106 Katholicismus
unter dem Namen des Pythagoräischen Lehrsatzes, oder Magister malliercos,bekannt.
Katholicismus (von x-rZ-X-x-?, allgemein) — ein Wort, das,seiner wahren Bedeutung nach, wegen der neuangeregten Idee einer Vereinigungder chrisil. Reügionsparieien zur Tagesordnung kommen mußte, aber auch durchdie Bedeutung, die ihm neuere Dichter und Künstler geben, ein allgemeines In:teresse sür die gebildete Welt gewonnen hat — bezeichnet den eigentlichen Geistund Sinn, durch den die katholische Kirche sich in ihren Lehren, Einrichtungen undGebräuchen von andern christl. Kirchen unterscheidet. Wir erinnern uns dabei derGlaubensregel, welche die Kirchenversammlung zu Tridenr (1542 — 63) aufge-stellt, und Papst PiuS V. besonders durch den 1566 erschienenen römischen Kate-chismus den Laien kund gemacht. Der Hauptsache nach ist der Katholicismusunserer Tage den Satzungen dieser Kirchenversammlung immer noch getreu, unddem Aufkommen jeder davon abweichenden Meinung entgegen. Er hält neben derBibel die Tradition (s. d.) und die Entscheidungen des Papstes, der Bischöfeund der Kirchenversammlungen zur Erhaltung der Einheit und Wahrheit des Glau-bens für unentbehrlich, gestattet deßhalb keinen uneingeschränkten Gebrauch der Bi-bel, und behauptet, daß seinen Lehren der Vorzug der Kaiholicität, d. h. der allge-meinen Gültigkeit und Lehrgerechtigkeit, darum gebühre, weil die christliche Kirchesie seit ihrer Entstehung immer und mit allgemeiner Übereinstimmung geglaubthabe. Zn Rücksicht der allen christl. Kuchen heiligen Grundlehren der Religionund des biblischen Christenthums wird diese Behauptung von der Geschichte bestä-tigt. Dies gilt jedoch bei weitem weniger von den im Laufe der Entwickelung desPapalsostems aufgekommenen Meinungen des Katholicismus, daß man sich durchgute Werke, z. B. Schenkungen an Kirchen, müde Leistungen, Almosen ».dgl.Etwas bei Gott verdienen, durch Bußübungen, Fasten und Kasteiungen über ge-wisse Sünden beruhigen lind dafür geuugkhun, auch das nach seiner Ansicht über-pflichtmäßige Verdienst der Heiligen zur Ausfüllung mancher Lücken in der eignenTugend durch den Ablaß sich zueignen könne, nach dem Tode aber noch einen Prü-sungszustand, das Fegefeuer, bestehen müsse, dessen Pein sich jedoch durch See-lenmessen und andre gute Werke der Hinterlassenen für die Verstorbenen lindernlasse. Sein Kirchenregimenk führt der Katholicismus durch die von aller weltli-chen Gerichtsbarkeit freigesprochenen Priester und Ordensgeistlichen, die er als ge-weihte, mit einem ihnen aufgedrückten unauslöschlichen geistlichen Charakter aus-gezeichnete Personen ansehen lehrt, zur Ehelosigkeit verpflichtet und unmittelbar anden Papst, als den Stellvertreter Jesu aus Erden, und das höchste, untrüglicheOberhaupt der christl. Kirche, bindet. Er glaubt an sieben Sakramente, nämlichTaufe, Firmelung, Abendmahl in dem Sinne, daß Brot und Wein dabei in denLeib und das Blut Jesu Christi wirklich verwandelt werde», Buße, bei der er dieOhrenbeichte für„»othwendig hält, Priesterweihe, Ehe, die er für unauflöslich er-klärt, und letzte Ölung, er verehrt Heilige und Bilder, läßt den Altardienst in derheilig geachteten lateinischen Sprache verrichten, und mißt seinen gottesdienstlichenGebräuchen eine ihrer gesetzmäßigen Verwaltung lrx rg.cre »peint») selbst eigne,von den Gesinnungen und Ansichten der Theilnehmer unabhängige, beseligendeKraft bei. Wenn nun auch viele aufgeklärte Geistliche und Laien in der katholi-schen Kirche jetzt über diejenige» Lehren, Einrichtungen und Gebräuche derselben,welche weder die Vernunft, noch bei einer gesunden Auslegung die heil. Schrift be-stätigt, nicht mehr so streng als sonst zu halten scheinen und freiere Überzeugungenhegen, so hat doch die Kirche iin Ganzen nicht das Mindeste davon aufgegeben undsich stets öffentlich gegen die Andersdenkenden erklärt. Nur muß hierbei die über-einstimmende Überzeugung der Nationalkirchen, d. h. der Bischöfe und Kirchenleh-rer, oder das Episcopalsystem von den Ansprüchen der römischen Curie, welche man