mongolen indeß sind die begütertsten, und da sie ihr Geld nur zu ungeheuernZinsen anlegen, ziehen sie einen drei Mal größern Nutzen davon, als gewöhnlich einCapital gibt. Die Hindus bleiben, auch wenn sie reich sind, bei ihren beschränktenBegriffen und ihrer gewohnten Sparsamkeit. Ihre Häuser und Läden sind schlechtund unfreundlich; nur an Hochzeiten und religiösen Festen erlauben sie sich eine au-ßerordentliche Ausgabe. Dann versammeln sie sich unter prachtvoll erleuchteten Bal-dachinen, spenden Rosenwasser und andre Wohlgerüche in Überfluß und speisen Zu-ckerw wck auS goldenen Gefäßen, während Mädchen dazu singen oder eine Pantomimeaufgeführt wird. Der Kleinhandel von Calcutta ist meist in den Händen derBania-nen und-LarkarS, die mit unermüdlichem Eifer daracif aus sind, wohlfeil einzukau-fen, und sich jede Art von niedrigen Ranken erlauben, den Käufer zu bevortheilen.Diese Art von Betrug ist bei ihren LandSleuken so wenig in Mißcredit, daß sie viel-mehr denMeistern darin denBeinamen N><M> M,,,«. was einen Mann von großemTalent bedeutet, beilegen. Ungeachtet der hohen Preise, die im Allgemeinen inallen Lebensbedürfnissen herrschen, und ungeachtet des ungeheuern Aufwandes derengl. Kaufleute findet man doch eine Menge Anstalten zu Unterstützung der Noth-leidende». Dahin gehört ein Hospital für solche Eingeborne, die der ärztlichenHülfe bedüifen; zwei Schulen für Verwaiset?, deren Väter im Dienste der Com-pagnie gestanden; eine Freischule u. s. w. Das Collegium von Fort William ,welches vom Marguis Welleslep gestiftet worden, haben die Directoren zum Theilwieder aufgehoben. Es sollte, seiner ursprünglichen Bestimmung nach, die jun-gen Leute, welche in den Dienst der Compagnie treten, nicht allein in den erfoder-lichen -sprach - und andern Kenntnissen unterrichten, sondern auch über ihr Betra-gen wachen und sie vor den Gefahren schützen, denen sie hier bei dem Mangel anEtfahrung mehr als anderswo ausgesetzt sind. Das Letztere ist aber jetzt weggefal-len. Die Asiatische Gesellschaft, welche N84 vonSirW. Iones gestiftetworden, beschäftigt sich mit Aufklärung und Erforschung der Literatur, der Geschich-te, Alterthümer, Künste und Wissenschaften 'Asiens . Die von ihr herausgegebenen