Band 
Sechster Band. K bis L.
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Kreuzzüge

Brudern im Morgenlande Hülfe zu bringen. Noch größer war die Bewegung,welche er auf der 1086 zu Clermont Veranstaltern Kirchenversammlung, woAbgeordnete aller Nationen zugegen waren, hervorbrachte. Denn er begeistertedie ganze Versammlung so für seinen Plan, daß sie, nachdem er ihr das Elendder morgenländischen Christen geschildert harte, einstimmig ausrief: Gott will es!Noch m demselben Jahre zogen unzählbare Heeresscharen auf verschiedenen We-gen aus. Alan rechnet dies als den ersten Kreuzzug. Viele dieser Scharenaber, welchen alle Kriegszucht mangelte, wurden in den Ländern, durch welche ihrWeg sie führte, aufgerieben, ehe sie noch Konstantinopel , welches man zum allge-meinen Sammelplätze bestimmt hatte, erreichten. Ein wohlgeordnetes, auser-lesenes Heer von 80,000 M. aber führten Gottfried von Bouillon , Her-zog von Niederlothringen, Hugo, der Bruder des KonigS Philipp von Frankreich ,Balduin, Gottfrieds Bruder, Robert von Flandern, Raimund von Toulouse ,Boemund, Tancred von Apulien und andre Helden. Mit diesem Heere zogendie kriegserfahrenen Führer durch Deutschland und Ungarn , setzten über die Meer-enge von Gallipoli, eroberten 1001 Nicäa, 1088 Antiochien und Edessa, undendlich 1099 Jerusalem selbst. Gottfried von Bouillon ward zum Könige vonJerusalem ernannt, starb aber schon 1100. Der Ruf von der Eroberung Jeru-salems entstammte den Elfer aufs Neue; 1102 brach eine Masse von 260,000Menschen aus Europa auf, welche aber theils auf dem Wege, theils durch dasSchwert des Sultans von Koma umkamen. Auch wurden von den Genuesernlind andern schifffahrenden Völkern Seezüge unternommen. Einen zweitengroßen und regelmäßig geleiteten Kreuzzug veranlaßte der Verlust von Edessa, wel-ches die Saracenen 1142 einnahmen. Die Nachricht von diesem Verluste er-regte große Bestürzung in Europa , und man befürchtete, auch die übrigen Be-sitzungen und Jerusalem selbst würden wieder verloren gehen. Darum ermähnteder Papst Eugen III. , unterstützt durch den heil. Bernhard von Clairvauy, denKaiser Konrad III. und den König von Frankreich, Ludwig VII. , das Kreuz zunehmen. Beide Fürsten zogen 1141 mit zahlreichen Heeren aus; ihr Unterneh-men aber hatte keinen glücklichen Erfolg, und sie mußten das Königreich Jeru-salem in einem schwächern Zustande, als sie es gefunden hatten, verlassen. Alsder Sultan Saladin 1181 den Christen Jerusalem wieder entrissen hatte, flammtedie Begeisterung in Europa höher auf als selbst zu Anfange der Kreuzzüge, unddie Beherrscher der drei europäischen Hauptreiche, der Kaiser Friedrich I., PhilippAugust, König von Frankreich, und Richard I. , König von England, entschlossensich, persönlich Heere gegen die Ungläubigen zu fuhren (1189). Man rechnetdies als den dritten Kreuzzug. Friedrichs Unternehmen hatte keinen glückliche»Erfolg; den Königen von Frankreich und England aber gelang eS, Acre oder Pto-lemais zu erobern, welches bis zur völligen Beendigung der Kreuzzüge das Boll-werk der Christen im Oriente blieb. Den vierten Kreuzzug führte der Königvon Ungarn, Andreas II., 1211 zu Wasser an. Dem deutschen Helden Fried-rich II. , welcher 1228 genötkigt war, von dem Papste, der ihn verderben wollte,um ein in seiner Jugend gegebenes Versprechen zu lösen, einen fünften Kreuz-zug zu übernehmen, gelang es, Jerusalem wiederzuerobern, obgleich er sich dendauernden Besitz des Landes nicht zu sichern vermochte. Die Reihe der Helden,welche die Unternehmungen führten, schließt Ludwig der Heilige , König vonFrankreich , aus eine würdige Weise (sechster Kreuzzug von 1248 an), obgleichdas Schicksal seinen mit Klugheit entworfenen und mit Tapferkeit ausgeführtenPlan vereitelte. Noch während Ludwig in Ägypten verweilte (denn in Ägypten ,dem Litze der damal. Beherrscher von Palästina, wollte er das heilige Land erobern),ereignete sich hier eine Revolution, welche für den Besitz des heiligen Landes ent-scheidend war. Saladin's HauS wurde gestürzt, und es bildete sich die Herrschaft