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Katholicismus (kath.X lll. Kirchenverfassung
neuere Geschichte der protestantischen Kirche bewährt. Der Mittelpunkt der katho-lischen Mystik ist das Abendmahl des Herrn, die Gläubigen treten dadurch in realeGemeinschaft mit dem Herrn , eine Fülle der seligsten Genüsse bietet sich ihnenhierdurch dar. Übrigen? mangelt es auch nicht den Katholiken an Privamiystik;aber es bleibt doch immer ein fester Mittelpunkt der allgemeinen Mystik; so wenigdie Kirche einzelne Ab irrungen, die man oft sehr zur Ungebühr der Kirche zur Lastlegt, gar als (ästhetischen) Katholicismus darstellt, anerkennt, so sicher ist es doch,daß das innere Leben der Mystiker wie KempiS, Salis u. A. des Katholicismusköstlichste Blüthe ist. Wirklich sind die Einrichtungen der katholischen Kirche (sagtCh. Fr. Schlosser) wie ein Tempel gebaut, der dem Eintretenden, wenn er den Blickzum Boden wendet, viele verschiedene Hallen und Altäre der Andacht zeigt, der,wenn man den Blick zum Himmel kehrt, in einfacher Wölbung groß und majestä-tisch sich zusammenschließt. Von jener Hähern Anmuth an, welche dos Evange-lium empfiehlt, von jener höchsten Erkenntniß an, welche bloß stiller Betrachtungund Ruhe zu Theil wird, durch alle Fächer schärfster und weitester Erkenntniß biszum Lehrer, bis zum treuherzigsten und bildlichsten Volkslehrer hinab, bis in diePflege des thätigen Lebens, für alle innere Lebensbedürfnisse, für die Seele, dievon frühe an Reinheit gelobt und sich von dem Strudel weltlichen Treibens ferngehalten; für die, welche in stetigem Fortgange Belehrung und geistige Beschäfti-gung sucht; für die, welche der Welt müde, sich aus den Wogen der Zerstreuungin Einsamkeit flüchtet; für die verschuldete Seele, die aus den Banden des Frevelsnoch Rettung durstet: für alle diese Zustände und Bedürfnisse haben sie Sorge ge-tragen, Jedem ist ein entsprechender Raum in ihrem Innern angewiesen. Manwürde aber sehr irren, wen» man glaubte, daß die Kirche nur daruni die Mystik be-günstige, darum mit den Künsten sich verbände, um Anhänger an sich zu ziehenund innere Mängel zu verdecken; sie bedarf deß nicht, sie bietet Worte des Lebens,und ihr Glaubenssystem ist rein und conscguent, auch ihre Moral ist rein. Inder That ist der eigentliche Glaube der katholischen Kirche , deren symbolische Bücherdoch offen daliegen, von Protestanten so einstellt worden — von der 80. Frage desHeidelberger Katechismus an bis m den neuesten Parteischriften —, daß es nicht zuverwundern ist, wie auch>I>er gebildetere Proiestant den guten Katholiken und seinenVerstand zum mindesten bedauert, um der Satzungen willen, die man der katho-lischen Kirche unterlegt. — III. Kirchenverfassung des Katholicismus(oder katholische Kirche . Es war die Absicht Christi, eine Kirche zu stiften, undzwar eine dauernde. Das System dieser Kirche, welche ist die katholische, ge-ben wir zuvörderst (nach Sailer's »Handb. der christl. Moral", Bd. 3, S. K5 fz.)und wenden uns dann zur Aushebung der wichtigen Punkte, worin dies Systemsich von den andern Gemeinden unterscheidet. — Der Zweck der Kirche ist, die ge-sunkene Menschheit durch Christus mit Gott wieder zu vereinigen. Die Kirche,die diesen Zweck erreichen soll, ist eine geistige und eine sichtbare Gesellschaft.Als geistige Gesellschaft steht sie im Verhältnisse zu Christus, als solche ist sie dieEinheit, die Gemeinschaft aller ihrer lebendigen Glieder mit Gott dem Vater durchden einen Christus, in dem einen Geist der Liebe. Der Apostel Paulus stellt dieseIdeen besonders unter zwei Gestalten dar: der eines Leibes und der eines Gebäudes.I. Unter der Gestalt eines Leibes stellt er sie dar Ephes. IV. 1. Cor. XII, 4 — 30,XIII, 1 — 13, XIV. 1 — 40. Demnach ist die Kirche ein geistiger Organismusunter dem Einen Haupte Christus, wo kein Glied am Leibe isolirk bleibendarf, sondern jedes mit allen übrigen zum Zwecke des Geistes nothwendig ge-meinschaftliche Sache machen muß. II. Unter der Gestalt eines Hauses, einesPalastes, eines Tempels, eines göttlichen Bauwerkes zeigt er sie uns Ephes. I I,19 —22, 1. Tim. III, 15. — Die Kirche ist ferner nicht bloß eine geistige,sondern auch eine sichtbare Gesellschaft, denn da die Kirche als streitend und als
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