Band 
Sechster Band. K bis L.
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Kiow Kirche

Genuß aller seiner Güter zu; nach ihrem Tode fiel die Erbschaft an einen jünger»Neffen des Verstorb., mit Ausschließung eines ältern. Daher suchte dieser die letzteEke seines Oheims für ungültig zu erklären. Während die verwitw. Herzogin eineReise nach Italien machte, klagte er sie der Bigamie an. Sobald sie in Rom Nach-richt hiervon bekam, flog sie zu ihrem Banquier IenkinS, sehte ihm eine Pistole aufdie Brust und nöthigte ihn zur Auslieferung der ihm anvertrauten Papiere. Beiihrer Rückkunft in England verbürgten sich der Herzog v.Newcastle, der Lord MontStuark und Glover für sie. Ihr Proceß, der vor dem Oberhausc geführt wurde, be-gann am 15. April 1116 und dauerte 5 Tage. Die Herzogin wurde verurtheilt;allein sie wich der Strafe, mit einem glühenden Eisen in die Hand gebrannt zu wer-den, dadurch aus, daß es ihr gelang, ein Privilegium, welches den hohen Adel vondieser Strafe ausnimmt, gellend zu machen. Sie hieß nun Gräfin v. Bristol ; al-lein das Testament des Herzogs v. Kingston blieb gültig, und sie selbst im Genusseseines Vermögens. Jetzt wollten ihre Feinde sie für eine Verschwenderin erklärenund in der Provinz unter Aufsicht stellen lassen; allein sie rettete sich übers Meernach Calais. Seit der Zeit lebte sie bald in Rom, bald in Petersburg , immer aufeinem glänzenden Fuß, und ihre Liebenswürdigkeit fesselte alle Herzen. Endlich be-gab sie sich nach Frankreich, wo sie das Schloß zu Lt.-Assise bei Fontainebleau kaufte. Hier starb sie den 28. Aug. 1188.

K i o w (Kiew), Hauptstadt der Ukraine (s. d.).

K >!' H e wird zuerst die Gesammtheit der Bekenner des Christenthums ge-nannt, nnvieferii sie eine moralisch-religiöse, d. h. eine Gesellschaft ausmachen, de-ren Zweck es ist, sittliche und religiöse Bildung und Belehrung unter ihren Mitglie-dern zu befördern. Der Lüfter der Kirche in diesem Sinne war Jesus Christus .Denn obgleich seine Bekenner erst nach seinem Tode von der Gemeinschaft der Syn-agoge sich trennten und in eine besondere Gesellschaft zusammentraten, so hatte erdoch durch seine eigenthümliche, von dem Judaismus wesentlich verschiedene Lehrelind durch die Schüler und Freunde, die er um sich versammelte, den Grund zu einersolchen Vereinigung gelegt, und da er seinen Jüngern bei seinem Abschiede von derWelt den Auftrag gab, auszugehen in alle Welt und die Heiden zu lehren, und2 Religionshandlungen anordnete, welche Unterscheidungsmerkmale seiner Be-kenner sei» sollten, so läßt sich nicht bezweifeln, daß die Stiftung der Kirche in sei-nem Plane lag. Eine die christliche Kirche vorbereitende religiös-politische Anstaltwar das Iudenthum, von welchem aber die christliche Kirche sich dadurch wesentlichunterscheidet, daß sie theils keine politische, sondern bloß eine religiös-moralischeRichtung hat, theils nicht auf ein Volk sich beschränkt, sondern von ganz allgemeinerBestimmung ist. Die Entstehung der Kirche, ihre allmälige Ausbreitung, ihr inverschiedenen Zeiten verschiedenes Verhältniß zu dem Staate, die Ausbildung ihrerGesellschastSvcrsassnng, sowie die Umänderungen, welche in ihren Lehren und Ge-bräuchen erfolgt sind, beschreibt die Kirchengeschichte. Nicht immer aber wird dasWort Kirche von der Gesammtheit der Bekenner des Christenthums gebraucht.Oft hat dieses Wort eine engere Bedeutung und bezeichnet einen Theil der Christen-heit, welcher sich durch eigenthümliche Lehren, Verfassungen und Gebräuche von an-dern Christen unterscheidet. Seit dem 11. Jahrh, trennten sich die griechischen odermorgenländischen Christen von den lateinischen oder abendländischen, und es ent-stand dadurch der Unterschied zwischen der griech. Kirche, deren Oberhaupt der Pa-triarch von Konstantinopel war, und der lateinischen, an deren Spitze der römischeBischof stand. Im 16. Jahrh, erfolgte durch die Reformation eine Trennung derabendländischen Christenheit, indem ein Theil derselben von der Verbindung niitdem rom. Bischöfe sich losriß und einen neuen Lehrbegriff annahm, der andre aberin dieser Verbindung beharrte und die Lehren, welche bis dahin gegolten hatten, zubekennen fortfuhr. So entstand der Unterschied zwischen der katholischen und pro-Cviwersativns-Lexikon. Bd. VI. 11