Band 
Sechster Band. K bis L.
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Kamntz

Familie Kaunitz. hatte aber darüber langwierige Processe mit demKönigevon Preu-ßen, als Nachfolger i» der tälrafschaft Ostfriesland . Aus dieser Ehe entspränge»19 Kinder, unter welchen Wenzel Anton, der 5. Sohn, geb. zu Wien 1711unter seinen Brudern der juiigste war; er wurde daher dem geistlichen Stande gewidmet iind mit einer Domherrnstelle zu Münster bekleidet. Als aber seine Brüder theils im Felde, theils auf dem Krankenbette gestorben waren, und er dadurchder einzige Stammhalter seines Hauses wurde, '.'erlief; er den geistlichen Standund widmete sich den Staatsgeschäften. Seine geistigen Fähigkeiten, unkerstützidurch einen schonen und starke» Körperbau und große Gewandtheit j„ ollen Gat-tungen von Leibesübungen, entwickelten sich nach Wunsch. Er studirte anfangszu Wien, hierauf zu Leipzig und auch einige Zeit zu Lenden. 1732 trat er seineReisen nach England, Frankreich und Italien an, und 1735 ernannte ihn KaiserKarl VI. zum Reichshofrath und nicht lange darauf zum zweiten kafferl. Commis-sarius am Reichstage zu Regensburg . Als nach dem Tode dieses Kaisers 1740K.'S Amt dadurch aufhörte, begab er sich auf seine Güter in Mähren . Nach demRegierungsantritte der Königin Maria Theresia eröffneten sich ihm glänzende Aus-sichten. Er wurde 1711 nach Rom an den Papst Beneblet XIV. und von da »achFlorenz geschickt, und entledigte sich seiner geheimen Aufträge zum Beisalle d.rge-genseiligen Parteien. Am Ende 1742 ging er als Gesandter nach Turin , um dasVertheidigungsbündniß zwischen Östreich und Sardinien gegen die bourbonischenHöfe desto enger zu knüpfen, welcher Verbindung auch endlich England beilrat.Die Art, wie er diese verschiedene» Auftrage ausgeführt hatte, erregte eine solcheMeinung von seinen Ministertalenten , das; man ihm bald noch wichtigere Ge-schäfte anvertraute. Er wurde 1744 zum östr. Minister am Hofe Herzogs

Karl von Lothringen , des Generalgouverneurs der östr. Niederlaute, ernannt. Dakurz daraufdie Gemahlin desselben, Erzherzogin Maria Anna , starb, so übernahmer, in Abwesenheit des Herzogs, die einstweilige Regierung der östr. Niederlande ,welche damals umso bedenklicher zu führen war, als Frankreich schon den Krieg er-klärt hatte, und die Niederlande den franz. Einfällen am ersten ausgesetzt waren.Im Febr. 1745 ward er zum wirk!, bevollm. Minister daselbst ernannt, und ver-waltete diesen schwierigen Posten zur Zufriedenheit der Niederländer, bis die franz.Waffen vordrangen. Als sich im Febr. 1746 Brüffel den Franzosen ergebenmutzre, erhielt K. für das Gouvernement und die wenigen östr. Truppen einebesondere Eapitulaiion, welche ihnen freien Abzug nach Antwerpen gewährte, vonwo er, als auch diese Stadt sich den Franzosen ergeben mutzte, nach Aachen ging.Hier bat er, seiner geschwächten Gesundheit wegen, die Kaiserin um seine Ent-lassung. Kaum nach Wien zurückgekehrt, erschien K. schon wieder als k. k. Ge-sandter bei dem Friedenscongreffe zu Aachen . Bekanntlich wurde die Unierhand-lung daselbst nur zwischen den Bevollmächtigten von Frankreich , England undHolland gepflogen und so eifrig betrieben, daß die übrige» Minister, und auch K.,ausgeschlossen wurden. Letzterer protestirte daher gegen die Präliminarien undtrat denselben spater als die übrigen Minister bei. In dieser ganzen Unterhandlungerwarb er sich durch seine Geschicklichkeit und Offenheit die Achtung der berschie-denen Gesandten, und legte den Grund zu seinem großen Ruhme als Diplo-mat. Nach dem aachner Frieden wurde K. zum Wirkl. k. k. Conferenz - undStaatsminister ernannt und 1749 mit dem Orden des gold. Vließes belohnt.Dann legte er als Gesandter am franz. Hofe (1750—52) durch sein kluges, ge-winnendes Benehmen den Grund zur Aussöhnung des östr. und franz. Hofes, wo-durch er das Bündniß von 1756 vorbereitete. 1753 zum Hof - und LdiaatS-kanzler und überdies 1756 zum niederländischen und italienischen Kanzler er-nannt, leitete K. nicht nur alle auswärtige Staatsangelegenheiten Östreichs unterMaria Theresia , sondern hatte auch auf die innere Verwaltung den größten Ein-fluß. 1764 wurde er vom Kaiser Franz 1. mit seinen männlichen Nachkommen