Kirchcnvcrsainmlung Kircher 115
dem Unterricht und der Erbauung des Volks; sie sind daber entweder apologeti-schen, oder exegetischen, dogmatischen, moralischen, bistorischen, polemischen, oderendlich oscetisichen Inhalts. Die Kirchenväker theilen sich in die griechischen und indie lateinischen. Die berühmtesten unter den griechischen sind: Clemens vonAlexandrien, welcher zuerst über das Christenthum phüosophirte; OrigeneS , aus-gezeichnet als Apologet, Exeget und Homilet; EusebiuS, welcher die erste Geschichteder christl. Kirche schrieb; Akhanasius, welcher auf die Bildung des LehrbegriffS ent-schiedenen Einfluß hatte, und ChrysostomuS , der bewandertste Kanzelredner der al-ten Kirche. Die merkwürdigsten lateinischen Kirchenvater sind: Tertullian ,einer der originellsten Schriftsteller; Augustin , ebenfalls ein Mann von eigenthüm-lichem Geiste, das Ärakel der abendländischen Kirche; AmbrostuS. der sich als Kan-zelredner auszeichnete, und HieronvmuS, der zwar viel Gelehrsamkeit besaß und be-sonders ein glücklicher Erklärer der heiligen Schriften war, aber auch den Fortgangdes Aberglaubens, namentlich die Bewunderung des ehelosen Lebens und die Ent-sagung der Welt, in den Abendländern beförderte. !b.
Kirchenversammlung, s. Concilium.
Kirchenzucht begreift die Zwangsanstalten, durch welche eine kirchlicheGesellschaft das Ansehen ihrer Gesetze aufrecht erhält. Sie wird auch kirchlicheDisciplin oder Kirchendisciplin, kirchliche Polizei genannt. Über die Rechtmäßig-keit der Kirchenzuchl und die Grenzen derselben s. Kirchenstrafen.
Kircher (AthanasiuS), geb. den 2. Mai 1601 zu Geiß im Fuldaischen. seit1618 Jesuit, einer der größten und thätigsten Gelehrten seiner Zeit, welcher Ma-thematik, Physik, Naturgeschichte, alte Sprachkunde und Philosophie mit gleicherLiebe und Einsicht umfaßte. Er war Pros. der Mathematik, der Weltweisheit undder oriental. Sprachen zu Würzburg, als die Waffen der Schweden die Ruhe,welche er daselbst genoß, unterbrachen. Er begab sich daher nach Avignon , wo ermehre Jahre lang bei den reichen Jesuiten seinen Studien oblag. Er wollte ebennach Deutschland zurückkehren, als der Papst ihn nach Rom berief, wo er an»0>ll. liomaiio Mathematik lehrte und sich, in der Folge ohne Lehramt, mit demStudium der Hieroglyphen u. a. archäologischen Gegenständen beschäftigte. Er-starb daselbst 1680 in einem Alter von 19 I. Wir nennen von s. vielen Werkeneinige der berühmtesten: „4,« ,r,I„c-i§ et »„>I,ra--" (Rom 1646, 2 Bde.,Fol.); „>1u!i»r^i.-, Ii»ice,i!i>i!i" (1650, 2 Bde., Fol.), worin K. schon die Äols-harfe beschreibt; „Occlipu, ix-^vpiineug" lRom 1652—55, 4 Bde., Fol.). Diesletztere seltene Werk enthält die Erklärung einer großen Anzahl von Hieroglyphen,wie man sie von einem Gelehrten erwarten konnte, der voll sonderbarer Grillen undabenteuerlicher Vermuthungen war. In diesem Werke, sowie in s. „Ormlrmnusk-n>>tiuch (Rom 1636, 4.) und s. „I.iuptU.i acxvpliao» reslilut»" (Rom 1644,4.), stellte er Forschungen über die koptische Sprache an. ,chluii<I»!> üi'bik-rr-,-nen-i" (Amsterd. 1618, 2 Bde., Fol.); „Llüna illustrata" (Amsterd. 1661, Fol.);„0»lvA>Lpl>>:,, reu ai tiliciuru liu^uai um, guueum ouiiüluis totiur muiilli z,o-ziulis polerit guir corrcrpcuulcre" (1668, Fol.); „l.atiuin, i<I ert unva ck>!»IIeIa I.nlii. luui veterir. tum novi, ilereriptio" (1611, Fol.), ein sehr gelehrtesWerk, das viele Nachforschungen gekostet hat. K. hinterließ ein Antiquitäten- undModellcabinet, welches von Buonanni (Rom 1109, Fol.) beschrieben worden ist.Er wird mit Recht für einen der ausgezeichnetsten Gelehrten seiner Zeit, sowie füreinen der fruchtbarsten Schriftsteller der Gesellschaft Jesu gehalten. Über Philo-sophie, Mathematik, Physik, Mechanik, Kosmoqraphie, Naturgeschichte, Philologie,Geschichte und Alterthumskunde schrieb er mit Geist und Gründlichkeit, jedoch frei-lich nicht ohne gelehrte Sonderbarkeiten und Ausschweifungen, daher manche seinerSchriften jetzt nur noch als Curiositäken gelten. Am geschätztesten sind seineWerke über die Alterthumskunde, von welchen wir jedoch s. „lurris Label", so»