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Katholicismus (kath.) II. Lehre
als apriorische Wahrheit erscheint, denn dann würde ein Dogma geschaffen, würdeder freien Untersuchung vorgegriffen, und das wäre Unsinn. Ein Kanon ist viel-mehr Das, was nach dem Urtheile der Kirche in der Bibel ausgesprochen ist, undimmer und allenthalben und von Allen (-> ,,>>>>'> et ulügue et «l> r>„>i>il,»<i eieili-tn,i>) geglaubt worden. Sobald die Kirche findet, das eins dieser Erfodernissemangelt, spricht sie keinen Kanon aus. Auf diese Weise sind Bibel und Überliefe-rung auf das festeste verschlungen. Aber, möchte man fragen, warum halt dieKirche die historische», die von der versammelten Kirche bezeugten Überlieserungs-wahrheiten für wirkliche Wahrheiten? Darum, weil ihre Anstalt göttlichen Ur-sprungs, weil ihr eine Offenbarung überliefert worden. Hier findet die Vernunfteinen Zirkel im Schlüsse, weil sie Das bewiesen haben will, was, in sich ruhend, kei-nes Beweises fähig, was aber dadurch, daßeS bewiesen, durch außer ihm Liegendesverbürgt und begründet werden konnte, als hohl und nichtig in sich zerfallen würde.Man müßte alsdann ja die Vernunft über die Offenbarung setzen; allemal undnothwendig ist ja der Beweisgrund über Dem, was durch ihn bewiesen werden soll:er begreift es unter sich, aus ihm stießen Wahrheit und Gewißheit auf das zu Be-weisende erst herab, es trägt seine Realität von ihm zu Lehn. Wie kann man da-her die Kirche tadeln, daß sie die Unfehlbarkeit für sich in Anspruch nimmt, die Be-urtheilung durch die Vernunft verschmäht! Entweder — oder. Entweder istdas Christenthum offenbart oder nicht. Ist es jenes, so kann der Glaube des frei-lich im Allgemeinen religionsfähigen Gemüths nur auf das Zeugniß der die Offen-barung, die heiligen Bücher und Einrichtungen überliefernden Kirche, und nichtauf die freie Forschung der gegen Autoritäten protestirenden Vernunft gegründetsein. Soll das Christenthum aber nicht offenbart sein, nun so ist kein Streit vor-handen, denn verhüllter Rationalismus ist darum noch kein Christenthum. Daßaber ein Concilium andern in GlaubenSwahrheiten widerspreche, ist dem Katholi.ken ein nicht denkbarer Fall und muß es sein. — Dieses ist also die Grundan-sicht des Katholicismus, wie sie dem unbefangen in Denkmälern der Kirche For-schenden sich darbietet. Der erste Grundsatz hat so vieles Empfehlende, daß selbstProtestanten, wie Münscher, die Tradition vertheidigt haben. Daß aber aus die-sen» ersten Grundsätze die übrigen wesentlichen Grundsätze des Katholicismus noth-wendig folgen, kann ein Consequenz liebendes Gemüth nicht verkennen. Die ka-tholische Kirche kann übrigens nur Eine sein. Die Offenbarung kann nicht zu-gleich geschehen und nicht geschehen, Dasselbe kann nicht zugleich wahr und nichtwahr sein. Sie kann daher auch keine andre Kirche als die wahre anerkennen.Ihr nur ist der heil. Geist gegeben, sie nur ist der Fels, der nicht zerstört werdenkann. Sie hat taufende von Irrlehren vor sich vorbeigehen und verschwinden ge-sehen, und übermal taufende wird sie entstehen und verlöschen sehen. — II. Lehredes Katholicismus. Die katholische Kirche ist die Gemeinde der Heiligen,welche Einen Glauben, Eine Liebe, Eine Hoffnung hat, sie ist hienieden die strei-tende, in jenem Leben die siegende Kirche. Sie glaubt die 3 Personen der Gott-heit, die Erlösung rc. Sie glaubt die Freiheit und Unsterblichkeit und die Gesetzeder Moral. — Die Kirche soll das Reich Gottes herstellen. Der erste Menschwar ein unmittelbares Geschöpf Gottes, frei von Sünde, geschmückt mit Unschuldund Heiligkeit, Anspruch habend auf ewiges Leben. Dieser erste Mensch sündigteund verlor dadurch Unschuld und Heiligkeit und Anspruch auf ewiges Leben. We-gen der Sünde des ersten Menschenwürden auch alle seine Nachkommen Sündervor Gott , und daher gleichfalls des ewigen Lebens verlustig. In dieseni Zustandeder moralischen Zerrüttung soll der Mensch nicht bleiben; berufen zum Reiche Got-tes, soll er heilig und vollkommen sein, wie Gott selbst heilig und vollkommen ist.Er soll werden ein göttliches Wesen, frei von Irrthum und Sünde, geschmückt mitWeisheit und Heiligkeit. Zur Erreichung dieser erhabenen Bestimmung verhilst
Eonversatioilt-rexicvn. Bd. VI. « 8