Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Cromwell

geschehen sei; kenn er soll damals die Absicht gehabt haben, den König wiederher-zustellen. Als er aber die fanatische Stimmung des Heeres in der Nähe sah, über-zeugte er sich, daß er ohne Lebensgefahr einen solchen Schritt nicht wagen könne.Auch war er im Oberbefehl nur der Zweite, und auf den Beistand der einflußreich-sten Männer, die, wie St. John und Baue, ihm an Schlauheit, oder wie Ludlow,Haslerigge und viele Andre, an Kühnheit gleichkamen, durfte er gar nicht rechnen.Denn sie waren sämmtlich eifrige Republikaner und fest entschlossen, mit dem Kö-nige das Königthum zu vernichten. C. soll selbst seinen Schwiegersohn, den talent-vollen Ireton, seiner politischen Grundsätze wegen gefürchtet haben; er mußte alsodie einmal übernommene Rolle fortspielen und, um sich in der Gunst des Heereszu erhalten, Gesinnungen, welche er nicht mehr hatte, fortwährend erheucheln.Persinlich achtete er den König als einen rechtschaffenen und gewissenhaften Mann;er soll sogar dessen Flucht von Hamptoncourt begünstigt und gewünscht haben, daßer aus dem Königreiche entkommen möchte; auch sprach er nie ohne Thränen vonder ersten Zusammenkunft deö Königs mit feinen Kindern. C., der im Privat-leben mild und edel gesinnt war, schloß sich endlich, der Gewalt der Umstände nach-gebend, qanz an die Männer des sogenannten Gemeinwohls an und vertheidigtein ihrer Versammlung bei der Berathung über die künftige Regierungsform nurschwach die Monarchie, welche jene Zeloten ein Übel und eine Sünde nannten, weilsie Gott als ihren Herrn und König ansahen. C. hatte jetzt die Denkart seinerLeute kennen lernen, und mit jenem plumpen Leichtsinne, der ein Hauptzug in sei-nem Charakter war, hob er die Sitzung auf, indem er dem Ludlow ein Kissen anden Kopf warfund dann die Treppe hinabeilte, wo ihm ein andres nachgeworfenwurde. Am folgenden Tage sagte er zu Ludlow , daß er den Vorschlag der Ab-schaffung des Königthums ebenfalls wünschenswenh fände; nur halte er ihn nichtfür ausführbar. Bald darauf lernte C. die Macht seiner Partei ganz kennen.Denn als ihn Major Huntington im Hause der Lords anklagte, daß er nebstIreton die Armee gegen das Parlament aufreize und eine militairische Regierungunter dem Namen des Königs beabsichtige, überwog der Einfluß der Independen-tcn den der Prcsbyterianer; und da man eben den Aufstand der Walliser undSchotten zu bekämpfen hatte, so wagte man nicht, den unentbehrlichen Generalschuldig zu finden oder abzusetzen. Hierauf unterwarf C. durch raschen ÜberfallWallis , und weil Fairfax aus presbyterianischer Bedenklichkeit den Heerbefchl ge-gen die Schotten ablehnte, so übernahm er ihn um so lieber, da er den schlechtenZustand des schottischen Heers genau kannte und die Schotten von vielen Jahrenher haßte. Mit einer weit geringern Macht schlug er das schottische Heer bei Pre-ston, worauf ihn Edinburg als Befreier aufnahm. Nun folgte das Trauerspiel vonder Verurtheilung des Königs (s. Karl I. , enthauptet den 29. Jan. 1649), wozu§. auf Ireton's Rath sich entschloß, und wobei er mit rohen« Leichtsinn eine Haupt-rolle übernahn«, da er nicht Muth noch Kraft in sich fühlte, das Verbrechen zu hin-dern. Seine Gefühllosigkeit ging so weit, daß er nicht nur der Hinrichtung auseinem für ihn besonders ausgeschmückten Fenster zusah, sondern auch den Leichnamdes Königs im Sarge sich zeigen ließ. Die Republik wurde errichtet, und C.stimmte, um einen Beweis von seiner republikanischen Tugend zu geben, für denTod des Lord Cape!, weil, wie er sagte, die Freundschaft, welche er für diesentreuen Anhänger des Königs fühle, der Pflicht für das Gemeinwohl nachstehenmüsse. Dennoch lag Grausamkeit nicht in C.'s Natur! Aus kluger Berechnungseiner eignen Lage vergoß er Blut. Denn er fürchtete mehr noch die Partei seineralten Freunde, der Levellers , der Gleichmacher, als die Royalisten. Endlich gelanges ihn«, durch strenge Maßregeln jene Fanatiker zu unterdrücken, worauf er, zumErstaunen seiner Feinde, die Nichts Mehr als seine Abwesenheit wünschten, dasHeer nach Irland führte. Der Sieg sollte ihn noch höher stellen in der Gunst des