Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Classisch, Classiker

musterhafte Schriftsteller, wiewol viele Abstufungen stattfinden, und ihr innererWerth, trotz dieser Benennung, sehr verschieden bleibt. Zn diesem Sinne sprichtman von einer classischen Literatur, Kunst und Poesie, im Gegensatze der neuernoder romantischen. Bei den verschiedenen Grundsätzen der alten und der neuenWelt (die Richtung der letzter» ward meistens durch das Christenthum bestimmt)behaupten die geistigen Erzeugnisse des classischen Alterthums oder die antike Lite-ratur einen eigenthümlichen Charakter. Freigeborene und freierzogene Männer, zumTheil bedeutende Staatsbürger, die an der Erzeugung großer Gedanken und anfreier Kraftäußerung durch bürgerliche Beschränkung wenig oder garnicht gehindertwaren, traten hier als Schriftsteller auf, andrer Vortheile nicht zu erwähnen, diein politischer, religiöser und klimatischer Hinsicht auf die alte Kunst und Literaturgünstig einwirkten. Wenn man also bei einem gründlichen Studium des Alter-thums den Classikern unter den Classikern einfache Würde und Schönheit, großenumfassenden Sinn, plastische Gediegenheit und formelle Vollendung nicht ab-sprechen kann, so bleiben sie noch immer Lehrer der Nachwelt. Aber auch dieneueste Literatur hat ihre classischen Schriftsteller, und in demselben Sinne spre-chen wir auch bei ihnen von classischen Stellen, von classischem Werthe u. s. w.Das Classische bezeichnet also jedes in seiner Art innerlich und äußerlich vollendeteKunstwerk. Es müssen freilich viele äußere und innere Umstände in der Geschichteund Literatur eines Volkes und in der Geistesbildung eines Einzelnen zusammentref-fen, ehe selbst der dazu berufene Mensch ein classischer Meister werden kann. Wirwerden also das Classische in derRegel bei Nationen zu suchen haben, die bereits eineLiteratur besitzen, und die ebenso wenig ungebildet als verbildet oder überbildet sind.Aber auch hier macht es die Reinheit der Sprache oder die rhetorische Zierlichkeitnicht allein aus. Man föhert von einem classischen Schriftsteller nicht allein Klar-heit und Reinheit derSprache, Eigenthümlichkeit und Bestimmtheit des Ausdrucks,sondern auch vollendete Schönheit und Einheit, oder ein harmonisches Ebenmaßaller Theile. Vor allen Dingen müssen wir bei diesem glorreichen Titel daraufdringen, daß Stoff und Form sich einander vollkommen entsprechen, daß jeder Ge-danke seinen lebendigsten Ausdruck habe, und taßmandiese Harmonie desEinzelnenauch im Ganzen wiederfinde. Der wahre Genius macht hier allerdings eine Aus-nahme, er eilt oft seinem Zeitalter vor, und die Zeitgenossen mit allmächtiger Kraftergreifend, gibt er auch der Nachwelt Gesetze. So krönt sich der umfassende Geistselbst zum Classiker; dagegen ist es manchem ausgezeichneten Kopfe, z.B. einemHamann, Lenz, Hcinse, bei einseitiger Bildung oder bei feindlichen Beschränkungender Außenwelt, nicht gelungen, sich zum Gipfel des Classischen zu erheben. ZuBeziehung auf die classische Literatur der Griechen und Römer verweisen wir aufdie Werke von Eschenburg, Monike, Fuhrmann und Scholl. Die griechischeLiteratur allein behandelt am vollständigsten „k abricii liibüotb. gsroeo» «>!. I ll,r-Ie>", außerdem Groddeck, Schöll rc., die römische, außer der „Latein. Bibliothek"des Fabricius, herausg. von Ernesti, Harles, Schöll:c. — Diegriech. Schriftstellerwaren Zöglinge der Natur und des kräftig thätigen Lebens. Die Natur zeigte sichihnen gewöhnlich in der lieblichsten Schönheit und Fülle. Sie wuchsen mehr in ihrauf als in schulgerechten, halbverstandenen und dem Gedächtniß mit Mühe auf-gedrungenen Formen. So entwickelten sich bei ihnen Sinne und Geist zu ftischerLebendigkeit. Ihre Bildung wurde in der Bewegung des Lebens vollendet. Untersteten Kämpfen um Freiheit und um das Ideal der Freiheit, der persönlichen und derbürgerlichen, und um den Preis der höchsten Ausbildung, der körperlichen undder geistigen, brachten sie nach jener Iugendvorbercitung die männlichen Zahre zu.Natur und Freiheit sind also die Genien, die bei der Hervorbringung der Werkeder Alten schöpferisch wirkten. Den Rang als classische Werke behaupten diese, soweit jene innern und äußern Ursachen der Dollkomnienbeit ungestört walten konn-

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