Band 
Sechster Band. K bis L.
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Katholicismus (fach.), lll. Kirchenverfassung

Verein sichtbarer Streiter auf Erben existirt, da die Kirche, nach den Bildern desApostels, als Leib, als Tempel, als Palast, als Haus Gottes sichtbar sein muß,da endlich auch Christus, obgleich er unsichtbar durch seinen Geist wirkt, auch durchsichtbare Organe, wie sie immer heiße» mögen, Apostel, Lehrer, Hirten, wirkenmuß, so wird die Kirche nicht bloß als geistige Gesellschaft im Verhältniß zum un-sichtbaren Christus, sondern auch als sichtbare Gesellschaft betrachtet werden muffen.Diese sichtbare Kirche Christi, als sichtbarer Leib Christi betrachtet, ist nothwendigeine Einheit, eine Vereinigung, eine Gemeinschaft aller Glieder unter einem sicht-baren Haupte, die keinen andern Zweck hat, als die Einheit mir Christus und durchChristus mit Gott dem Vater zu bewirken und zu behaupten. Diese sichtbare Ein-heit aller Glieder in der sichtbaren Kirche Christi ist nur dadurch bewirkbar, daß dieeinzelnen Gemeinden mit ihren unmittelbaren Hirten, diese mit ihren Oberhirten,und diese mit dem einen Mittelpunkte der Einheit, mit dem von dem heil. Cyprian ausdrücklich so bezeichneten Ontr»,» unitati' zusammenhängen, und zusammen-hängend den Zusammenhang mit deni unsichtbaren Haupte Christus und durchChristus mit dem Vater gewinnen und behaupten. Dieser Zusammenhang mitdem EinheitSpunkte setzt aber nothwendig voraus, daß das sichtbare Oberhaupt derganze» Kirche (der Papst) den Vorzug des Ansehens und der Gerichtsbarkeit (>>,,-,i>i>iu> iiuetoi iliiliii et jiii i.O!'tiuniH inne habe, d. i. jene Macht, die der Mit-telpunkt der Einheit nöthig hat, uni dieses sein und bleiben zu kennen. DieserPrimat beruht, laut der ganzen apostolischen Tradition, in der Person des römi-schen Bischofs, als Nachfolgers des heil. Petrus , den Christus zum Felsen seinerKirche, d. h. zum unbeweglichen Mittelpunkte seiner sichtbaren Kirche gemacht hat(Match. X.LI, 16). Der bisher angedeutete Zusammenhang der ganzen sichtba-ren Kirche, der im Zusammenhange der einzelnen Gemeinden mit ihren Hirten, derHirten mir ihren Oberhirten, der Oberhirten mit dem höchsten Hirten und Haupteder Kirche besteht, setzt also eine Hierarchie voraus, eine heilige Gewalt, die ebenjenen Zusammenhang bewirkt und erhält. Diese Hierarchie ist, ihrem Wesen undihrer Einsetzung nach, geistig, geistig in ihrer Abkunft, geistig in ihrer Tendenzund geistig in ihrer Wirkungsweise, obgleich sie sichtbar in ihren Handlungen seinmuß. — Die katholische Kirche , die Kirche Christi, hat und muß kaben die 4Merkmale: daß sie ist die Eine, die heilige, die katholische, die apostolische. Sieist die Eine, weil sie hat (Ephes. N , 5) Einen Glauben, Eine Taufe, EinenHerrn; sie ist die Eine, weil sie steht unter Einem unsichtbaren Oberhaupte, Chri-stus, und unter dem Einen sichtbaren Oberhaupte. Sie ist die heilige Kirche, weilChristus die O.uelle aller Heiligkeit ist, weil sie. als der Leib Christi , in allen ihrenlebendigen Gliedern durch Christus schon geheiligt ist (Ephes. V, 23 —32), undweil auch die todten Glieder, die Sünder, die mit den lebendigen im Schoße derKirche sind, durch die Lehre, durch die Sacramente und durch den Dienst des Hir-tenamts heilig werden können. Sie ist die katholische Kirche , weil sie nicht, wieirgend ein Weltreich, in den Grenzen desselben eingepfercht ist, sondern in allenVerfassungen, in allen Weltgegenden ihre Glieder hat, und also von Rechtswegen,nach dem Zeugnisse des heil. AugustinuS, die Universalkirche heißt. Sie ist endlichdie apostolische, weil in ihr sowol die Lehre der Apostel als die Aufeinanderfolgeder höher» Kirchenvorsteher von den Zeiten der Apostel an sich erwählet hat. —Man glaube aber ja nicht, daß die katholische Kirche , wegen ihrer Hierarchie, einandres Oberhaupt als Christum habe. Das Fundament des Welttheils ist auchdas gewisse und eigentliche Fundament des katholischen Glaubens; der Zusammen-hang der Christen mit dem sichtbaren Mittelpunkte der Einheit hat den Zusammen-hang mit dem unsichtbaren Mittelpunkte, mit Christus, mit dem Fundamente desGlaubens, zum höchsten Augenmerk und Zum höchsten Zwecke. Christus ist demKatholiken Alles und in Allem (Col. Ill, 11), für ihn ist nur in Christus Heil,