Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
338
JPEG-Download
 

338

Kunst (schöne Kunst)

Lurch kir ganz* Kunst L. i. durch das unendliche Ganze aller Kunstwerke aller Zei-ten und Völker fortschreitend verwirklicht), sondern es stellt nur 3) das Schöne dar,L. h. die Schönheit an einem einzelnen, individuellen (Gegenstände, oder das Ideale(das Leben) in individueller Gestalt. In letzterer Beziehung nehmen die Kunst-werke, wie die Naturerscheinungen, nach der Verschiedenheit der Idee, die in denDingen waltet, bald mehr den Charakter des Erhabenen (gleichkam des männlichSchönen), bald Mehr den Charakter ke? Reizenden, der Anmuth, der Graste (oderdes weiblich Schonen) und alle ankern Modificationen (z. B. des Ernstesund Scherzes) an, deren das innere Leben und seine Äußerung, wie überhaupt dieSchönheit, fähig ist. (L. Schön.) In ersterer Beziehung, oder insofern dieSchönheit Gesetz und Aufgabe der Kunst ist, muß jedes Kunstwerk ideal (von einerIdee belebt), individuell (diese Idee in eigenthümlichen, mannigfaltigen Zügenausdrückend — in Beziehung auf gewisse darzustellende Gegenstände auch chara k-leristisch genannt), und Beides in innerer Durchdringung (mithin harmonischüberhaupt, gegliedert in seinen einzelndn Theilen und abgeschlossen wie eine eigneWelt, oder organisch); in Beziehung auf den Künstler und seine innere 'An-schauung, welche als rein menschliche zur äußern Erscheinung gebracht werden soll,objectiv (keine zufällige, mit der rein menschlichen Anschauung nicht bestehendeSubjectivität des Darstellenden verrathend, sondern gegenständlich und selbstän-dig), frei und eigenthümlich (aus dein Innern selbstthätig, ohne sichtbare Mühe,nicht aus Nachahmung oder bloßem Nachdenken, sondern aus einem eigenthümli-chen Dränge des genialen Mensche» entsprungen), endlich i» Beziehung auf denregelmäßigen Gebrauch der Darstellungsmittel auch correct (s. Correctheit)sein. Denn die Schönheit, als Vollkommenheit der Erscheinung, ist ja in sichselbst die höchste, vollkommenste Harmonie des Idealen und Individuellen in derErscheinung, die Offenbarung des Göttlichen in sinnlich vollendeter Hülle; in wel-cher Ansicht die eben angegebenen Erfodernisse des Kunstwerks, d. i. Idealität,Individualität, Organismus, Objectivität, Eigenthümlich-keit, Correcrheit u. s. w. eingeschlossen sind, und das Gesetz der Kunst: Ideeund Form sollen in dem Kunstwerke unzertrennlich Eins sein, ausgesprochen ist.Was wir von dem Kunstwerke, dem Geiste der Kunst gemäß, federn, dazu mußder Künstler, d. >. Der, welcher ein Kunstwerk hervorbringen soll, die Fähigkeit insich tragen. Das Leben soll er darstellen, was sich im Gleichgewichte des Geisti-gen und sinnlichen als vollendet zeigt. Die höchsten geistige» Lebensthätigkeitenalso, vornehmlich die, durch welche wir der Ideen und ihrer Darstellung in anschau-lichen Sinnbildern des Lebens fähig sind (Vernunft und Phantasie), müssen mithoher Kraft und in unzertrennlicher Verbindung also wirksam sein, daß das innereLehen, als rein menschliches, leicht seinen entsprechenden Ausdruck, die Idee ihreharmonisch ausgebildete Form und Hülle finde, und in dieser Wirksamkeit das in-nere Gefühl sein Ideal belebe. Eine solche Beschaffenheit des Gemüths, derenherrschendes Organ (weil hier von Darstellung, als dem Wesentlichen der schönenKunst, die Rede ist) die von dem Gefühle des Unendlichen angeregte Phantasiesein »uiß, eine solche glückliche Harmonie der höchsten Kräfte des Gemüths istnicht Lache der Freiheit allein, nicht des Fleißes und der Anstrengung, nicht durchKlarheit des Wissens erreichbar; jene Eigenthümlichkeit des Kunstwerks setzt viel-mehr eine Eigenthümlichkeit des Künstlers, eine Schöps»,igskrast, mit EinemWorte, die Genialität voraus, welche, als Anlage angeboren, durch Freiheitnur entwickelt und ausgebildet wird. (S. Genie.) Ja das wahre Kunstwerkwird nur durch Genialität hervorgebracht, daher man das Kunstgenie auch vor-zugsweise Genie genannt hat. In der Wirklichkeit gibt eS aber unendliche Ver-schiedenheiten der Genialität und Grate der Künstlerkraft, deren niedere wir mitdem Namen der einzelnen Kunsttalente belege», die sich bald auf das Innere