854
Kupferstecher
Gudin's, Audouin's glänzend und sorgfältig ausgefiihrte Blätter, Iazet's großeBlatter m Tiischmanier (z. B. nach Vernet) zeugen für den Reichthum an ausge-zeichneten Künstlern; auch darf man nicht vergessen, welche Prachtwerke fortwah-re»d in Frankreich erscheine», die ihre» -Lchmuck franz. Geschicklichkeit verdanken.Unverkennbar war >n diesen neuesten Arbeiten der Franzosen eine Nacheiferung derMorg.heii'schen schule zu bemerken, während junge Deutsche und Italiener selbstdie Ansprüche an ibre Kunst noch weit hoher stellten als dieser hochgcfeierte Künstler.Seit nämlich die Malerei in Italien so selten Würdiges für die Verherrlichungdurch den Grabstichel bot, erhob sich die Kupferstecherkunst, die alte Meisterwerkezum Gegenstände nahm, zu selbständigem Werth und eigenthümlicher Bedeutsam:keit. Volpaw'S Schüler, Morghen, und die von ihm ausgingen, leisteten bisherUngeahnetesz namentlich hat aber die mailänder Kupferstecherschule durch Ander-loni und Longhi einen Ruhm erreicht, dem kein andres Land etwas Gleiches ent-gegenzusetzen letzt im Stande sein möchte. Longhi'S bleibt sicher die
ausgezeichnetste Erscheinung. Seine Schule macht die Zeichnung zu ihrem Haupt-zwecke; daher hat der geistige Ausdruck über die materielle Behandlung das Über-gewicht. Bei der Morghen'schen Schule ist die Ausführung die Hauptsache; dierömischen Kupferstecher haben für jeden Gegenstand dieselbe Ausführung; nur Bet-telini bleibt nicht bei dieser einförmigen Behandlung stehen. Toschi in Parma hat1826 sein Einzug Heinrichs I V. in Paris , nach Gärard, unvergeßlich gemacht,Schiavone die Himmelfahrt der h. Jungfrau nach Titian , die in malerisch effect-voller Auffassung vollendet zu nennen ist. Bonatv Gandolffi (in Bologna , der 182 tCorreggio's Girolamo stach), Garavaglia, Fontana Rosaspina, Benoglio, Giberti,Palnierini, Porporati, Pavon (eig. ein Spanier), Rainaldi, Rampoldi haben treff-liche Blatter gestochen, der geistreiche Skizzist Luigi Rossini und Pinclli lebenvolleSeenen radirc. Meister in Umrissen ist Lasinio, wie s. sa„>,> >li IK-a, und
vielfältige Proben erweisen. Prachtwerke, zu denen Typographie und Ehalkographirmit ihrem Luxus sich vereinigen, in Florenz, Mailand, in Roni und Venedig thätigans Licht gefördert, geben jedem Talente dort Anlaß zur Entwickelung und eine aus-reichende Sphäre. — Reicher ist an solchen Unternehmungen England, wo diediccuci io-> einen sehr umfassenden Artikel seiner Literatur ausmachen. Aber währendin einigen Werken dieser Art eine bis zum Übertriebenen gesteigerte Zierlichkeit, diean Geleckrheit grenzt, bemerklich ist, sinket man in vielen andern, besonders in dendort beliebten Blä.kern in schwarzer Manier, eine Vernachlässigung desDetails undein Streben nach Effect, das vielfältige Ausstellungen zuläßt. Nicht zu verwechselnmit der leichtern Waare dieser Art sind die Arbeiten in Schabmanier von Earlon,Pither, Dixon, Green n. s. w. Als das Höchste der Kupferstecherkunst hak man dieBlätter nach Rafael'S Cartons gepriesen, die Thom. Holloway und Webber vollen-den. Bei diesen Blättern muß man die Meisterschaft in der Handhabung des Ätzensbewundern, die ihnen erlaubt, häufig Radirungen stehen zu lassen. Raimbach,Smitb, Middiman, Borne, Iam.Mason, Iam. und Charl.Heath, Will.Woollet,Will. Sharp, John Burnet , John Browne sind allen Sammlern als ehrenwertheMeister mit Grabstichel und Radirnadel bekannt, deren Werke nur wegen der so hochgestellten Preise seltener in die Liebhabercabinette des Festlandes eindringen. WasLasinio fiir Italien ist, sucht Moses für das reichere England zu sein, durch zierlicheUmrisse, u. a. nach M. Retsch'S Umrissen zu Göthe's „Faust", nur sind sinne Nach-suche ausländischer Muster keineswegs mit der Strenge und Eorrectheit ausgeführt,die solche Verpflanzungen entschuldigen könnte. Der in England beliebten Nettig-keit kam die neue Erfindung der Siderographie zu Hülfe, die zu größer» Werke»noch nicht angewandt worden ist, wahrend Frankreich MitVorguiistdenLueindNlckpflegte, der von seinem HeimathlandeDeutschland aus die Welt durchwandert hat.— Bei den Holländern glänzt im Vergleich der frühern Schule von Pontius,Edelinck u. A. der Grabstichel jetzt weniger. Doch für malerische Radirungen und