Band 
Sechster Band. K bis L.
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Klinik

§88

bei ihrem Ursprünge mehr zur Ausübung der frommen Wohlthätigkeit der Christenals zur Vervollkommnung der Medicin. Die schule von Alcpandria war damalsso berühmt, das, wie Ammianns Marcellinus sagt, ihre fleißige Besuchung alleRechte zur Ausübung der Arzneikunde gab. Eine andre alte, zwar nimder be-kannte, aber sehr blühende Schule war zu Nisapur in Persien . Die Hospitälerdaselbst waren schon vor den Zeiten der Araber, denen man gewöhnlich diese glück-liche Idee zuschreibt, mit den medicinischen Schulen in Verbindung gebracht.Diese vom Kaiser Aurelian gestisteteSchule bestand auü griechischen Ärzten, welchedie Lehre des Hippokrates im ganzen Oriente wieder erweckten; sieerhieltsich mehreJahrhunderte, und in ihr bildeten sich ohne Zweifel RhazeS , Ali-Abbas, Aviccnnaund die berühmtesten arabischen Ärzte. Um dieselbe Zeit stand der berühmte Jo-hannes Mesue aus Damaskus dem Hospitale zu Bagdad vor. Man weiß nichtsvon der Methode, welche in demselben befolgt wurde; aber man darf keine hohenBegriffe von dein Unterrichte zu einer Zeit haben, wo man ncch allen Träumereiender arabischen Polvpharmacie anhing. Die Medicin theilte in jener barbarischenPeriode das Schicksal der übrigen Naturwissenschaften. Man dachte nicht daran,nach dem Vorbilde der Griechen sich langsam, aber gründlich in einem großen Ver-eine von Kranken zu belehren. Die Gründung der Universitäten schien geeignet,die Studien, besonders in Spanien , wiederherzust-llen, und eben zur Zeit derAraber besaßen Sevilla , Toledo, Cordova berühmte Schulen und Hospitäler, wojunge Ärzte sich bildeten. Aber die klinischen Studien wurden fast ganz vernach-lässigt. Statt die Geschichte der Krankheiten mit Eifer zu stutircn und zu ergrün-den, schwatzte man über die unnützesten Dinge. Nicht ersprießlicher waren dieReisen, die man in dersilben Absiebt im 12. oder 13. Jahrh. nach Italien undFrankreich machte. Vorzüglich besuchte man die Schulen von Montpellier undParis , wo der Unterricht in der Medicin sich auf einfache Vorlesungen und ewigeCommentationen der dunkelsten Gegenstände beschränkte. Selbst als man zuEnte des 15. Jahrh, die Werke der alten griechischen Ärzte zu drucken anfing, fuhrman fort, sich mit Erklärungen und Woristreiten zu beschäftigen. Es verflossennoch 2 Jahrhunderte bis zur Wiederherstellung der klinischen Studien. Als dieBegründer derselben in Holland nennt man Wilhelm von Straten, Otho Heur-niuS, SvlviuS, gegen die Mitte des 17. Jahrh. Auch rühmt man von den schu-len zu Hamburg, Wien und Strasburg , um diese Zeit klinische Institute errichtetzu haben. Boerhaave selbst, der 1714 den klinischen Unterricht des Lhlvius zuLenden fortsetzte, bat von den Tagebüchern seiner Beobachtungen keine Rechen-schaft gegeben, und sich daraus beschränkt, in sehr merkwürdigen akademischen Re-den allg.meine Grundsätze der Medicin aufzustellen. Der Einfluß dieser berühmtenSchule wurde zunächst in Edinburg und spätcr in Wien bemerkbar: zwei Schulen,deren Ruf in der Klinik bald Leyden, ihre gemeinschaftliche Mutter, verdunkelte.Einer der berühmtesten Lehrer der praktischen Arzneikunde z» Edinburg , Cullen,hing zu sehr an den spitzfindigen Theorien über den kranken Organismus und dieEntwickelung der nächsten Ursachen der Krankheiten, als daß er in seinen Vorlesun-gen eine strenge Methode hätte befolgen und die genaue Geschichte der in den Kran-kenstuben von ihrem Anfange bis zu ihrem Ende beobachteten Krankheiten zurBasis nehmen können. Wag im Laufe des 18. Jahrh, in Italien, Deutschland und Frankreich für klinische Institute geschah, beweist einerseits, daß man ihreWichtigkeit immer mehr und immer allgemeiner einzusehen anfing, andrerseits,mit welchen Schwierigkeiten die Einrichtung solcher Änsialte» verbunden ist. Wirgehen sogleich aus die wiener Schule über, die durck van Swicten, de Haen undbesonders durch Stoll ein Muster des klinischen Unterrichts wurde, indem manöffentliche Vorlesungen in den Hospitälern selbst hielt und zur Einfachheit der grie-chischen Arzneikunde zurückkehrte. Die Ausübung der Medicin in den Hospitä-

Eonversations-Lexico«. Bd. VI.