Band 
Sechster Band. K bis L.
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Katholicismus (kath.). I. GlaubmSgrund

Er sprach eS keck au«, daß nur die Schrift Religionsquelle, daß diese Jedem zurPrüfung hingegeben sei.— Die katholische Kirche glaubt also die religiösen Wahr-,hefte», weil sie ihr offenbart überliefert worden; der Protestant glaubt sie, weilund i» wiefern sie in dem Buche enthalten sind. Beide Bekenntnisse gehen aberdavon au«, daß d>e Vernunft nicht im Stande sei, die großen Wahrheiten derReligion — wen» gleich ahnen und hoffen zu lassen — zu beweisen (demonstriren).Der Protestant kann es also dem Katholiken nicht vorwerfen, daß dieser an da«Offenbarte, Überlieferte darum glaubt, weil es solches ist. Glaubt der Protestantja doch auf dieselbe Weise an den Inhalt der Bibel! Ist also die Überlieferung,das historische Wissen dem conseguenten Katholiken mit Recht das Höchste, so mußeS auch sein höchstes Bestreben sein, diese Überlieferung zu fixiren, zu sorgen, daßnichts für Überlieferung ausgegeben werde, was nicht offenbart ist — d. h. dieReinheit des Glaubens zu bewachen. Das erste Mittel zu diesem Zweck war nundie Geltung der heiligen Schriften. Sie gelten als Verkörperung der Tradition,jedoch, wie nothwendig, dem Urtheile und der Auslegung der Kirche, von der jaalle Überlieferung, auch die Schrift zu Lehn geht, unterworfen. So verehrt dieKirche die Bibel als göttlich, als heilsame Objectivirung des kirchlichen Lebens,aber nicht als todtes Buch, aus dem Herzen der Kirche herausgeschnitten. Durchdieses Ansehen derBibelwar den meisten Verfälschungen der Überlieferung der Ein-gang versperrt. Die Schrift bewährte sich hier — wie sie, nach ihrem wahrenBegriff, immer sollte — als wohlthätig, als Stützmitiel, nicht als die Mörderindes Geistes. Da die lebendige Überlieferung selbst fortwährend das Höchste war,so gab bei entstehenden Streitigkeiten über dieselbe und über das Verhältniß undden Verstand der Bibel immer Das die Entscheidung, was die Kirche wirklichglaubte. Denn nur dies konnte überliefert, nur auf solche Weise konnte Bibel —Abdruck, Theil der Überlieferung — verstanden werden. Der wirkliche Glaubeder allgemeinen zerstreuten Kirche ist dem Katholiken nothwendig die letzte Instanz.Daß dieses wirklich aus dem Begriffe der überliefernden Kirche mit Nothwendigkeitfolge, ist nicht zu bestreiken. Aber eben was die allgemeine zerstreute Kirche alsüberliefert glaubt, kann Gegenstand des Streites sein. Da ist nun kein besseresMittel, als diese Kirche selbst sich aussprechen zu lassen, sie zu versammeln —die allgemeinen Concilien. Es ist nicht zu zweifeln, daß derselbe heilige Geist,der der Kirche bis ans Ende der Tage verheißen ist und der den Glauben der zer-streuten Kirche befestigt, auch der versammelten Kirche beisiehen werde, daß sieihren Glauben richtig ausspreche. — Der Protestant findet es ungemein lächer-lich , daß der Katholik sich vom Concilium die Glaubenswahrheiten setzen lasse,solches sind ihm eitel Menschensatzungen. «Lehr mit Unrecht. Das Conciliumschafft keine Glaubenswahrheiten, die ganze Kirche ist dazu nicht vermögend; dasConcilium, die versammelte Kirche, spricht bloß aus, was die zerstreute Kirche glaubt.Daß die zerstreute Kirche solches als Fonds der Überlieferung bewahrt habe, ist eineThatsache, das Concilium zeugt hier; es ist nicht mehr und nicht weniger unfehl-bar als die zerstreute Kirche, als die Überlieferung überhaupt. Diese Unfehlbar-keit ist gar nicht etwas so Furchtbares, als man häufig darstellt. Die Kirche, imBesitze der überlieferten Offenbarung, muß sich nothwendig eben deßhalb für un-fehlbar erklären; der feste religiöse Glaube ist keine Hypothese, sondern schließtnothwendig die Überzeugung von der Möglichkeit des Gegentheils aus. Wennalso die Offenbarung, die Überlieferung an sich unfehlbar ist, wenn der Protestantsogar einem Theile der Überlieferung, dem Buche nämlich, diese Eigenschaft zuge-steht, sollte denn die Kirche, die eben diese Überlieferung auSspricht, von ihrem in-nern geistigen Leben Zeugniß gibt, minder unfehlbar sein? — Die Kirche erklärtdie Bibel nach der Überlieferung, deren Theil und Abdruck sie ist; was das Con-cilium als Glaubenswahrheit auSspricht, ist Kanon, es gilt nicht darum, weil es