Band 
Sechster Band. K bis L.
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Klirrst

schieden vom Kunststück, welches seinem innern Werche nach von weniger Debei»-tung ist und gewöhnlich nur den Zweck hak, eine überraschende Fertigkeit im Her-vorbringen flüchtiger und vorübergehender Wirkungen, durch kluge Übung erwor-ben, oder nur aus Snmenschein und Täuschung gegründet, an den Tag zu legen.Durch jene Bestimmung ist nun die Kunst von der Natur und ihren Erzeugnissenun-msthieden, welche wir nur uneigentlich, und durch gewisse auffallende Ahnlich-ke ten an den äußern Erscheinungen geleitet, Künstlerin und künstlich nennen (s.K nnsttriebe); denn die Natur wirkt, obgleich ste wie die Kunst hervorbringt,nach nothwendigen Gesetzen bewußtlos ihre Erscheinungen. Von der andern Seiteist jedoch die Kunst durch die Natur begründet und durch sie allein möglich ge-macht. Das Kunsterzeugniß setzt eine» Stoff voraus, den ste gestaltet, und derstch auf die Erscheinungen der Natur unmittelbar oder mittelbar bezieht. DerMensch kann nämlich, wie schöpferisch auch seine Einbildung wirke, dennoch kei-nen Stoff im eigentlichen Sinne erschaffen. Ldeine Schöpfung bezieht sich alsoauf Formgebung; die höchste ist eine originelle Combination. Er empfängt denStoff, in welchen er bildet, von der Natur und (beschichte, und dieser Stoff mußebensowol der Bildung zu vernünftigen Zwecken fähig, als der Mensch für die Auf-fassung, Wahrnehmung und Bearbeitung desselben empfänglich gedacht werden.In Hjnflcht auf dessen Kunstfähigkeit insbesondere ist die Kunst schon dadurch vonder Natur abhängig, daß der Mensch zugleich Na t u rwe fen ist unk die Naturin ihm die höchste uns bekannte Stufe der Vollkommenheit und Bildung erreichthat. Mittelst letzterer faßt er die Natur auf, lernt ihre Gesetze kennen undauf dieselbe zur Erreichung seiner Zwecke gesetzmäßig einwirken. Die Gesetze, nachwelchen er Werke der Kunst hervorbringt, sind daher zugleich Naturgesetze, d. h.in seiner Anschauung der Natur gegründet, aber er verfolgt sie mit Bewußtsein undWillkür. Von der Wifsenschaft aber ist die Kunst hauptsächlich dadurch ver-schieden, daß jene Erkenntniß der Natur und des Zusammenhanges der Dingeist, und als höchste Wissenschaft (Wissenschaft schlechthin, oder Philosophie) dienothwendigen Gesetze des Denkens und Seins aufsucht und, über die Erscheinun-gen hinausgehend, den Grund derselben und ihren Zusammenhang zu erforschenstrebt. Die Wissenschaft also beruht auf dem Wissni, oder besteht in dessen Aus-bildung, und ist mithin auf die theoretische Thätigkeit des Geistes gegründet. DieKunst aber hat es zu thun mit Etwas, das weder selbst ein Wissen ist, noch bloßoder unmittelbar durch das Wissen um einen Gegenstand, ohne äußere Fertigkeitund Kraftübung, hervorgebracht werde» kann, obgleich es auch nicht ohne alles Be-wußtsein und ohne Anwendung des Verstandes hervorzubringen möglich ist. Darumwar es falsch, wenn man sonst einige schöne Künste, z. B. die Poesie, weil ste diegeistigste ist und sich, wie die Wissenschaft, zu ihrem Darstellungsmittel derSprache bedient, schöne Wissenschaften nannte. Dadurch aber sind Wissenschaftund Kunst wiederum verbunden, daß, wie eben angedeutet wurde, eine Art der Er-kenntniß überhaupt (Wissenschaft im weitesten Sinne) bei aller Kunstübung vor-ausgesetzt wird; daß ferner auch die Wissenschaft als Ergebniß der ausgebildetenErkezmtniß gedacht, eine gewisse Fertigkeit oder Geschicklichkeit (Kunü im weiter»Sinne), den Zusammenhang der Gedanken nach Idee» zu leiten und zweckmäßiganzuordnen, erfodert; daß endlich auch die Wissenschaft, insofern ste sich in selb-ständigen und von dem Innern, worin ste erzeugt worden, sich absondernden Wer-ken darzustellen und mitzutheilen strebt, in diesen Darstellungen Kurvt ist, wenn-gleich diese Kunstform nicht die Form der schönen Kunst ist, der ste stch jedoch niverschiedenen Gattungen wissenschaftlicher Darstellung mehr ober weniger annäherndarf. Denn die Kunst äußert sich vorzüglich als die vom Geiste ausgehende Fer-tigkeit, in irgend einem Gebiete etwas Selbständiges hervorzudnrgen oder fürAndre darzustellen. Wiederum wird auch die Kunst durch Wissenschaft erkannt