Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
147
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Ketzer Keuchhusten 147

Ketzer gibt es nur insofern, als eine sich für rechtgläubig haltende KircheAndersmeinente, die ihr angehören, dafür erklärt. Als das Christenthum in Pa-lästina entstand, war dasselbe in den Augen der Juden eine Ketzerei (Häresie), d. h.eine Abweichung von dem geltenden Lehrbegriffe und Gottesdienste des Iuden-thums!. Seit sich aber das Christenthum förmlich von ihm trennte, sich auch un-ter den Heiden Bekennet- sammelte und seinen vom Judenlhuin wesentlich verschie-denen Grundcharakter durch ein eignes Kirchenlhum geltend zu machen anfing,konnten weder die Christen von den Juden, noch die Juten von den Christen mehrKetzer (Häretiker) genannt werden; ebenso wenig sind Heiden und Mohammedanerin deni Augen der Christen Ketzer, sondern Ungläubige, die keiner Abweichung vomrechtgläubigen Christenthume, das sie nicht angenommen hatten, beschuldigt werdenkönnen. Aber in der Christenheit selbst entstand der Gegensatz zwischen den Recht-gläubigen und Ketzern, sobald die Richtung der Kirche zur Einheit des Glaubensund znr Alleinherrschaft gewisser durch Übereinkunft derMehrzahl für rechtgläubigerklären- Lehrsätze und Gebrauche bei den woi »führenden Lehrern zum Bewußtseinkam. Der Streit über solche Lehrsätze und Gebräuche führte zur Berkeherung derunterliegenden Gegenpartei. Die Häresiarchen (Anführer andersdenkenderParteien) wurden mit ibren Anhängern vor der Erhebung des Christenthums zurStaarsreligion nur mit Ausschließung aus der Kirchengemcinschaft, seit Konstan-tin d. Gr. aber von der weltlichen Macht, außer dem Banne, den die Bischöfe ver-hängten, auch mit der Verbannung, deni Verbrennen ihrerBücher und dem Ver-luste ihrer bürgerlichen Rechte bestraft. Das erste Beispiel einer Lcbensstrafe ge-gen Ketzer gaben auf der Svnode zu Trier 385 spanische Bischöfe durch die Derur-thcilung PriScillian'S zum Tote. Die bis zur Einführung der Inquisition denBischöfen überlassenen Ketzergerichte konnten nur unter Mitwirkung VerweltlichenMacht LebenSsirafen über Ketzer verhängen; seit dem Anfange des 13. Jahrh,wurden aber fast in allen Ländern der Christenheit eigne Ketzermeister mit unum-schränkter Vollmacht bestellt, die sich durch zahllose Gütereinziehungen und Hin-richtungen furchtbar machten. Die Krcuzzüge, die Simon von Montfort umdiese Zeit gegen die Albigenser (s. d.) anführte, waren offenbar ein bürgerlicherKrieg zur Vernichtung der Ketzer. Frankreich, Spanien und Italien wurden vom13. bis inS 16. Jahrh, durch Keherversolgungen verheert, und ersteres noch im 17.Jahrh, durch die Beichtväter Ludwigs Xl V. seiner fleißigsten Einwohner beraubt.Seit dem 11. Jahrh., wo eine unter dem Namen Katharer oderGazarer be-sonders in der Gazarei (Krim ) herrschende Lekte nach Westen vordrang, scheintdurch diese Gazarer der Ausdruck Ketzer zur Bezeichnung von Christen, die vomallgemeinen Kirchenglauben abweichen, unter den Deutschen in Gebrauch gekom-men zu sein. Auch in Deutschland trieben Ketzermeister, deren erster, Konrad vonMarburg, von 1214—33 am Rheine wüthete, von Zeit zu Zeit ihr Wesen; dochkonnte hier, wenn auch die unpolitische Schwärmerei einiger deutschen Fürsten sichbisweilen Hinrichtungen und noch öfter Verbrennungen AnderSmeinender erlaubte,die Derketzerungssucht nie so weit um sich greifen als in den Staaten von West-und Südeuropa , und die Aufklärung neuerer Zeiten hat, indem sie den religiösenWerth des Menschen mehr nach feinem Wandel als nach seinen Meinungen schä-tzen lehrte, in und außer Deutschland Grundsätze der Duldung verbreitet, die auchden Ketzerhaß, den die Lehre des Katholicismus athmet, entwaffnen und Glau-bensgenossen jeder Art an gegenseitige Verträglichkeit gewöhnen mußten. (Dgl.Häresis.) L.

Keuchhusten, eine Krankheit, die eigentlich zwar dem Kindesalter ange-hört, jedoch zuweilen auch Erwachsene überfällt. Der echte Keuchhusten bestehtaus heftigen, öfters hinter einander ununterbrochen folgenden Ausathmungen,gleichsam kleinen Lungenconvulsionen, die endlich, wenn die Lungen beinahe luftleer

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