Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
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sie ausspendeke, mehr Aufsehen erregte als Nutzen stiftete, so konnte ihr die Obrig-keit nirgend? einen bleibenden Aufenthalt gehakten. Sie blieb nun stet? unter po-lizeilicher Aufsteht, ward von einem Ort zum andern '.'erwiesen und endlich, da manihr den Eintritt weder in da? Östreichische noch in den Elsaß gestattete, au? derSchweiz nach Deutschland , wo Empevta? und Lachenal sie verlaffen muhten, durchBaden, W irte iiberg und Baiern bis nach Leipzig gebracht, wo man ste mit Ach-tiing behandelte und ihr einen länger» Aufenthalt zu ihrer Erholung gewährte.Hier batte ansang? jeder (Gebildete zu ihr freien Zutritt; doch fand die Polizeibald nöthig, Wache vor ihre Thu?- ;u stellen und den Umgang mit ihr zu beschrän-ken. Nach de? Pros. Krug „Gespräch unter vier Augen mit der Frau v. K."(Lpz. 1818) zeigte sie stch selbst in ihrer schwärmerischen Befangenheit achtungS-uiid liebenswürdig, doch unter wahrhaft frommen Ausströmungen ihre? religiösenGemüths äußerte ste mit prophetischer tzlnmaßung wunderliche (bedanken. Übri-gen? sp-ach ste oft mit einem Feuer, einer Innigkeit und Zuversicht, das ihr zumHimmel gewandtes Antlitz stch wie das Gesicht einer Heiligen verklärte. — IhrWunsch, nach Deffm oder Berlin zu gehen, ward nicht erfüllt. Die Polizeiführte ste über die russische Grenze, wo ihr angedeutet ward, das ste weder nach Pe-tersburg noch nach Moskau kommen dürfe. Auch trennte man ihre» SccretairKellner und st andre Personen ihrer Begleitung von ihr. Ihre Tochter blieb beiihr. In Mitau beschloß die Frau von K. ihr öffentliche? Predigtamt, und eShieß, daß ste aus jener regellosen Öffentlichkeit in ein bestimmtes und beschränkte?Verhältniß ftommer Wirksamkeit zurü ktreten wolle. Vgl. „Zeitgenoffen", Nr. X.Istach Dem, was Krug, Bresciu? und Spieker über die Äußerungen der Frauv. K. berichtet haben, waren Einseitigkeit und Überspannung, bei stch selbst täu-schender Eigenliebe und Anmaßung, unter dem heiligen Schimmer von Demuthund andächtiger Erhebung, in ihrem ganzen Wesen nicht zu verkennen. In ihrenVerträgen war kein Zusammenhang der (bedanken. Mitten unter ihren rührendenÄußerungen eines tiefdewegten Gemüth? kamen Einfalle des Witzes und abspre-chende oder halbwahre Urtheile eines aseptischen Dünkels vor. Frau von K. be-stätigt die Wahrheit, daß guter Wille a'lein den Menschen nicht vor Verirrungenbewahre, daß vielmehr Gefchl und Einbildungskraft, je reizbarer und lebendigerste find, nur so eher auf Abwege fuhren, wenn ste nicht unter der Herrschaft desVerstandes und der Vernunft stehen, die doch auch herrliche GotteSgaben sind.I/i jedem Falle ist der Eindruck, den dieses Meteor der frommen Schwärmerei aufdie Menge gemach'hat, ein Beweis mehr, daß die Welt, nachdem ste lange Zeitiner frivolen Auftlärerei und einem herzlosen Unglauben gefröhnt, nicht zur ein-f chen Wahrheit, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten, zurückkehre,sondern zur mystischen Schwärmerei und zu n verstandlostn Aberglauben hinüber-taumele. seit 1818 lebte Frau v. K. in Rußland. Von Petersburg , wo sie stchlebhaft für die Sache der Grieche» erklärte, ward ste verwiesen. Sie ging nachLicflmd, und von hier im Juni 182l nur ihrer Tochter, ihrem Schwiegersöhne,de.» <2taaksrath Berkheun, u. A. in die Krim , wo sie am 13. Dee. 1821 zu Ka-rasubasar an einer schmerzlichen Krankheit starb. I<.

Krug (Wilhelm Traugott), Prostffor in Leipzig , geb. den 22. Juni Nistzu Radis , einem Dorfe bei Grafenhainichei im wittenberger Kreist, wo sein 'Va-ter RittergutSpachter war, erhielt seine erste Bildung durch Hauslehrer und aufder Stadtschule in Gräfenhainichen , von 1782 — 88 studirte er auf der Landes-schule Pforte, wo er sich vorzüglich mit Philologie und Mathematik beschäftigte.Von 1788 an studirte er 1 Jahre lang zu Wittenberg Philosophie und Theo-logie, Geschichte, 'Archäologie und Ma'hematik. Auf Reinhard'? Rarh nudmereer sich dem akademischen Lehramte und besuchte, um sich dazu vorzubereiten, nochJena anderthalb und Gömnzen ein halbe? Jahr. 17)1 habilitirrc er sich in