Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
326
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schüft Mendelssohn'S , Rainler's, Lessing's und aiidrer Gelehrten erwarb, durch de-ren Umgang sich sein poetisches Talent zu entwickeln begann. Da er außer seinembedeutenden Gehalte ein ansehnliches Vermögen besaß, so hätte er in Berlin in an-genehmen Verhältnissen lebe» können; aber eine zu weit getriebene Gutherzigkeit,welche oft die Beute listiger Betrüger wurde, verbunden mit einer an Verschwen-dung grenzenden Bücherliebhaberei, hatte in wenigen Jahren sowol sei» Vermögenals seine» übrigen Erwerb fast gänzlich erschöpft. Er verließ Berlin , durchreisteHolland, Frankreich, Italien, die Schweiz und Deutschland , und gerieth am Endein eine so hülfiose Lage, daß ihm seine Familie ein Capital zu s. Unterhalte aussehenmußte. Diese Umstände veranlaßten bei ihm eure gewisse Schwermuih, d>e nachund nach in Wahnsinn ausartete, von dem er nur durch die Thätigkeit eines ge-schickten .Arztes gerettet werden konnte. In den lichten Zwischenräumen jenes Zu-standes war es gerade, wo s. besten Gedichte ihre Entstehung erhielten. Nach f.Wiederherstellung ward er 1785 durch einen Schlagfluß gelähmt und sogar derSprache beraubt, woraus er 1740 starb. „Hinterlassene Gedichte von EphraimMoseS Kuh" (2Thle.) erschienen 1742 in Zürich .

Kühn (Friedrich'.Adolf), geb. den 2. Sept. 1774 zu Dresden , wo dieserals Dichter und Gesch sstSführer gleich ausgezeichnete Mann als Sachwalter nochlebt. Von, 5. I. an und auf dein Gymnasium zu Freiberg ergriff K. jede Gele-genheit, welche die Bücher s. Vaters und seine Lehrer ihm darboten, um seinenDurst nach Kenntnissen zu stillen. Er las anfangs Geschichtsbücher, dann alledeutsche Dichter von Haller und Hagedorn an, zuletzt einzig Klopstock, dessen Odener zum größten Theil im Gedächtniß behielt. Die Anwesenheit vieler Fremden,die Werner'S Schüler waren, reizte ihn, Reisebeschreibungen zu lesen, und bald warer überall wie zu Hause; doch blieben Geschichte und alte Sprachen sein Haupt-augenmerk. Nach einer literarisch.historischen Anleitung las er die römischen undgriechischen Classiker für sich cursorisch durch, lernte Französisch und mit wenigHülfe Englisch , Italienisch aber ganz für sich; endlich auch Spanisch bloß aus derGrammatik und aus Bertuch . Später machte er sich mit der proveiwalischen undnordischen Sprache bekannt und las bald ohne Anstoß die vorzüglichsten treuernDichter und Prosaiker in der Ursprache. Dabei übte er sich selbst in dichterischenEinwürfen. Von 1743 — 48 siudirte K. in Wittenberg die Rechtswissenschaft,ohne seine Lieblingsstudien zu vergessen. Dabei führte er mit s. Freunden Winkler(Theod. Hell), v. Hardenberg (Novalis ) u. A. ein frohes Dichterleben, das oft inNiedern ausströmte, die zum Theil in Taschenbüchern und Zeitschriften abgedrucktwurden. Nach geendigtem Rechtsstudium ging K. nach Jena , wo er Geschichte,Diplomatik, Physiologie und Anatomie horte. Aus Treue für den KritieiSmuSvermied er anfangs Fichte'S Hörsaal; als er aber zufällig einer Vorlesung des Phi-losophen beiwohnte, ergriff ihn dessen Vertrag und Methode so, daß er alsbald seineifriger Zuhörer wurde. 1747 übernahm er in Dresden die Leitung der Studiendes Baron v. Dolst aus Petersburg und arbeitete zugleich bei ältern Sachwaltern.Nach 6 Jahren trat er selbst als solcher auf. Leu, Dichtertalent schien damals zuruhen; als sich aber sein bürgerlicher Wirkungskreis immer weiter ausbreitete, sofand auch die alte Liebe zur Literatur und Poesie ihre Wechestunden wieder. Manchschönes Lied ward seitdem von ihn, gedichtet und oft in wenig Augenblicken nieder-geschrieben. Eine Auswählst Gedichte erschien Leipz. 1820. Sie athmen meistensein erhöhtes, von Ideen getragenes Gefühl, das sich in wohllautenden Versen auS-spricht. Als Sprachstudium hatte K. 1802 die Übersetzung der „Lusiadc" begonnen,die er mitst Freunde Winkler vollendete (Lpz. 1807). Nächst der Poesie, Literaturund Sprachenkunde zog auch die Naturwissenschaft ihn lebhaft an, und er widmeteJahre lang st Muße vorzüglich dem Studium der Chemie und Mineralogie. 20.

Kuhpocken, Kuhblattern, Schutzpocken, eine Krankheit der