Band 
Sechster Band. K bis L.
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Kotschubey Koßebue (Aiugust von) 275

welcher im Jan. 1803 stattfand, ging das schnelle schmelzen der Schneedecke desBerges voran. 20 Jahre hindurch war dem Krater »weder Rauch noch Dunst ent-,stiege», und in einer einzigen Nacht ward das unterirdische Feuer so thätig, daß beiTagesanbruch die Außenwände des Kegels von den Flammen erhitzt, nackend undin einer sonderbar dunkeln Farbe sich zeigten. Der geschmolzene Schnee stürztesich in gewaltigen Strömen in die benachbarten Thäler und verbreitete weit und breitVerwüstung und Tod. Humboldt, der sich damals gerade zu Guayagml, wenig-.stenS 10 deutsche Meilen in gerader Linie vom Fuße des Berges entfernt, aufhielt,versichert, das Getöse des Vulkans bei Tag und Nacht, einem ununterbrochenenArtilleriefeuer ähnlich, vernommen zu haben.

Kots chubey (Vicror, Grafv.), rufs.StaatSminister und Wirkl. Gehen-merath, geb. um 1710, stammt aus einer alten adeligen Familie. 1793 sandleihn Katharina II. als Gesandten nach Konstantinopel. Als Paul I. die Regierungantrat, ward er zum Vicekanzler undWtaatssecrctair im Deport, der auswärt. Ange-,leg. ernannt, später fiel er bei Paul in Ungnade und ward von den Geschäftenentfernt. Beim Regierungsantritt Alexanders erhielt K. eine Zeit lang die Leitungder auswärt. Angeleg. und bald darauf die Verwaltung des Ministeriums des In-nern. Da er sich aber gegen die Allianz Rußlands mit Frankreich und gegen das inFolge des tilsiter Friedens angenommene Continentalsystem erklärte, so verlor erabermals seine Stelle und trat erst 1812 wieder in öffentl. Geschäfte» auf. Seit-dem ist Graf K. beständig Mitglied der Regier,ingseommisston gewesen, welchewährend der Abwesenheiten des Kaisers Alexander aus deni Reiche die Geschäfte lei-tete. Wegen Kränklichkeit bat er öfter um s. Entlassung. Im Dec. 1823 ersetzteihn stellvertretend der Wirk!. Geheimerath LanSkoy. Endlich erhielt Graf K. imMärz 1825 die gebotene Entlassung, und LanSkoy trat an seine Stelle. Graf K.blieb »och Mitglied des Reichsrarhs. Im Sommer 1826 kehrte er aus Deutsch-land nach St.-Petersburg zurück und wurde am 17. Dec. 1828 zum Präsidentendes Reichsraches und des Minister-CommitteeS ernannt.

K o t t u s, s. Centimanen.

Kotzebue (August Friedrich Ferdinand v.), geb. den 3. Mai 1761 zu Wei-mar , wo sein Vater, den er in der Kindheit verlor, herzogl. Legationsrath war.Durch Lebhaftigkeit und Gefühl zeichnete er sich schon als Kind aus, und noch nicht6 Jahr alt, wagte er die ersten poetischen Versuche. Seine Neigung zur -iLchau-spielkunst wurde durch die Schauspielertruppe in Weimar , bei welcher sich die Fa-milien Seiler, Brandes, Böckh und Eckhof befanden, geweckt. K. besuchte dasGymnasium, wo MuHuS, nachmals sein Oheim, durch Unterricht und Beispielvorzüglich auf ihn wirkte. Noch nicht 16 J.alt, ging er auf die Universität Jena,wo fein Hang für die iLchauspielkunst in einem Liebhabertheater neue Nahrungfand. Aus Liebe zu s. Schwester, die sich nach Duisburg verheiratkete, ging erauf diese Universität, von wo er 1779 nach Jena zurückkehrte und sich den Rechts-wissenschaften widmete, ohne darum aufzuhören, für das Theater Mancherlei zudichten. Ein kleines Lustspiel: „Die Weiber nach der Mode", hatte einige komi-sche Züge. Hierauf wurde er examinirt und Advocat. Jetzt versuchte er, was erbereits mit Wieland, Gökhe, Hermes und Brandes gethan, auch Musäue nachzu-ahmen, wovon sein „Ich", eine Geschichte in Fragmenten, den Beweis liefert.Zu Leipzig ließ er ein Bändchen Erzählungen drucken, ging 1781 aus Veranlas-sung des preuß. Gesandten am russ. Hofe, Grafen Görz, nach Petersburg undward. durch denselben enipfohlen, Secretair bei dem Generalgvuverneur von Bawr.Als dieser die Direction des deutschen Theaters erhielt, so kam K. hier in kein Ele-ment. Nach 2 Jahren aber starb Bawr. Da er Koßebue dem Schutze der Kai-serin empfohlen hatte, so wurde dieser zum Titularrach ernannt und 1783 alsAssefor des Oberappellationsrribunals in Reval angestellt. 1785 ward er Präsi-

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