Band 
Sechster Band. K bis L.
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Kuhreihen Kulichan

Kühe. bei welcher sie Blattern an dem Euter bekommen. Man unreischeidel bisjetzt die Webblättern, die weifen, gelben, schwarte» und blauen Kuhblattern. Dieletztere Art derselbe» kommt zuweilen bei frischmelkenden Koben, besonders in. Hol-sieinischen, in England, epizootisch vor und ist durch ihre Eigenschaft, sich bei denMenschen durch örtliche Ansteckung fortzupflanzen und Diejenigen, welche derglci-chen Blattern gehabt haben, vor der Ansteckung der Menschenblaktern zu sichern,besonders merkwürdig geworden. Es ist Tbatsache, daß einzelne Vaccirnrie, kür-,zere oder längere Zeit nach überstandeuer Vaccination, von einem den natürlichenBlattern sehr ähnlichen Epantheme befalle» wurden, die aber durchaus nur alsmodificirte, in Hinsicht ihrer Gefahr für den Organismus gemilderte Blatter» er-,schienen, sodaß, wenn die Vaccination in einzelne» Fällen den Pfeil des Mistesnicht ganz abwendet, sie ihn doch abstumpfen kann. Allein erwiesen ist es, daßvollkommene Vaccination vollkommen gegen die Blattern schütze. S. I). Lüders's„Kritische Geschichte der bei Vaccinirten beobachteten Menschenblattern" (Alrona1824). (Vgl. Impfen und Ienncr.) II.

Kuhreihen, Kuhreigen, heißt die berühmte alte Nationalmelodie,welche die schweizerischen Alpenhirren beim Austreiben ihrer Hecrden pfeifen odersingen. Sie besteht aus wenigen einfachen Intervallen, eignet sich ganz der ein-fachen Weise dieser Hirte» und dem Instrumente (Alpenhorn), auf welchem siedieselbe vortragen, und macht in den widerhallenden Gebirgen eine ungemeineWirkung. Diese mit der Localirät sich ganz verscbmeliende Wirkung erklärt dievielen Atitckdükrn von dem durch das Horn des Kuhreigens im Auslande bei Schwei-zer » erweckten unwiderstehlichen Heimweh. In der Melodie gibt es jedoch auchAbweichungen, daher sinket man schon in Rouffeau's „lii,-ticn,innre <l<mehre Kuhreigen angefubrt, und 1815 erschien zu Bern die zweite Auflage einerganzen Sammlung von Kuhreigen. Von Appenzell sagt man, daß es die echteste,ursprünglichste Melodie des Kuhreigens habe.

Kulichan (Tahmasp), auch Shah Nadir genannt, geb. 1k87, ciner derausgezeichnetsten, aber auch abscheulichsten Menschen, welche die Geschichte aus-zuweisen hat. Er hieß Nadir und war persischer Feldherr, verließ aber den Kriegs-dienst und wurde Anführer einer gefurchteren Räuberbande. Der König von Poe-sien, Tahmasp , ließ ihm gänzliche Verzeihung angedeihen und cihob ihn wegen sei-ner großen niilitairischen Talente nach und nach zum obersten Feldherrn aller persi-schen Truppen. Bald aber empfand er die Folgen dieses unvolsichrigen Schrittes.Denn Nadir, der sich nun auf seinen Befehl selbst Tahmasp Kuli (Sklav des Tah-masp) mit dem Ausätze Chan (des größten Ehrentitels, den ihm der König gebenkonnte) nannte und das ganze Heer für sich gewonnen hatte, entthronte seinenWohlthäter, als dieser ohne ihn mit den Türken Friede geschloffen batle, bemäch-tigte sich hierauf im Name» des jungen Prinzen, der noch in der Wiege leg, alsVormund der Regentschaft und ward 1735 nach einem blutigen -Liege über dieTürken, und nachdem sein Mündel gestorben war, zum König von Poesien erwählt.Seit dieser Zeit ward er Sbah Nadir genannt. Leine Waffen waren überall sieg-reich; allein er vergoß zahlreiche Ströme Bluts und wütbete selbst gegen seine Un-terthanen mit der empörendsten Grausamkeit. Seine Soldaten waren durch dievielen Kriege und dabei verübten Plünderungen ausnehmend bereichert worden undihm daher so ergeben, daß es Niemand wagen durfte, dem Tvrannen die Spitze zubieten. Selbst der Haß der Geistlichen, welchen er viele Einkünfte entzogen harte,vermochte nichts gegen ihn, und alle Pläne, ihn vor» Throne zu stoßen, wurdenschon in ihrer Entstehung vereitelt. Sein größter, aber auch abfchculichsicr Feld-zug war derjenige, welchen er 1739 gegen den Großmogul unternahm. Shah-Nadir wußte sich theils durch seine siegreichen Waffen, theils durch Verralherei denBesitz aller Lander desselben zu verschaffen, plünderte und brandschatzte, ließ die