Band 
Sechster Band. K bis L.
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Katholicismus (kath.). III. Kirchenverfassung

neuern Zeiten den Reforniatoren einfiel, dem ganzen christlichen Alterthume zumTrotz, das Gegentheil zu behaupten. Die Kirche ist dadurch bewahrt worden vordem Geschick der protestantischen Kirchen, die sich in isolirke Gemeinden aufgelösthaben, eines gesetzlichen Lehramtes ermangelnd. Die Bischöfe und Nachfolger derApostel bilde» nun eine Genossenschaft, wie eben auch die Apostel. „Es ist EinBiSlhum (sagt CyprianuS , lle n>,lt ,ie , dessen einem Theile jeder ein-

zelne Bischof, doch auch in gemeinsamer Genossenschaft, dem Ganzen vorsteht"(Lp>8e.«p»tU8 ui>n<i C8t, u>ss»8 8 ii> 2 »i >8 >>> soll,!»,» PUI8 ten^tui). So istauch Eine Kirche, die durch si uchtbaresWachSthum sich weit umher in großerMengeverbreitet, wie der Sonnenstrahlen viele sind, aber Ein Licht, und der Zweige desBaumes viele, aber nur Ein auf fester Wurzel gegründeter Stamm, und wie ausEiner Quelle viele Bäche sich ergießen, und dennoch die Einheit im Ursprünge erhal-ten bleibt. Jeder Bischof ist nicht bloß Bischof der Welt; aber darum nicht öku-menischer, allgemeiner Bischof, wie Johann der Faster zu Konstantinopel für sichbehauptete: ein Titel, den selbst Gregor von sich ablehnte, sondern auch Bischofseines Sprengels. Dieser Sprengel bestand ursprünglich aus einer Stadtgemeinde.Der Bischof verbreitete von hier aus das Christenthum weiter, bildete neue Ge-meinden, denen er Pfarrer, als Telegaten eines Theiles seines Amtes, gab. DiesePfarrer, sowie das Presbytern»« der Hauptstadt, bildeten den sehr einflußvollenRath des Bischofs. Diese sprachen sich in der Diöcesansynode aus, und der Ver-treter der nicht versammelten Pfarrer war das Presbytern»» der Hauptstadt, späterDomcapitel genannt; die eigentlich bischöfliche Gewalt hatte nur der Bischof, diePfarrer und Presbytern waren eine Emanation aus ihm. Daß aber nicht — wasdas protestantische Presbyterialsystem behauptet — die Bischöfe und Priester nurEine Ordnung unter verschiedenen Namen ausgemacht haben, geht nicht nur ausder Überlieferung, sondern auch mit ausnehmender Klarheit aus den echten Briefendes heil. Ignatius — eines Schülers der Apostel, der um 10' lebte — hervor,worin der Bischof, als der von Gott Angeordnete, immer von der Versammlung derPriester unterschieden wird. Daß überhaupt der Priesterstand von dem Standeder Laien durch die Weihe, durch göttliche Sendung seit dem Beginn der Kirche un-terschieden war, geht aus der Tradition, wie aus den Briefen des Paulus an denTimotheus und Titus und andern stellen hervor. — Über das Verhältniß desPapstes zu den Bischöfen und überhaupt zur Kirche s. Papst. Hier genüge dieBemerkung, daß d:e Kirche einen Bundesstaat bilde, daß sie die Einheit durch denBischof zu Rom , als Nachfolger des Fürsten der Apostel, durch dieses Ornlrum„niUilis der Kirche, wie ihn schon Cyprian nannte, erhalte, daß dieser Papst, ausgöttlicher Anordnung, der «Sprecher der zerstreuten Kirche sei, und daß er bei der ver-sammelten Kirche als zu imu; inter pare^ präsidire. Die Erzbischöfe, Patriarchenund Primaten nehmen in der Hierarchie keine wesentliche Stelle ein, sondern sindnur zufällig entstanden als höhere Instanzen in der bischöflichen Gerichtsbarkeit.Die Diakonen sind die niedrigste Stufe in der Hierarchie. — Die Einrichtungder Ordensgeistlichkeit wird hier, als ein mit der Kirchenverfassung in keiner wesent-lichen Beziehung stehender Gegenstand, Übergängen. — Es sind bisher die Grund-züge der innern Verfassung der katholischen Kirche dargestellt worden, wie sie ausden heiligen Schriften und der Überlieferung sich gebildet hak. Man möchte ver-sucht sein, zu fragen: wie sich diese Principien in der Wirklichkeit ausnehmen, obhier Freiheit oder geistiger Tod sei? Es fehlt nicht an Solchen, die das Letztere be-haupten. Dem ist aber nicht also. Wie der Einfluß des Papstes gemäßigt undunschädlich geworden, s. Papst. In den Bisthümern lebt der einzelne Katholikfrei. Die Lehre ist einmal durch das letzte Concilium fest bestimmt, der Bischofhat hierin nicht mehr Gewalt als der Papst und der Bauer. Eine Autorität, dieman als göttlich verehrt, schadet der Freiheit nicht, wohl aber ist die Freiheit gefährdet,