Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
123
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Katholicismus (fath,). IV. Verhält», der. k. Kirche z. Staate 123

Abtretung derselben geneigt waren, Immerhin bewies aber der Papst durchsolch ein Anerbieten, daß es ihni Ernst um die Wache war. Erst mir dem PapstCalixtuS kam eine Ausgleichung (das erste deutsche Ccncordat) zu Stande, gemäßwelcher die Wahl den Capiteln überlassen sein, die geistliche Belehnung mit Ringund Stab durch den Papst, die der Temporalien durch das Wcepier vcni Kaiser ge-schehen solle. Dem Kaiser wurde auch vorbehalten, selbst oder durch CommissarienWahlen und Weihungen beizuwohnen, und bei Verschiedenheit der Meinungen diegerechte Parkei zu unterstützen. — Die Kirche ging sonach im Wesentlichen sieg-reich aus d'em Kampfe hervor. Die Päpste bildeten das hierarchische Wvstem, nachwelchem der Kirche, als der, so vom Herrn eingesetzt, die sich mit dem Ediern, Hy-hcrn beschäftigt, der Vorzug vor der weltlichen Macht gebührt, immer mehr aus,Zwei Gestirne, hieß es, waren erschaffen, die Sonne und her Mond, das eine fürden Tag, das andre für die Nacht; das eine die bei weitem höhere kirchliche, dasandre die weltliche Gewalt. Wie die Päpste diesemnach ihre Herrschaft durch Er-presse» von Geld ic. ausübten, dies läßt keine Rechtfertigung zu, Bonifaz VIII,sprach endlich in der berühmten Bulle von 1302, >>>>>ni nnnelioi,. die höchste Ge-walt der Päpste am vollständigsten aus: „Der Papst sei der einzige, von Christusselbst ernannte Hirte aller Völker, der ein doppeltes Wchwert führe, das geistlicheund das weltliche; das letztere werde von Königen und Kriegern nur auf Wink undZulassung des Priesters gebraucht, das weltliche 'Ansehen müsse dem geistlichen un-tergeordnet sein, und Unterwürfigkeit gegen den römischen Stuhl sei eine unerläß-liche Bedingung des ewigen Heils". Indessen eben die Versuche dieses Papstes,Bonifaz VI>>., den letzten Stein zu dem großen Gebäude seiner Verweser hinzuzu-fügen, hatten — man s. Rühü'S „Geschichte des Mittelasiens", S. 311 fg.den Unisturz desselben zur Folge, Bonifaz > ill. fing sein A»tt mit großer Festig-keit an, und er bewies in seinem ganzen Leben einen ebenso großen Muth als Ver-stand. Sei» Streben war unverändert aus die Behauptung der geistigen Herr-schaft über die Völker gerichtet, die ihm von seinen Vorfahren hinterlassen war. Erbefahl den Fürsten , und warf sich zum Schiedsrichter in ihren Streitigkeiten auf.Hierüber kam es zu Weiterungen mir dem König Philipp dem Schönen von Frank-reich , die zu dem nachrheiligsten AuSgange für die Hierarchie führten, Bonifazsprach 1296 in der Bulle tiiei iei, I-sia«,, jeder weltlichen Obrigkeit das Recht ab,die Kirchen zu besteuern. Der König von Frankreich verbot darauf bei schwererStrafe die Ausfuhr des Geldes und aller Kostbarkeiten nach Rom , Bonifazwollte keineswegs den Klerus von aller Theilnahme an den öffentlichen Bedürf-nissen freisprechen, sondern nur eine frühere Verfügung in Kraft erhalten, welcherzufolge die Besteuerung nur von dem Papste ausgehen und verfügt werde» konnte.Der Streit ward verwickelter und heftiger, der König erlaubte sich schon »lynchehöchst bedenkliche Äußerungen über die Anmaßungen des Papstes, ja überhauptüber den Klerus. Die Schritte des Bonifaz machten einen fibeln Eindruck aufdie Franzosen. Zwar suchte er sich dem Könige zu nähern, aber da der Papst sicht-bar nach seiner Überzeugung von der Gerechtigkeit der Sache in dem Wkreite zwi-schen Philipp, dem Grasen von Flandern , und dem Könige von England zum Nach-theil des Erster» entschied, ward die Spannung nur desto größer, Es kam zu einemKampf auf Leben und Tod. Bonifaz, der im Anfang offenbar das Recht für sichhatte, ward in der letzten Zeit nur zu oft über die Grenzen desselben hinausgerissen,und gab dadurch Blößen, die sein gewandter und schlauer Gegner sehr wohl zu be-nutzen wußte, Er hob alle Begünstigungen auf, die er und seine Vorgänger demKönig und dem franz, Klerus ertheilt hatten, und unterwarf das ganze Land Phi-lipps kiner höchst strengen Kritik. Er erklärte endlich, daß es nur Ein Mittel derRettung für ihn gebe: eine gänzliche Reformation seines Hofes und seines Staats.Er schrieb eine Synode aus, die sich damit beschäftigen sollte, und federte den Kö-