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Kirchenstaat
selten oder nie die Zustimmung der Römer und Deutschen erhielte», so entstanddaraus die Wahl mehrer Gegenpäpste, in deren Kämpfen mit einander weder derKirche noch des Staates Bestes befördert wurde. Die Rückkehr der Päpste nachRom war, obgleich die deutschen Kirchenvcrsammlungen oft eine nachdrücklicheSprache führten, der Vergrößerung der päpstl. Besitzungen sehr Vortheilhaft. Ju-lius ll. brachte 1513 den Staat von Bologna und 1532 Ancona an sich. DieVenctianer mußten Ravenna abtreten; Ferrara wurde 1598 der modenesischenErbschaft entrissen, und Urbino von seinem letzten Herzoge, Franz Maria, aus demHause Rovere, 162k dem päpstl. Stuhle vermacht. Indeß verloren die Päpste ei-nen großen Theil ihres weltlichen und geistlichen Einflusses, wozu schon der großeFortgang der Reformation, von 151? an, den Grund gelegt hatte. Zwar stellteSixtuS V. weise Verwaltung gegen das Ende des 16. Jahrh, die innere Ordnungwieder her, aber die Verschwendung und der Nepotismus der folgenden Päpste er-zeugten neue Übel. Clemens XIV. sah sich genöthigt, 1??3 den Jesuitenordenaufzuheben. In neuern Zeiten hob Neapel 1183 seine alten LehnSverbindlichkeitengegen den päpstl. Stuhl auf, und selbst die Reise PiuS VI. nach Wien konnte 1?82die großen Veränderungen nicht aushalten, welche Joseph II. in den geistl. Ange-legenheiten unternahm. Durch das Waffenglück der Franzosen in Italien sah sichder Papst im Frieden von Tvlentino, 13. Febr. 119?, gezwungen, Avignon anFrankreich, und Romagna, Bologna, Ferrara an die eisalpinische Republik abzu-treten. Ein Aufstand in Rom gegen die Franzosen , 28.Dee. 1797, veranlaßte ani10. Febr. 1798 die Einnahme Roms und die Erklärung des Kirchenstaats zurrömischen Republik. PiuS VI. starb in Frankreich . Die Siege d»r Russen und Ost-reicher in Italien begünstigten die Papstwahl PiuS VII. , 11. März 1800, welcherunter dem Schutze der östreich. Waffen von Rom wieder Besitz nahn,. Durch dasConcordat, welches er 1801 mit dem ersten Consul derfranz. Republik abschloß,ging dem päpstl. Stuhl abermals ein großer Theil seiner noch übrigen weltlichenMacht verloren. Aber 1807 erfolgten an den heil. Vater neue Zumuthungen undFederungen, den (^osto X-,,>oIe»,> einzuführen und England feierlich den Krieg zuerklären. Der Papst weigerte sich. Darauf wurde ihm ani 3. April erklärt, daßFrankreich mit dem Papste im Kriege sei, und die Provinzen Ancona , Ilrbino, Ma-ceraka und Camerino wurden dem Königreiche Italien einverleibt; dem Papsteblieb nur der Kirchenstaat jenseits der Apenninen. (M. s. die Corresp. Pius V ll.niitNapoleon in Stäudlin's„Kirchenhistor. Archiv", I.Bd., 1815.) Den 2. Febr.1808 rückte ein franz. Co>'ps von 8000 M. in Rom ein, der Rest des Kirchenstaatswurde zu Frankreich geschlagen, und dem Papste, dessen geistl. Hoheit fortdauernsollte, 2 Mill. Franken jährl. angewiesen. Ein Decret vom 17. Mai 1809 ver-nichtete endlich den Kirchenstaat ganz. Der Papst mußte seinen Aufenthalt inFrankreich wählen, bis ihm die Ereignisse des 1.1814 erlaubten, am 24. Maid. I. von dem Kirchenstaate wieder Besitz zu nehmen. Seitdem habenPiuS VII.(s. d.), Leo XII. (vom 27. Sept. 1823 bis 10. Febr. 1829) und sein NachfolgerPius VIII. , das päpstl. Ansehen nach Außen wie im Innern herzustellen und zubefestigen gewußt, ohne jedoch die Plane der sogen, apostolischen Partei im Aus-lande zu unterstützen. Gegen den Carbonarismus im Innern mußten noch 1829strenge Maßregeln genommen werden.
Der Kirchenstaat (8l-,tc> stell.-, tAiier.-,), 811 IHM., mit 2.480,000 Einw.in 90 Städten. 206 Mfl. und 3863 Dörfern und Weilern, liegt mitten in Italien zwischen der Lombardei, Toscana, Neapel und dem toscan. und adriat, Meere. DieApenninen (Nomina 6800 F., Belino 7872 F. hoch) ziehen sich durch das Landvon NW. nach Außer dem Po. der die Nordgrenze berührt und mit seinenArmen die Sümpfe von Commaccbio bildet, gibt es nur Küstenflüsse; der größtedavon ist die von Perugia an schiffbare Tiber (s. d.). (Über die Ponlinischen