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Wege von beinahe tausend Stunden sah man nichts als Feste, theatralische Aus-schmückungen »Blendwerk und Zauberei. Paläste erhoben sich mitten auf wüstenFluren, um einen Tag bewohnt zu werden; Dörfer und Städte waren in denWüsten, wo kurz vorher die Tataren ihre Heerden weideten, angelegt worden;allenthalben erschien eine zahlreiche Bevölkerung, das Bild des Glücks und Wohl-befindens; allenthalben war Tanz und (besang; hundert verschiedene Nationenhuldigten ihrer Gebieterin. Katharina sah in der Ferne Städte und Dörfer, vondenen jedoch nichts als die äußern Mauern da waren ; in der Nähe sah sie eineMenge Menschen, die während der Nacht weiter geschafft wurden, um ihr amfolgenden Tage dasselbe Schauspiel zu gewähren. Zwei Fürsten besuchten sie aufder Reise, der König von Polen, StanislauS August, und Kaiser Joseph I I. Letz-terer erneuerte sein schon früher in Petersburg gegebenes Versprechen, sie in derAusführung ihrer Plane gegen die Türken zu unterstützen. Ungefähr um dieselbeZeit vereinigten sich Preußen und England, um die Pforte und Schweden zumKriege gegen Rußland zu reizen. Die Türken waren dies Mal nicht glücklicherals Zuvor, und vielleicht wären sie ganz aus Europa getrieben worden, wenn Katha-rina nicht durch die Zwischenkunft andrer Staaten gehemmt worden wäre. (S.Reichenbach, Congreß, 1190.) Der Friede wurde 1192 zu Iassy unter-zeichnet. Katharina behielt Oezakow und alles Land zwischen dem Bug undDuiester. Während Rußland mit den Türken beschäftigt war, hatte auch Gu-stav III. den Feldzug eröffnet und einen Augenblick Petersburg bedroht; »ach2jährigem, mit abwechselndem Glück geführte», Kriege schloß man 1190 zu We-relä einen Frieden, der die Grenzen beider Staaten nicht veränderte. So hattenalle gegen Rußland entzündete Kriege nur dazu gedient, sei» politisches Übergewichtzu vermehren. K.'S Einfluß auf Polen glicb eine,' unumschränkten Herrschaft.Als die Republik sich eine andre Verfassung 1191 geben wollte, unterstützte sie dieGegenpartei, zog Preußen auf ihre Seite, besetzte Polen mit ihren Truppe» undschloß mit dem berliner Cabinerte 1192 einen neuen Theilungsvertrag. (S. Polen.)Der Aufstand, welcher 1191 in Polen ausbrach, konnte dies unglückliche Landnicht retten, das nach der Erstürmung von Praga und der Verwüstung mehrerProvinzen 119b gänzlich getheilt wurde. Auch Kurland ward mit Rußland ver-einigt. Der letzte Herzog von Kurland (s. d.) erhielt Pension, und der letzteKönig von Polen verzehrte die seinige in Petersburg . Während dieser Ereignissekonnte K. an dein Kriege gegen Frankreich nicht Theil nehmen, obgleich sie alleVerbindung mit der stanz. Republik abgebrochen, die Emigranten thätig unter-stützt und mit England ein Bündniß gegen F ankreich geschlossen kalte. Sie un-ternahm auch einen Krieg gegen Persien , und nährte, nach derVersicherung einigerGeschichtschreiber, den Plan, die Herrschaft der Engländer in Bengalen zu stürzen,als ein Schlagfluß am 9. Nov. 119k ihr Leben endigte. Katharina II. ist eben-so sehr getadelt als erhoben worden. Bei aller Schwäche ihres Geschlecht« zeigtesie nicht selten die Festigkeit und den Charakter eines großen Regenten. ZweiLeidenschaften beherrschten sie bis ins Grab: die Liebe und die Ruhmsucht. Siehatte immer ihren Liebhaber, der dadurch, daß er außerordentlich befördert wardund große Geschenke erhielt, beinahe öffentlich erklärt war. Indeß verletzte siewol nie dabei den Anstand noch ihre Würde. Als Regentin war sie sehr thätig.Sie arbeitete zu gleicher Zeit mit ihren Ministern, schrieb an Voltaire einen philo-sophischen Brief und unterzeichnete den Befehl, die Türken anzugreifen oder Po-len zu besetzen. Ausgezeichneten Schriftstellern schmeichelte sie und schätzte be-sonders die Franzosen. Sie hatte zu Paris an Grimm einen literarischen Agen-ten, lud Voltaire mehre Male zu sich ein, schlug d'Alembert vor, seine Encvklopä-die in Petersburg zu beendigen und die Erziehung des Großfürsten zu übernehmen.Diderot hatte sie auf ihren Wunsch besucht und sich sehr vertraut mit ihr unterhal-