Band 
Sechster Band. K bis L.
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Katholicismus (koch.). III. Kiichenvcrfassung

ful' ihn stießen alle Naben nur aus Christus. — Auch ist die Unterwerfung un-kcr die Kirche nicht so abschreckend, als den Andersdenkenden scheint. Die Kirchehat, nach dein'Ausspruche Augustins, drei Principien: Einheit im Nothwendigen,Freisten »n Zweifelhaften, Liebe in Allein. Die katholischen Christen haben alsoalle jene Frechen , die mir der Eiubeit nn Nothwendigen bestehen kann, und ihreUnterwürfigkeit unter die Kirche hebt jene Freiheit nicht aus, sowie die Unterwür-figkeit lind die Freiheit von der Wurzel der Liebe getragen werden, der Liebe, diedas Bank der Einheit ist, die die Unterwürfigkeit zur leichte» Bürde macht und dieFreiheit vor Zügellosigken bewahrt. — Wie übrigens die Kirche Christi ihren Ur-sprung nur aus Gott nehmen konnte und genommen hat, so kann sie ihr Bestehenbis zum Ende der Welt auch nur durch Gott gewinnen (Match. XX i III. 20),und wird nur in Gott ihre Verklärung und Vollendung finden. — Dies ist dasSystem der katholische» Kirche, in seiner höchsten Lauterkeit dargestellt.

Sehen wir nun die Differenzpunkte desselben von andern Kirchensysteme» nä-her aus einander. Die Kirche konnte nicht mit dem Staate Eins sein. Die Religionsollte allen Völker» gepredigt, bis an die äußersten Grenzen der Welt verbreitetwerde». Die Staaten sind dem Wechsel der Zeit unterworfen, sie können Feindder Religion sein und waren es; sie sind die Welt, die die Boten Christi wol hassenund verfolgen, aber nicht in der Kirche lehren konnte. Mein Reich ist nicht vondieser Welt, sagte in diesem Sinne Christus. Die Kirche kann also die Fürsten nicht als Bischöfe in der Kirche erkennen, wie die lutherische Kirche thut, sie kannüberhaupt keinen Einstuß in die Gestaltung des KirchenwesenS gestatten, und wodie Staaten sich solchen Einflusses angemaßt, folgte bald die Gegenwirkung, welche,nach den Gesetzen d>r Kräftebercchnung, oft ebenso sehr in das entgegengesetzte Ex-trem überging. — Auch den Gemeinden konnte die Einrichtung der Kirche nichtübertragen werden. Unmöglich könne» die Lernenden die Lehre bestimmen. DerGlaube ist in der Küche nicht von unten heraus, sondern von oben herab, nichtdurch die Forschung der Gemeinden, sondern durch die Lehre und Heilverküudigungder Apostel und Bischöfe entstanden. Der Apostel Paulus sagt I.Cor., daß ervon Gott als Apostel bestellt worden, keineswegs aber, daß er es sei von der Ge-meinde, die er ja eben erst stiftete. Nur den Aposteln, nicht den Gemeinden, istder Auftrag geschehen, in die Welt zu gehen und alle Völker zu lehren; nur jenen,nicht diesen, ist der Beistand versprochen. Keineswegs reichten die heiligen Schrif-ten hin, um gelesen, die wahre Lehre unverändert zu erhallen, es bedurfte des leben-digen Works, es bedurfte eines Lehramts und des Beistandes des Geistes. ,,VorAllem wisset, daß jede Weissagung der Schrift nicht aus eigner Auslegung ge-schieht", sagt Petrus ll. 1, 20. Die Apostel üblen die Kirchengewalt, sie hieltendas erste Concilium zu Jerusalem . „Dem heil. Geiste und uns hat es geschienen",sagen sie, indem sie ihre Beschlüsse den Gemeinden zur Befolgung zusandten. Daß,wie Planck behauptet, schon die Apostel ihre Gewalt usurpirt haben, ist eine sichtlichfalsche Behauptung. — Diese Gewalt war aber kein Privilegium der Apostel,sondern eine wahre Amtsgewalt, die sich auf ihre Nachfolger erstrecken sollte undmußte. Der Beweis liegt nicht nur in der ausdrücklichen Versicherung s)esu, da er,Matth . XVI. 18, sagt, er wolle seine Kirche auf eine» Felsen bauen, daß sie diePforten der Hölle nicht überwältigen sollen,^»d an einem andern Orte verspricht,bis an der Welt Ende mit seinem Paraklet 6ei ihnen zu bleiben, welches sich offen-bar aus die die Kirche erhaltende und regierende Gewalt bezieht, sondern cS folgtauch ganz natürlich aus dem Plane Christi , eine allgemeine Kirche zu stiften, nachwelchem es gar nicht anders sein konnte, als daß diese Gewalt sich auch auf dieNachfolger der Apostel erstrecken müsse. Die Apostel haben daher auch wirklichallenthalben Bischöfe bestellt, und auch nach ihrem Tode ist die Kirche, von den Bi-schöfen geleitet, fortwährend als eine und dieselbe bestehend geblieben, bis es in