Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
110
JPEG-Download
 

110

Katholicismus (kath.). I. Glaubensgrund

jegliche Autorität einer überliefernden, folglich erklärenden Kirche. Nur das Buchgilt ihm, aber auch dieses ganz, „das Wort sie sollen lassen stahn", sagt Luther und mit ihm jeder echte Protestant. — Folgendes ist nun aber die Lehre vomKa-tholicismus: Don der Thatsache der Erlösung geht Alles aus. Der Menschfing mir dem Guten an. Aber es entstand der Irrthum und das Böse als That-,fache. Eine Thatsache war es, daß der Sohn des ewigen Vaters die Schuld hin-wegnahm. Dieser stiftete das Christenthum als göttlich offenbarte Religion. DerSohn und der Geist lehrten, es lehrten die Boten des Sohnes, das Christenthumturchdrang die Gemüther. Der Grund des Glaubens war diese als Thatsachein der Zeit erschienene mündliche Offenbarung. — Nicht Jeden» können sichdie Offenbarungen wiederholen. Was der Sohn und seine Boten den Gläubigenverkündet, überlieferten die Nachfolger der Boten von Geschlecht zu Geschlecht.Verschiedenes von Dem, was die Boten gelehrt und als vom Herrn empfangenund gesehen vorgetragen, ward geschrieben, solch Geschriebenes ivard Theil derÜberlieferung. Es war nicht ein Codex, den der Sohn des Ewigen aus den hei-tern Räume» hinabbrachte, sondern das lebendige Wort war es, »vag er und seineBoten brachten. Auch nicht Einen Buchstaben schrieb der Sohn. Die Apostelwaren nicht angewiesen, die Lehre schriftlich z» versassen, sondern in alle Welt zugehen und das Evangelium zu verkünden (Match. 10, 7). Die Apostel sagen esauch klar, daß sie gekommen um zu predigen (Ephes. 3, 8; 1. Cor. 1,17; Röm.10, 14 — 19). Es war eine re^ula ti,I,-i. die das geistige Gemeingut der Kirchewar, lange zuvor, ehe das neue Testament entstand. Im Verlaufe der Jahrhun-derte sammelte man aus den einzelnen Gemeinden die Briefe der Boten, und ei-nige Jahrhunderte nach der Entstehung des Christenthums bildete sich aus diesenund den ebenfalls als authentisch überlieferten Evangelien der Kanon (s.d.), dergeschlossene Inbegriff der als göttlich überlieferten Schriften. Die Überlieferung,das geistige Leben der Kirche, trug und hielt diese Schriften, von ihr ging Glanzund Wahrheit auf die Schrift über. Die Schrift schwamm im Meer der Überlie-ferung, es fiel keinem Kirchenvater ein, die ReligionSerkenntmßguellen der Kircheauf die Schrift zu beschränken. Irenäus sagt: „Jedem, der die Wahrheit erken-nen will, steht esfrci, die in der ganzen Welt verkündete Ueberlie-ferung der Apostel durchzusehen, und wir können auch noch jene Bischöfeaufzählen, die von den Aposteln in der Kirche aufgestellt »norden sind, und ihreNachfolger bis auf unsre Zeiten. — Wenn die Apostel keine Schriften hinterlassenhätten, »mißte man nicht der Tradition folgen, »reiche von Denen aufbewahrtwird, »reichen die Apostel die Gemeinde anvertraut haben? So machen es auchviele barbarische Völker, welche an Christus glauben und ohne Papier und Dintedie heilbringende Lehre durch den Geist in ihre Herzen geschrieben haben, undwelche die alte Ueberlieferung sorgfältig bewahren". ClemensAlexandrinus spricht von seinen Lehrern: „Diese bewahrten die wahreÜbergabe der Heilslehre, und gelangten von Petrus , IacobuS, Johan-nes und Paulus, den heiligen Apostel», »rie Kinder, die von ihrem Vater Etwasgeerbt haben — zugleich mit Gott zu uns, um den von den Vorfahren erhaltenenapostolischen Samen niederzulegen". BasiliuS: „Von den in der Kirche aufbe-wahrten Dogmaten und öffentlichen Lehren haben wir einige aus dem Unterrichteder heil. Schriften, andre nehmen wir, durch die Überlieferung der Apo-stel zu uns gebracht, als Geheimnisse an. Beide haben gleiche Gültigkeit inder Religion, und Niemand wird ihnen widersprechen, der nur ein wenig in kirch-lichen Anordnungen bewandert ist. — Ich halte es für apostolisch, auch bei denungeschriebenen Traditionen zu beharren". ChrysostomuS : .Darauserhellet, daß die Apostel nicht Alles durch Briefe gelehrt haben, sondern auch ohneSchriften. Glaubwürdig ist aber sowol dieses wie jenes; halten wir deßwegen