Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
299
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Kriegskunst 2ö!)

vorausgesetzt, daß die Federungen und Contributionen nicht, wie dies in unsernTagen von Frankreich geschah, so ungeheuer vermehrt werden, daß dadurch der den»Privateizenihünier zugesicherte Schuh wenig mehr als ein leerer Name wird. ^nSeekriegen pflegt man jedoch diesen Unterschied zwischen öffentlichen und Privat:gütern nicht zu machen; beide sind dort gleich gute Beute. Beinah allgemein hatman in See-, und Landkriegen den Termin von 24 Stunden angenommen, binnenwelchem die Beute Eigenthum Desjenigen wird, der sie machte, nach welcher Fristalso jedes Recht des frühern Besitzers daran für erloschen angesehen wird. Durchdie Eroberung wird zwar, wie schon bemerkt worden, der Eroberer vorläufig Eigen-thümer des eroberten Landes, doch äußert dieses Verhältniß in der Regel erst taunseine Wirkung auf dritte Mächte, wenn die Eroberung von dem frühern Eizcnihü-.liier förmlich abgetreten worden ist. Bei Unterhandlungen in KriegSzeiten werdenallgemein die Parlementairs als unverletzliche Personen betrachtet, wie auch dieSauvegarten; so hat auch endlich die Kriegsmanier in Bezug aus die gegebenenoder genommenen Geiseln in neuern Zeiten mildere Grundsätze eingeführt, in-,dein man sich damit begnügt, sie bis zur Erfüllung der Federungen, für derenSicherheit sie gestellt worden, in einer mehr oder weniger engen Gefangen-,schüft zu halten. O..

Kriegskunst. Die neuere Kriegskunst nimmt ihren Anfang von derEinführung des Feuergewehrs und der stehenden Heere, wodurch nothwendig diegesammre, im Mittelalker gebräuchliche Art, Krieg zu führen, verändert wer-,den mußte. So lange es hauptsächlich persönlicher Muth und körperliche Stärkeund Gewandtheit waren, die in dem Kampfe entschieden, hatte der Krieg für denEdeln ungleich mehr Reiz als nachher; er war damals die Lieblingsbeschäftigungder Hähern Classen der Nationen. Sie fochten zu Roß, den» Jeder unierbielr sichselbst während des KriegeS; nur die Ärmern, die Knechte, bildeten das Fußvolk;ebendeshalb aber mußte auch die Kriegskunst, nach unsern Begriffen beurtheilt,fortdauernd in ihrer Kindheit bleiben. Erst während des Kampfes Karls V. undFranz I. lernte man den Werth eines regelmäßigen Fußvolks schätzen, und dieWchweizer, damals das beste dieser Art, entschieden nicht selten das Schicksal derSchlachten. Durch die Einführung des FeuergewehrS, vorzüglich des groben Ge-.schützeS , verlor der persönliche Muth und die körperliche Kraft an Werth; die Kunstmußte ersetzen, was diesen abging; zugleich aber verlor auch das Kriegshandwerkeinen großen Theil seiner Annehmlichkeiten. Die Freiwilligen wurden seltener,man mußte immer mehr zu gedungenen Söldnern aus den niedrigsten Volksklaffenseine Zuflucht nehmen, — nur die Befehlshaberstellcn zu bekleiden, ließen sichhöchstens die vornehmern Stände bereitwillig finden; zugleich crfoderte dasKnegs-wesen eine größere Übung, größere erlernte Fertigkeiten, und so mußten allmäligstehende Heere (s. d.) sich bilden. Doch war anfangs noch an keine Taktik imspätern Vinne des Worts zu denken; nur in großen, beinabe unbeweglichen Massen wurde gefochten. Durch Heinrich I V. von Frankreich sowol, als durch die Re-publik der vereinigten Niederlande, in ihrem Freiheitskampfe gegen Spanien , wardd ieS Svstem der stehenden Heere mehr ausgebildet, wenngleich die Stärke derselbenim Verhältniß zu den Heeren der spätern Zeit in den einzelnen Staaten nur geringblieb. Auch die Taktik machte durch die großen Feldherrnkalente eines Heinrich I V.,eines Prinzen Moritz von Nassau und des Herzogs Alexander von Parma Fort-schritte; vorzüglich aber wurde die Belagerungskunst in dem spanisch-niederländi-.sehen Kriege vervollkommnet. Ungleich wichtiger ward noch der dreißigjährige Krieg.Zwar bestand noch immer der größte Theil der Heere aus Menschen, die von demFeldherrn nur für die Dauer des Kriegs angeworben waren, wie z. B. Wallen-stein's Scharen; allein dagegen ward durch Gustav Adolf eine wichtige Verände-rung in der Taktik hervorgebracht. Er verminderte die tiefen Stellungen, führte