Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
679
JPEG-Download
 

Clin'iiinulus

87V

um seine Felder und Märten wegnehmen, damit ein Jeder nehmen könne, was ihmbeliebte. Sein Tisch war für alle Bürger seiner Curie gedeckt; er erschien öffentlichnie anders als von einigen Sklave» mit Kleidern begleitet, die er den Dürftigenaustheilte; er schmückte die «ladt mit prächtigen Spaziergängen, ließ den Markt-platz mir Platane» bepflanzen, verwandelte die Akademie in den herrlichsten Gartenvon Athen , und Alles auf seine Kosten. Diese Freigebigkeit war um so leichter,da sie nicht aus Schmeichelei gegen das Volk geschah, denn er war dem Themi-stokles und später dem Perikles und Ephialtes, welche die Macht des Volkes zuvergrößern suchten, stets entgegen. Sein Hauptbestreben war, ein gutes Einver-ständniß zwischen den Athcniensern und Lacedämvniern zu erhalten, von welchenLetzter» er geliebt ward und die er nachzuahmen sichte. Als gegen das I. 466 v.Chr. die Thasier sich empört hatten, schlug er sie, nahm ihre Stadt, sowie dieGoldminen, welche sie auf dem benachbarten Festlandc harten, und gründete dieStadt Amphipolis. Kaum war er nach Asien zurück, alsPeriklesund andre Volks-häupter ihn anklagten, daß er sich durch die Geschenke desKönigS vonMacedonie»habe abhalten lasse», diesen, Fürsten eine» Theil seiner Staaten zu entreißen, od-wol man im Frieden mit ihm war. Das Volk aber verwarf eine so grundlose An-klage. Da bei einem während der Unternehmung aufThasoS ausgebrochenen Auf-flande der Heloten gegen dieLacedämonier diese bei den Arheniensern Hülfe suchten,setzte es C. durch, ihnen Truppen zu senden; aber die Lacedämonier, welche denWankelmuth der Athenienser fürchteten, schickten dies HülsSeorpS bald wieder zu-rück, welches sehr übel aufgenommen wurde. Andrerseits harten Perikles undEphialteS die Abwesenheit C.'s benutzt, um dem Areopag eine Menge Urtheile zunehmen und dem Gerichtshöfe derHeliasten zu übergebe», wodurch die unternDolksclassen eine außerordentliche Gewalt erhielten. C. trachtete bei seiner Rück-kehr vergeblich, die Sachen auf den alten Fuß zu setzen; vielmehr benutzten seineFeinde das dadurch aufgeregte Mißvergnügen des Volks, ihn verbannen zu lassen.Er begab sich nach Böotien. Als bald darauf die Athenienser nach Tanagra ge-rückt waren, um den von Delphi, das sie von den Phocäern befreit hatten, zurück-kehrenden Lacedämonier» den Durchzug streitig zu machen, fand er sich ei», ummit seiner TribuS zu fechten. Er foderte seine Freunde auf, durch ihr Betragenzu zeigen, wie grundlos die Beschuldigung sei, daß er die Lacedämonier begünstige,und fast Alle sielen, indem sie mit der größten Tapferkeit kämpften. Obwol dieseSchlacht zum Nachtheile der Athenienser ausfiel, setzten sie doch den Krieg big456 v. Chr. fort, wo die gänzliche Unterwerfung der Heloten ihnen die Besorgnißerregte, mit der ganzen Macht Lacedämons einen ungleichen Kampf eingehen zumüssen, «ie riefen C. zurück, der den Frieden abschloß, zugleich aber,um derThätigkeit der Athenienser Nahrung zu geben, eine Expedition gegen Ägypten und Cypern beschließen ließ. Mit 200 Schiffen ging er nach Cyper» und schickwvon da 60 »ach Ägypten . Mit den übrige» schlug er die persische Flotte undLandarmee an der phönizischen Küste (450). Der sogenannte Cünonische Friede449 v. Chr., dessen Zsokrates, Demosthenes, Diodor und Plutarch gedenken,den Thucydides aber nicht erwähnt, ist wahrscheinlich kein historisches Factum,sondern eine durch das Gerücht von einem Vertrage, der nicht zuiu Abschluß ge-kommen, entstandene Angabe. C. belagerte 449 die Stadt Cirium, starb aber nochvor der Einnahme, und nach seinem Tode zogen sich die Athenienser zurück. Athen verlor in ihm einen seiner ausgezeichnetsten Bürger. DieVolkSpartei, der er wider-standen hatte, gewann nunmehr das Übergewicht und führte den Staat seinemUntergänge entgegen.

CincinnatuS (Lucius Quinctius), ein Patrizier aus den ersten Zeitendes römischen Freistaats, ebenso ausgezeichnet durch Heldenthaten als durch Edel-muth, Genügsamkeit und Uneigennützigkeit, wurde 460 v. Chr. zum Consul ge-