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Krüdcner
wähnen, so bleibt doch Krösus ein lehrreiches Beispiel des GlückSwechselS und derGrundlosigkeit des menschlichen Vertrauens auf Glücksgüter.
Krüdener (Juliane, Freifrau Diese berükmte Frau ist um 1786i» Riga geboren. Sie erhielt im Haufe ihres Vaters, des Baron-s p. Vietingboff,eines der reichsten Grttsbesiher in Kurland , von altdeutschem Rittergeschlecht, einesorgfältige Erstehung. Noch Kind, ging sie mir ihren Ältern nach Paris , wodas Haus ihres Vaters ein Sammelplatz der schönen Geister Frankreichs war.Man bewunderte den Witz und die Kenntnisse der aufblühenden Jungfrau, die we-niger durch Schönheit als durch feinen Wuchs, zarte Auge und kindliche Heiterkeitgenel. ö 2 ie besäst alle Reite, die Anmuth und Bildung verleihen, dabei ein wei-ches Her; und eine dem Himmel der Unschuld und des Klaubens offene Phantasie,aber auch einen unwiderstehlichen Hang sti schwermüthigen Träumereien. ManVermählte sie schon in ihrem 14. Jahre mit einem durch edle Gesinnung und gründ-liches Wissen ausgezeichneten Liefiänder, dem Freih. v. Krüdener, damals unge-fähr 36 Jahr alt. Sie begleitete ihn nach Kopenhagen und Venedig , wo er alsrussischer Gesandter mehre Jahre lebte. Hier, wie in Petersburg , durch Standund Vermögen den Ersten gleichgestellt, glänzte die Frau v. K. in den vornehmstenCirkeln. Bei ihrer Liebenswürdigkeit und ihren Talenten sah sie sich von Ver-ehrern umringt und war — von Gefüblen und getäuschten Hoffnungen der Ein-bildungskraft unruhig bewegt, nicht glücklich. Sie gebar ihrem Gemahl einenSohn (jetzt k. ruff. Geschäftsträger bei der Eidgenoffenfchaft, auch bekannt durchden Zweikampf, in welchem er den jungen Mursinna in Berlin erschoß) und eineTochter (Gemahlin des Kammerherrn v. Berkheim , eines Bruders des badischenMimsterS). Ihre Ehe wurde getrennt, weil, wie sie selbst in einem Briefe anihren -Schwiegersohn andeutet, durch ihre natürliche Lebhaftigkeit und durch dieLockungen der großen Welt verleitet, sie sich zu vielen Verirrungen hinreißen ließ,die ihre häuslichen Verhältnisse zerrütteten. Sie kehrte 1761 nach Riga in dasHaus ihrer Ältern zurück. Hier galt sie im Allgemeinen für eine der liebenswür-digsten Frauen, die Welt und Geist mit freier Bildung, anmurhigen Formen undallen Reizen eines beweglichen Herzens und einer lebendigen Einbildungskraft ver-band. Unbefriedigt von ihren Umgebungen, lebte sie bald in Paris (1763 inLeipzig), bald in Rußland, und 1301 abermals in Paris . Ihr Hang nach Zer-streuung Verwickelte sie hier wie in Petersburg in taufend Verlegenheiten. Auchjetzt noch lebte sie in Paris ganz der feinen Welt lind ihren Prunkfrenden. Umsie war ein Kreis von Gelehrten und Dichtern versammelt, und der wilde, leicht-sinnige Karat soll damals ihr Herz beherrscht haben. Indeß arbeitete sie mittenim reichen Flitcerglanze weltlichen Treibens an einem schon früher entworfenenRoman: „v.stöib'. o» Ieltr<-8 >Ie >!o sinkest Ifsii,--iw >!« 6.", in wel-
chem sie ein Verhältniß schilderte, das ihr selbst einst theuer gewesen war. IhrEhrgeiz war, diesem Roman, in welchem sich die Schwärmerei eines tiefen Ge-müths ausipricht, classische Vollendung zu geben und sich einen Ruf als Schrift-stellerin dadurch zu gründen. Der Sturz der preuß. Monarchie erweckte baldnachher den nordischen Ernst aufs Neue, welchen bischer südlicher Leichtsinn iiingau-kelr und mir Farbenbildern berhört karre. -Lie befand sich damals bei der KöniginLouise, und das klare, reine Gemüth dieser koken Frau hat vielleicht tiefer auf dieempfängliche Natur der Frau v. K. eingewirkt, als die Verfasserin der „Valerie"durch ihr geistreiches Gespräch über die Tröstungen der Religion auf jenen unterden Sterbliche» wandelnden Engel. Frau v. K. suhlte sich damals auch sehr zudein Pietismus der Brüdergemeinde hingezogen. Eie begab sich wieder nach Pa-ris , wo der Empfänglichen viele sich ihr anschlössen z darauf, als der nordischeKrieg ausbrack, gina sie nach Genf und 1313 nach Deutschland , überall bescbäf-'igt mit dem Enthüllen der unsichtbaren Welt in sich, indem sie von der äußern