428 Canning
eines mittelmäßigen Dichters, geb. d. 11. April 1770 zu London , ffudirte in Etonund Oxford. «Schon in Ekon gab er mit den beiden Brudern I. und Smithund mit Frere die Zeitschrift „Mikrokosmus" heraus und machte sich durch einigeGedichte, u. a. über die sklavische Unterdrückung der Griechen, Vortheilhaft bekannt.Einige witzige Verse, im Sinne des Ministeriums, erwarben ihm Pitt'S Zunei-gung; auch trug seine Persönlichkeit — Geist und Anmuth im Umgänge — viel zuseiner schnellen Beförderung bei. Selbst Sheridan urtheilte im Parlamente sehrgünstig über den jungen Redner. In Cambridge veranlaßte er mit Frere und Ellis
1792 den nicht minder bekannt gewordenen „Anti-.Iacobin, oder den wöchentlichen
Untersucher" (I'!,e vx-,ni>„,r"). Nach seinen UniversuäkSjahren wollte
er sich den Rechten widmen, aber kie Politik zog ihn bald ganz an sich. schon
1793 ward er Parlamentsmitglied für Newport auf der Insel Wight und 1796U iter-StaatSsecretair. Er war in dieser Zeit eine der Hauptstützen der Pitt'schenVerwalt ing. Bei Gelegenheit eines 1791 mit dem König von Sardinien abzu-schließenden Vertrags hielt Canning eine Rede, in der man sein Talent erkannte.In der Folge sprach er sehr lebhaft für die Abschaffung des Sklavenhandels. Geist-volle Behandlung des Gegenstandes und ein blühender Ausdruck, oft verbrämtmit Stellen aus der alten classischen Literatur, sind in seinen Reden bemerkbar;doch hat der gesuchte 'Anstrich von Erudition ihm die Spötterei zugezogen, daßsein Talent etwas nach Schimmel (nach der Öllampe) rieche. Auch hat ihm dieBitterkeit seines Witzes und das große Selbstvertrauen auf seine Redekunst spä-terhin Feinde gemacht. Die schwierigsten Angelegenheiten des Conrinentalin-tercffe behandelte er leichthin mit vieler Anmaßung, gegen Frankreich stets feind-selig und dem Ministerium ganz ergeben; dabei erlaubte er sich heftige Ausfällegegen Personen, u. a. Sarkasmcn gegen den Minister Addington (der 1801 auPitt'S Stelle getreten war) und gegen Fox, sodaß er öfter mit dem Feuer seinesPatriotismus sich entschuldigen mußte. Als Pitt, um den Frieden von AmienS möglich zu machen, sich vorn Skaatsruder entfernte, trat auch C. zurück. Nachdem Bruche des Friedens aber, als Pitt wieder die höchste Leitung der Staats-angelegenheiten übernahm, erhielt C. ebenfalls einen bedeutenden Posten. MitPui'S Tode (1806) verlor C. seinen Einfluß. Fox wurde erster Munster , undC. trat in die neue Opposition. Als Percival an Fox's Stelle kam, wurde C.1807 wieder Minister der austvärtigcn Angelegenheiten. Als solcher ließ er 1807die dänische Flotte aus Kopenhagen gewaltsam wegführen; auch schloß er zu Lon-don den 11. Jan. 1809 den Allianzkractat zwischen Großbritannien und Spanien mit der obersten Junta ab, die damals Spanien im Name» Ferdinands ^ II. re-gierte. In Folge eines Streits über die von ihm veranstaltete Expedition nachWalcheren im Aug. 1809 mit seinem Collegen Castlereagh , der jene Unternehmungmißbilligte, ftblug er sich mit demselben aus Pistolen in Hvde-Park-Corner. Ertrat jetzt aus dem Ministerium, ohne im Parlament entschieden zur Oppositionüberzugehen. Ihm widerfuhr dagegen 1812 die große Ehre, von Liverpool zumParlamentsmitgliede erwählt zu werden. 1812 sprach er eifrig für die Eman-cipation der Katholiken und widersetzte sich der Unabhängigkeit Norwegens . Vonseiner Sinecure, dem Gesandtschaftsposten in Lissabon , wo kein Hof war, und wor-über er viel von dem Muihwillen der londner Blätter und Zerrbilder leiden mußte,kehrte er »ach 3 Jahren, 1816, durch Frankreich, wo man ihn zu Bordeaux mitder größten Auszeichnung empfing, nach London zurück. Darauf wählte» ihnseine Freunde in Liverpool am 12. Juni 1816, nach einem heftigen Kampfe mitden Candidaten der NolkSpartei, wobei sogar Canning'S Leben in Gefahr kam, zumParlamentsgliede. Er trat 1817 aufs neue ins Ministerium ein und wurdePräsident des indischen MinisterialdepartementS (llu-n.l nl i-nnirmil). Da erjedoch in der Sache derKönigin und der Emancipation derKatholiken anders dachte