Cochinchina 135
und Tunkin erhielt Könige aus seiner eignen Nation, welche unter der Bedingungvon dem chin. Kaiser anerkannt wurden, daß sie in China die Belehnung vom Kai-ser nachsuchen mußten. Don Tunkin machte sich Cochinchina unabhängig und er-hielt eigne Könige. 1774 brach in dem letzter» Lande eine Revolution aus, wodurchderKönig seinen Thron verlor, und 3 Brüter, die Anführer der Empörer, sich in dasKönigreich theilten. Einer derselben, dessen Antheil an Tunkin stieß, besiegte denKönig von Tunkin, eroberte sein Reich und behauptete es, obgleich der Kaiser vonChina den vertriebenen König von Cochinchina, der bei ihm, als seinem Lehnsherrn,Schutz gesucht hatte, in sein Königreich wieder einzusetzen suchte. Dagegen gelanges dem Kronprinzen des vertriebenen Königs, das väterliche Reich wiederzuerobern,und damit 1800 sogar das Königreich Tunkin zu vereinigen. Anfangs ließ er sichvom chin. Kaiser mit Tunkin belehnen, hat sich aber nachher für unabhängig erklärtund den Kaisertitcl Gialong angenommen. Der jetzige, seit 1816, heißt Mi-clo-meund residier zu Phupuan i» Südanam. Das gegenwärtige Kaiserihum Anamgränzt gegen N. an die Südprovinzen Chinas , gegen W. an Siam, gegen S. andas indische und gegen O. an das chines. Meer. Es nimmt dir ganze Dstküste derHalbinsel jenseits des Ganges ein, von 118° —127° L. und von 8°—23" N.B.Das Land wird von vielen, zum Theil beträchtlichen Flüssen, darunter der Menam-K oni, wahrscheinlich ein und derselbe mit dem Kambodschastuß, bewässert. Alle Pro-vinzen werden durch Gebirgsketten, dcrenZug man jedoch nicht kennt, von einandergetrennt, die sehr schroff sich erheben, aber fruchtbare Thäler und Ebenen einschlie-ßen. Die Nähe derGebirge und des Meeres mildert die Hitze und macht das Klimazu einem der angenehmsten inAsien. DieFelder geben doppelte, bisweilen dreifacheErnte, besonders wird Reis, als die Hauptnahrung der Einw., gebaut; ferner gibtes Thee, Zimmet, trefflichen Zucker, Pfeffer, Ingwer, Baumwolle, Kokus-, Firniß-,Talg - und Tekbäume, welche das trefflichste Lchiffsbauholz liefern, Farbehölzer,cdle-Lüdfrüchte, außerordentlich große und gelehrige Elefanten, Rhinocerosse, Tiger,Gazellen, eine große Menge von Affe» und Schlangen, indianische Vogelnester,Seide, mannigfaltiges Geflügel, Fische, das feinste Gold, Silber, Kupfer, Zinn,Eisen, Salpeter ic. Doch kennen die Einwohner den Bergbau wenig, ja das Nach-graben ist verboten, um nicht die Habsucht der Europäer zu reizen. Die Einw. derProvinzen Tunkin und Cochinchina haben in ihren Gesichtszügen, in ihrer SpracheundGebräuchen vieleÄhnlichkeit mit den Chinesen, ohne jedoch so sehr wie diese dasFremde zu verachten, und stehen auf einer gleichen Stufe der Civilisation, dahin-gegen die Bewohner von Laos lind Chiampa meistens ein Nomadenleben führen.Sie treiben Ackerbau, verfertigen Metallwaaren, unterhalten Baumwollen - undSeidenfabriken, haben Kanonengießereien und bauen sehr gute Schiffe, wovon dieKauffahrteischiffe den Junten der Chinesen gleichen, und kennen die Schreib- undBuchdruckerkunst. Ihre Literatur ist reich an moralischen, dramatischen und bota-nischen Werken. Den Calender geben einige Gelehrte ani kaiserl. Hofe heraus.Baukunst, Malerei und Musik sind chinesisch, der Handel ist nicht unbedeutend.Die Handelsstadt Saigun hat 180,000 Einw. Chinesen, Malaien, die Be-wohner der Sundainseln und die Japaner besuchen die Küsten dieses Landes. Da-gegen haben die europäischen Handelsnarionen wenig Verbindungen anzuknüpfenvermocht. Der Hof und die Großen bekenne» sich zur Religion des ConfuciuS ;die Religion des gemeinen Volkes ist eine Modisicarion der Lehre des Buddha.Die Anzahl der Pagoden, welche ebenfalls den chinesischen ähnlich sind, und derBonzen ist sehr groß, da jede Gemeinde ihre eigne Pagode und ihren Schutz-geist hat. Durch den Eifer der Missionnaü s sind mehre hunderttausend Einw. zudem Christenthume bekehrt worden. Die Regierungsform ist der chines. ähnlich,despotisch und milikairisch. DerBambus wird als ein Strafmittel vom ersten Man-darin bis zum niedrigsten Unterthan gebraucht. Der Kaiser hat 4 Minister, gemei-