Band 
Sechster Band. K bis L.
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^linsifcltigkeil

einem engern Sinne nennt. Zu dieser geholt auch 2) die auf der Kunst, vorzüg-lich auf der schonen Kunst beruhende Bildung. Diese mag nun auf Kunstaus-übung sich gründen und michin mehr ibätiger?krt, oder nur aus Kunstgenuß undKu. stanschauung hervorgegangen (mithin niehr passiver Art) sein; in seiden Fäl-lt.! ist sie, wenn sie gründlich ist, eine Bildung, welche, geniäs; der Idee der Kunst,die doppelte Anlage des Menschen, die sinnliche und geistige, in einen gewissen Ein-klang setzt, dieselben gleichmäßig anregt und eben darum eine echt menschliche Bil-dung ist, welche von Sinnlichkeit ebenso weit als von dem einseitigen Gedanken-leben, das uns der Welt entzieht, entfernt liegt, vielmehr das Ideal und die Wirk-lichkeit liebend verbindet und gleichsam versöhnt. Kunstbildung ist daher nichtKunstschwärmerei, obgleich der geniale Künstler und der wahre Kunstfreund sichin das Werk ihrer Anschauung so verlieren, daß sie ihre äußere Persönlichkeitdarüber ganz vergessen, und obgleich die »„getheilte Aufmerksamkeit und Kraft,womit der begeisterte Künstler schafft und der Kunstfreund anschaut, von dem fürdie hohe Bedeutung des Kunstwerks Unempfänglichen nur für planloses, willkürli-ches schweben und Regen des Gefühls und der Einbildungskraft (Schwärmerei)angesehen wird, za davon oft den äußern Anschein hat. Kunsibildung äußert sichauch nicht durch Kunstgeschwätz, von der Oberflache der Kunstwerke oder ihrer Theo-rie abgeschöpft; kenn selbst der Kritiker erkennt es an , daß das Wesen der Kunstund das Höchste der Kunstwerke unaussprechlich ist. Sie setzt überhaupt Talenteund Fertigkeiten voraus, welche nicht Jedem eigenthümlich sind. (S. Kunst V.)Weil ferner die Kunst Darstellung des Schonen ist, so gehört die Kunstbildung,im angegebenen Vinne, zu der ästhetischen Bildung (s. d.); aber auch der Ge-schmack an dem Schönen in der Natur gehört zu dieser. Von letzter!» unterschei-det sich die Kunstbüdung dadurch, daß die Natur, ohne viel vorausgesetzte Erfoder-mzie, leicht von uns verstanden wird; das Kunstverstandniß aber eine gewisse Bil-dung , Erhebung eines an sich gesunde» Sinues bis zur Fertigkeit der Anschauung,ferner mannigfaltige Lebensansichten und Reife des Urtheils erfodert. Daher hatDerjenige, welcher .Naturgeschmack besitzt, noch nicht den Kunstgeschmack, noch we-niger die Bildung, welche erst durch Kunst erworben wird; und es verhält sich derNarurgeschmack zurKunstbiltung, wie der gesunde oder gemeine Menschenverstandzu dem wissenschaftlich ausgebildeten Verstände des Philosophen und seiner tiefernLebenSansichc. Wenn wir uns aber fragen, wie es komme, daß es in der Kunstso viele Naturalisten gibt, d. h. die ohne tiefere und durch Übung erworbene Kunst-bildung in dem Kreise der Kunst producirend oder urtheilend auftreten, und wärmnin keinem Gebiete die Kritik so sehr in leeres Geschwätz ausartet, so sind die vor-nehmsten Ursachen diese. Die Kunst hat eine sinnliche ^Seite, welche Jedem leichtzugänglich ist, der die unsichtbare Seite derselben nicht wahrnimmt. Diese, gleich-sam populaire Veite zieht seine Sinnlichkeit, und was damit in Verbindung steht,Lustmcht, Eitelkeit w., vorzüglich an. Wem nun die Kunst nur etwas sinnli-ches ist, der wird sich in dem Gebiete, welches ihm durch Augen und Ohren zu-gänglich ist, ferner in den Darstellungen der Sprache — weil er sich letzterer vonJugend auf bedient — und worin er nur die Nachahmung der Wirklichkeit erblickt,bestimmt und eingerichtet, einen verfeinerten Sinnenreiz hervorzubringen, oder inwechselnde, dunkle Gefühle der Lust zu versetzen, leicht den Versuch, leucht ein ent-scheidendes Wort erlauben. Das Gefühl an sich fragt nicht nach Gründen; vorihm gilt jedes Urtheil, die Federungen der Sinnlichkeit und des Wirklichen (etwahöchstens durch das gesellige Leben modisicirt) sind auszumessen; aber die Tiefe derKunst, die das Himmlische- und Irdische verbindet und das Individuelle zur bedeut-samen Hülle des Idealen erhebt, erfodert tiefere Bildung"und Einsicht, und dasLeben ist nicht die gemeine Wirklichkeit. t.

Kunstfertigkeit, s. L i rtuo sit»r.