Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
295
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Kriegsbaukunst 295

Anlage, dem Ban und der Einrichtung der Punkte, Orte, Städte, welche zurBefestigung ausgewählt worden sind. In welcher Beziehung der Begriff „fest"und „Befestigung" hier zu nehmen sei, sagt der Art. Festung. Es gehtdaraus hervor, wie die Fortisication eigentlich darauf beruht, der Vertheidigungmöglichste Dauer, erhöhtere Wirksamkeit und schärfere Richtung gegen den An-griff zu verleihen, selbst wenn dessen Kräfte und Mittel weit überlegen seinsollten. Dies muß l) durch Schonung der eignen Kräfte und Mittel erreichtwerden (hierher gehört die Aufsuchung oder Benutzung natürlicher und, inVerbindung mit diesen» der Bau künstlicher DeckungSmittel oder Werke, Ber-schanzungen); 2) durch Hemmen, Aushalten oder Zersplittern der feindlichenKräfte (hierher gehört die Wahl und Benutzung der natürlichen und die Anlagekünstlicher Hindernisse, wodurch der Angreifende nicht allein so lange als möglichin unschädlicher Entfernung gehalten, sondern, wenn er dennoch näher rückt, der ver-derblichsten Wirkung der Vertheidigung ausgesetzt wird); 3) durch eine mit mathe-matischer Genauigkeit berechnete, aus der Natur der DerkheidigungSmittel hervor-gehende Vertheilung und Anstellung der eignen Kräfte (hierher gehört die Formder Werke, ihre Verbindung zu einem zweckmäßigen, der vvrtheilhaftesten Wirk-samkeit angemessenen Ganzen, dessen Theile sich allenthalben wechselseitig unter-stützen); 4) durch eine Form der Befestigung, welche in Übereinstimmung mit dernatürlichen Lage und Beschaffenheit des zu vertheidigenden Punktes es möglichmacht, den Angreifenden überall die kräftigste und zerstörendste Gegenwehr fühlenzu lassen; 5) durch sorgfältiges Entfernen, Beseitigen oder Unfchäklichinachenaller Umstände, welche dem Feinde in seinen Bestrebungen Vortheilhaft werden, den'Angriff begünstigen und dem Vertheidiger schädlich werden können; 6) endlichdurch wohlberechnete Widerstandsfähigkeit der Werke gegen die Einwirkungen desFeindes, der Zeit, Witterung u. s. w„ durch sinnreichen Ersah der zerstörten undAuffindung neuer Hindernisse, wenn die frühern ihren Zweck nicht mehr erfüllen.— Man hat die Befestigungskunst nach der jedesmaligen Absicht in die Feld-verfcha nzun g Skunst (IA, uln->tü>„ pu^.n^öil'), welche den Bau der Feld-schanzen, d. i. einfacher, größtentheils bloß aus Erde gebauter, auf eine kurze Dauerberechneter Werke angibt, und in die Festungsbaukunst (I'nrtilieation ,r>>,Uvoder >>o> in.inouik-), welche die Anlage fester Plätze, deren Dauer auf Jahrhun-derte berechnet ist, getheilt. Ein Mittelding zwischen beiden ist die IGrti1',<'.,tiul>,»<i> i8n,ro. welche Städte so zu befestigen angibt, daß sie auf die Dauer einesFeldzugs die Stelle der Festungen vertreten können. Auf diese Art waren 1308Saragossa, 1813 Wittenberg und Aken befestigt. Alle drei verfahren im Allge-meine» nach einerlei Grundsätzen. Ins Gebiet der Feldverschanzunqskunst gekörtauch die Befestigung isolirter Gebäude, z. B. Schlösser, wo bei Mangel an Zeitund Hülfsmitteln der Ersindungsgcist mekrentheils an die Benutzung der vorhan-denen Umstände gewiesen ist; ferner der Bau der verschanzten Lager, deren sichjedoch die neuere Kriegskunst seltener, als es ehemals gewöhnlich war, bedient; end-lich die Anlage und der Bau der sogenannten Brückenköpfe ». dgl. — Es könnenhier nicht die besondern Regeln, Formen und Raumverhältnisse aufgeführt werden,welche bei den verschiedenen Befestigungen in Anwendung kommen; auch ist vonden Werken, Hindernissen u. s. w. sowol in einzelnen als in dem Art. Festunggesprochen, und es sind dort die Männer, die sich um die Fortisication vorzüg-lich verdient gemacht haben, genannt worden. Interessant ist die Geschichte derBefestignngsknnst, die man, als den ältesten Theil der Kriegskunst, bis zum Ur-sprünge des Kriegs selbst verfolge» kann. Rastlos strebte des Menschen Geist,Mittel aufzufinden, um seine Wohnung vor feindlichem Angriff zu schlitzen, undebenso rastlos suchte der Angreifende diese Mittel zu zerstören; fort und fort ver-drängten sich Erfindungen und Methoden, Systeme und Ideen, big die Anwen-