Kreinnitz Kretschmann 289
schloß. Er ist mit dreifachen, dicken Mauern und einem tiefen Graben umgeben,auch mit Geschütz versehen. In dem Kreml befinden sich, außer zwei Kloster», vielesteinerne Kirche», insonderheit die Kathedralkirche, in welcher die kaiserl. Krönunggeschieht. Zu der Kirche zum Erzengel Michael ist das Begräbniß der russischenMonarchen, und hinter derselben das Haus des ehemaligen Patriarchen, in wel-chem sich jetzt die geistliche Synode versammelt, und eine an griechischen und russi-schen Handschriften reiche Bibliothek vorhanden ist. Im Schlosse haben die kai-serlichen Eollegien ihren L itz; auch befindet sich das Zeughaus in demselben. Alsim Sept. 1812 bei dem Vordringen des französ. Heeres die Stadt von den russi-schen Behörden freiwillig angezündet und den Flammen preisgegeben wurde,brannte ein Theil des Kremls mit ab; bei der Räumung Moskaus sollte Mar-schall Monier, auf Napoleons Befehl, den Kreml sprengen. Alexander hat den-selben wiederhergestellt.
Kremni tz, königl. freie- und erste Dergstadt, mit 9700 Einw., in derbarscher Gespannschaft in Nieterungarn, liegt in einem mit Berge» umgebenenThale und hat vortreffliche Gold- und Silberbergwerke, Goldkunsthandlungen ge-nannt. Von ihr haben die kremnitzer Dukaten den Namen: man kennt sie an denBuchstaben X. 0. (Xoinioa?. Donva. kremnitzer Bergwerke), zwischen welchendas Bild des Regenten im Ornate steht. Viel Gold und Silber aus den ungari-schen Bergwerken wird in Wien gemünzt. Hier ist ein königl. Gymnasium.
Krericus, s. Rhythmus.
Kretinen (Fexe; doch kommt das Wort von lweiln.-i. welches in derromanischen Sprache, die bei Ilanz und in dem an GlaruS grenzende» Theile vonGraubündken gesprochen wird, ein elendes Geschöpf heißt), eine eigne Menschen-art, die sich durch Mißgestalt des Körpers und Geistesschwache auszeichnet. S ie ha-ben nämlich einen dicken, unförmlichen, oben platten Kopf, plumpe, grobe Ge-sichtszüge, schlaffe Muskeln an Backen, Handen und Füßen, rökhliche Augen ohneGeist und ohne den geringsten Ausdruck, einen großen Kröpf, der nicht selten bisüber die Brust herabhangt. Sie sind fuhllos und keiner höher» Bildung fähig,dabei äußerst trag, unreinlich und gefräßig. In den Thälern des WalliserlandeS,der Schweiz und Savovens kommen sie am häufigste» vor. Sie machen wol auf1000 Familien aus und pflanzen meistens den Kretinismus (so nennt,mandiese krankhafte Verunstaltung) unter sich fort; doch können auch gesunder ÄlternKinder Kretinen werden. Manche Menschen in den dortigen Gegenden haltendie Kretinen für heilig und verehren sie aus Aberglauben. Man schreibt die Entste-hung des Kretinismus der ungesunden, feuchten und eingeschlossenen Luft der tiefenThäler, dem unreinen, mit vielen erdigen und andern fremdartigen Theilen verse-henen Wasser, der Unreinlichke-.r der Straßen, der Trägheit, dem Schmutz unddem Mangel an Bildung der Einwohner selbst zu. Das Übel könnte verrinn tertund vielleicht ausgerottet werden, wenn die Heirathen der Kretinen untereinanderverboten würden, anstatt daß der Aberglaube sie hier und da befördert; wenn manKinder, bei denen man einen Ansatz zu der Krankheit bemerkt, in hochliegendenGegenden, in welchen der Kretinismus nicht vorkommt, erziehen ließe; wenn mandie Reinlichkeit, Thätigkeit und Geistesbildung der Bewohner jener Thäler niekrbeförderte. Man verwechsele sie nicht mit den Kakerlaken. Eine sehr guteSchrift darüber ist: „Der Kretinismus; philos. und Medicin, untersucht von 1).August Iphofen" (Dresden 1817, 2 Bde.). II.
Kretscbmann (Karl Friedrich), ein geistvoller Epigrammatist, geb.1788 zu Zittau in der Oberlausih, wo sein Vater Oberamtsadvocat war, erhielt aufdem Gymnasium daselbst die erste wissenschaftliche Bildung, worauf er 1757 dieUniveilität zu Witienberg bezog, um daselbst die Rechte zu studiren. In demselbenEvnversarionj-Lexikon. BL. VI. 19