Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
245
JPEG-Download
 

2l5

Kopf

hart sich am schönsten in dem Sendschreiben, womit er dem Papste sein Werk zusen-det, und worin der deutsche Domherr sogar ein wenig philosophisch mit Sr. Heiligkeitüber dasWeltgebäude redet. Lichtenberg hielt die Zuschrift an den Papst für einMeisterstück des Skyls und männlicher Bedachlsamkcit. Benzenberg hat ste in derGeschichte der Kopernicanifchen Weltordnung (,,Versuche üb. die Umdrehung derErde ") ganz ins Deutsche übertragen. Dagegen ward vomVatican der BannstrahlaufK. geschleudert, und erst 218 Jahre nach Erscheinung des Werks ron K.(I821)hob die xäpstl. Curie in Rom das Verdammungsurthcil auf. — Übersehen wir denvon K. durchlaufenen Weg, so finden wir: Der Glaube, daß dieErde ruhe, warvöllig allgemein. Die von den größten Astronomen verworfene Idee von der Bewe-gung derErte nimmt K., der Domherr des 16. Jahrh., in Schuh. Er verfolgtesie mit unermüdeier Sorgfalt, nicht ein paar Jahre hindurch, sondern durch diegrößte Halste seines Lebens; er verglich sie immerfort mit dem Himmel— bestätigtesie endlich und wurde so der Stifter eines neuen Systems in der Astronomie. Allesdies leistete er, was man nie vergessen muß, 100 Jahre vor Erfindung der Fernglä-ser, mit elenden hölzernen Werkzeugen, die oft nur mitDintenstrichen getheilt wa-ren. K. entwickelt sein System in s. dem Papste Paul ll>. zugeeigneten unsterbli-chen Werke „l)s »rlnuiii soelsi-tinni isvoluliniiibiiii liliil ^ I" (Nürnb. 1613,Fol.; spätere AuSg., Basel 1666 und Amsterdam 1611). Außer diesem Haupt-werke besitzen wir von K. eine „,1.<>ir>in„i„n> in>l.i»r.,ill" in 6 Büchern, und einBuch Iat,', il>u> > I a„^-n!i-i tri.in^nl,» II,»". Jenes Hauptwerk war schon um1630 vollendet; der Vf. entschloß sich abererstauf wiederholte Einladung desCar-dinals v. Schomberg, Bischofs von Padua , und Andrer, unter deiien sich Rkäticusder Sache am thätigsten annahm, zur Herausgabe. Da derDruck aber erst am 21.Pchi 1613 vollendet wurde, so überlebte K. die Freude, es in den Händen der Weltzu wissen, nur um wenige Tage. (Vgl. lll>.»->ioi „Virr.iiiu ,ls l,1»is rsvnl. ,is>i. tä^»u ,,i< Danzig 1616, 1.) Er stellt die Sache darin nur als eine Hvpo-these dar, welche die Phänomene auf eine leichtere und ungezwungene Art erklärt,wozu ihn die damals vorherrschenden Begriffe zwangen; aber die Einsicht desBuchsselbst ;eigr, mit welcher innigen Überzeugung K. seine Weltordnung für die einzigmögliche erkannt habe. — K.'S Leben hat, außer Lichtenberg, beschrieben Gasseudi:,,1 lia IS. 1 ,I>PSI IIIi'i. .1 >iui'-,!Nl l»n;iien<Ii Vita I vsli. Oralxi" (Haag 1662, 1.).Auch vgl. nian Adam's „Vitas l'liil. 11s, II, an.", S. 26. Auch II. Westphal (derÜbers. von Piazzi's „Astrononiie") hat das Leben des Nie. Kopernicus (Konstanz 1822) gut dargestellt. GrafSierakowskihat ihm in terSt. -Annenküchezu Krakanein würdiges Denknial errichtet mit der aus der Bibel gewählten Inschrift: ,>>,»5c>1. III- niovears!" AufKosten der k. warschauer Ges. der Freunde der Miss.ward K.'S Standbild, von Thorwaldsen modellirt und von Joh. Gregoire in War-schau gegossen, daselbst 1829 aufgerichtet.

K opf (physisch), derjenige Theil des thierischen und menschlichen Körpers,welcher den Mittelpunkt des N>rvensystems , dar Gehirn, in sich enthalt und dievorzüglichsten LMneSwerkzcuge an sich trägt. Der Kopf des Menschen weicht invielen Stücken von dem der Thiere ab und zeigt den Vorzug des Menschen in Hin-sicht seiner äußern Bildung. Der Mensch trägt den Kopf aufwärts; bei den Thie-ren sieht er horizontal oder gar unterwärts; der vordere, glatt heruntergehendeTheil bildet das Gesicht, mit vollkommen und schön ausgebildeten Theilen; beidenThieren sind die Knochen der Kinnladen mehr oder weniger hervorstehend und ver-längert. Nur der obere und Hintere Theil des Kopses des Menschen ist mit Haarenbewachsen, der vordere und die beiden Seiteniheile sind größtenthcils glatt undsymmetrisch geordnet. Das Knochengebaude des Kopfes besteht aus 8 einzelnenKnochen, die aber so fest ineinandergefügt sind, daß sie alle aus einem Stucke zusein scheinen und den Schädel ausmachen. (S. Schädel.) Das Gesicht selbst