Band 
Sechster Band. K bis L.
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Katharina II .

Reichs, geb. zu Stettin am 25. April 112S, wo ihr Vater, Christian August ,Fürst von Anhalt-Zerbst und k. preuß. Generalfeldmarschall, Gouverneur war, hießSophia Augusta. Die Kaiserin Elisabeth wühlte sie, auf Friedrichs I I. Vorschlag,zur Gemahlin ihres Neffen Peter, den sie zu ihrem Nachfolger eingesetzt hatte. Diejunge Fürstin wurde von ihrer Mutter nach Rußland geführt, wo sie zur griech. Re-ligion übertrat und die von der Kaiserin ihr bestimmten Namen Katharina Ale-xiewna annahm. Am 1. Sept. 1115 wurde die Vermählung vollzogen. Aberdiese Ehe war nicht glücklich. K. fand in der Hähern Ausbildung ihres GeistesErholung, und ihr Charakter erhielt eine den Frauen selten zugetheilte Schwung-kraft und Stärke. Doch rissen ihr feuriges Temperament und die Mißhandlun-gen ihres Gemahls sie zu großen Verirrungen hin, die auf ihr ganzes politischesLeben den bedeutendsten Einfluß behielten. Unter den Freunden ihres Gemahlszeichnete sich Graf Soltikoff durch seinen Verstand und durch die Anmuth seinerPerson aus. Er zog die Aufmerksamkeit Katharinas auf sich, und es entstandzwischen Beiden ein VertrautesVerhältniß. Als aber Soltikoff, mit auswärtigenGesandtschaften beauftragt, Katharina gleichgültig zu werden anfing, gewann einjunger Pole von angenehmer Bildung, der durch sein Glück und sein Unglück be-rühmte Wtanislaus August Poniatowski, die Zuneigung der Großfürstin. IhrEmverständniß entging der Kaiserin nicht, schien ihr aber nicht zu mißfallen; esgeschah sogar auf ihre Empfehlung, daß August l ll. Poniatowski zu seinem Ge-sandten in Petersburg ernannte. Das Verhältniß desselben mit der Großfürstinerregte zu Paris Besorgnisse. Frankreich , damals im Kriege mit England, hattemit Östreich einen geheimen Bund geschlossen und Rußland hineingezogen. Po-niatowski war für einen glühenden Anhänger Englands bekannt; man besorgte,er möge durch die Großfürstin zu Frankreichs Nachtheil aufElisabeth wirken, undLudwig X V. benutzte seinen Einfluß auf den König von Polen , um Poniatowskiabrufen zu lassen. 1181 starb Elisabeth, und Peter IN. bestieg den Thron. DiesEreigniß vermehrte die Trennung zwischen beiden Gatten; Peter lebte sehr ausge-lassen, und mit einem Hoffräulin, Elisabeth Woronzoff (s. d. , so vertraut,daß man glaubte, er werde seine Gemahlin verstoßen und sich mit seiner Geliebtenvermählen. Katharina mußte daher für ihre eigne Sicherheit, selbst für ihr Leben,besorgt sein. Nun ward Peter durch seine blinde Vorliebe für die preuß. Kriegs-zucht, durch manche Eharakterfehler und durch seine Politik auch seinen Untertha-nen mit jedem Tage verhaßter. Der Hetinan» Graf Rasumowski , Graf Panin,die unternehmendeFürstinDaschkofs (s. d.) und ein junger Gardeossicier, GregorOrloff, der nach PoniatowSki's Abgänge Katharinas Zuneigung fesselte, bildetendaher eine Verschwörung gegen den Kaiser, welcher die Unzufriedenen und Alle, diebei einer Veränderung zu gewinnen hofften, beitraten. Panin und die Meistenarbeiteten jedoch nur zum Besten deö minderjährigen Großfürsten Paul, den sieauf den Thron erheben, die Kaiserin aber alsVormünderin mit einem Reichscon-seil zur Regcntin erklären wollten. Doch die Ldrloff (s. d.) änderten dies um.Von der Garde, zu der die Kaiserin aus Peterhof am frühen Morgen des 9. Juli1162 sich zuerst begab, ward ihr als Monarchin gehuldigt, und Alexei Drloff be-wog den nachmaligen Senator Teplow in der kasanschen Kirche, statt des von denVerschworenen zu Gunsten des Großfürsten entworfenen Manifestes, ein andres,das die Erhebung Katharinas auf den Thron ankündigte, abzulesen. Peter lll.starb nach einigen Tagen im Gefängnisse. Was von der Mitwirkung Kathari-nas zu dieser Begebenheit erzählt wird, ist grundlos. Die junge, ruhmliebende,ihren Geinahl nicht achtende und von ihm vernachlässigte Fürstin verhielt sich da-bei nur leidend, gab den Umständen, die ihr allerdings sehr günstig waren, nach,und beruhigte sich nachher, da die Sache nicht mehr zu ändern war. Die Gunstdes Volks wußte sie zu gewinnen, indem sie der Eitelkeit desselben schmeichelte; sie