Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
85
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Kartätsche Kartenspiel 85

wendet Hütte, zeigte ihr wenig Theilnahme und gewährte ihr die versprochenePension nicht; ja er schickte ihr auf einige Erinnerungen 2 Thaler zum be-schenk, welche das dekannte Epigramm veranlaßten. Sein Nachfolger, Fried:rich Wilhelm >>., dagegen ließ ihr in Berlin ein geräumiges Haus baue».Allein sie starb bereiis den 12. Hct. 1191. Einen Theil ibrer bessern Gcisteswerkehat nach ihrem Tode, 1592, ihre Tochter, Frau von Klenkc, nebst ihrem Le-benslaufe herausgegeben (neue Ausi. 1196).

K artätsche ist eine cylindrische Büchse von Blech, welche mit kleineneisernen .Kugeln, im Nothfall auch mit zerhacktem Esten gefüllt, aus Haubitzenund Kanonen geschossen wird. Die beiden Endtheile der Buchsen sind vonHolz und heißen der Spiegel. Im Fesiungskricge naht mau die Kartätschenzuweilen bloß in einen Sack von Zwillich und nennt sie dann Trauben- oderBeutelkartätschen; d r Schuß sprengt die Büchse oder den Beutel, und dieKugeln breiten sich, je weiter sie fliegen, immer mehr aus. Dies Ausbreitenverhält sich in der Regel zur Schußweite wie I zu 10, sotaß sie bei 600Schritt Schußweite einen Kreis von 60 Schritt Durchmesser gefährlich ma-chen. Die preußische Armee hat 2, 3, 6, 8, 12, 16, 24löthige und einpfün-dige Kartätschen, die aus Geschütz verschiedenen Ealibers geschossen werden.Hiernach ändert sich auch die Schußweite; doch schießt der Sechspfünder mitzweilöthigen auf 2 bis 600, der 12 - und 21 - Pfunde, mit einpfündigen auf800 bis 1000 Schritte.

Kartenspiel, wahrscheinlich eine Erfindung der Morgenländer, wieaus den Namen, welche die Karten ansät,glich in Italien führte» (>-,ik>i) undnoch jetzt in Spanien und Portugal haben (>astw->), zu erhellen scheint, welcheWorte in den morgenlä,wischen Sprachen so viel als Voraussehung oder Wahrsa-gung bedeuten. Wenn noch erwiesen werden könnte, daß die Zigeuner die Kartenzuerst in Assn und Afrika bekaimtgemacht baden, so wäre jene Vermuthung außerallen Zweifel gesetzt. Von den Zigeunern lernten, wie man behauptet, die Ara-ber oder Saracenen die Karte» kenne», welche Letztere den Gebrauch derselben inEuropa verbreiteten. Auch der Weg, den das Kartenspiel bei seiner Verbreitungdurch Europa nahm, zeigt, daß es au? dem Drient zu uns gekommen sein muß,denn in den Landei n, die weiter gegen Morgen und Mitternacht liegen, wird esfrüher gesunden, als in den Abendländern. Die ältesten historischen Ldpuren vomGebrauche der Karten befinden sich in Italien, dann in Deutschland , Fiankreichund Spanien . Die ersten Karten wurden gemalt, und für solche werden die iral.Karten von 1299 anerkannt. Die Kunst, Karte» zu drucken, ward zwischen1350 und 1360 von den Deutschen erfunden. Außerdem haben die Deutschen »och manche Veränderungen mir den Karten vorgenommen; die Figuren, Bilderund Zeichnungen, sowie die Namen: S chellen, Eicheln, Herz, Grün, der großeund der kleine Wenzel u. a. m. beweisen dies. Das Lanzknechisspiel, welches manfür das erste deutsche Kartenspiel hält, ist ebenfalls eine deutsche Erfindung. Vondiesem Spiele finden wir schon 1392, unter dem Namen I.an.'gne-nei. eine Nach-ahmung in Frankreich , welche sich daselbst bis zu Möllere und Regnard und viel-leicht noch länger erhalten hat. Dre erste sichere Spur vom Kartenspiele in Frank-reich fällt in das 1.1361, und Karl V I. soll sich am Ende des 1 t. Jahrh, in sei-ner Krankheit mit demselben ergötzt haben. Die neuern franz. Figuren sollen inFrankreich zwischen 1430 61 erfunden sein. Eine unverbürgte Meinung

behauptet, daß die Karten schon 1332 in Spanien bekannt gewesen seien; indes-sen kann dieselbe durch Nichts begründet werden. Das älteste bekannte Zeugnißvom Kartenspiele in Spanien ist das Verbot desselben, welches der Konig vonCa-stilien, Johann 1385 ergehen ließ; es muß also damals schon sehr verbreitetgewesen sein.